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Kirche

Kardinalserhebung: Müller feiert deftig

Der Innenhof der Glaubenskongregation ist am 22. Februar weißblau beflaggt: Brauerei Bischofshof und Metzgerei Gierstorfer sind als Caterer in Rom.
Von Helmut Wanner, MZ

So prosteten sie sich 2012 zu: Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller und der Direktor der Brauerei Bischofshof, Hermann Goß. Foto: Bischofshof

Regensburg.Kardinals-Purpur ist das höchste, wohin man in der katholischen Farben-Hierarchie aufsteigen kann. Darüber kommt nur noch das päpstliche Weiß und das bayerische Weißblau.

Wenn sich am Samstag, 22. Februar, der Weihrauch in St. Peter, Rom, verzogen hat, wo 19 Bischöfe zu Kardinalen geweiht werden, dann werden im Hof der Glaubenskongregation im Palazzo del Sant’Uffizio die Grills und Wärmetheken angeworfen. Es duftet nach Backschinken in Honigkruste und Leberkäse. Der Rauch von Bratwürstln und Halssteaks steigt auf. Und aus dem Zapfhahn sprudelt helle und dunkle Freude: Urtyp und Weizen von Bischofshof und das Weltenburger Barock-Dunkel. Man muss es ihm einfach lassen: Der Chef des Hauses, der Präfekt der Glaubenskongregation, Dr. Gerhard Ludwig Müller, ist bodenständig. Der Arbeitersohn erinnert sich an seine Wurzeln in Mainz/Finthen und lässt zur Feier nicht Prosecco und Antipasti, sondern eine deftige bayerische Brotzeit und heimatlichen Gerstensaft vom Fass auffahren. Die Ware kommt, grob gesagt, aus Regensburg. Dort wurde er am 24. November 2002 zum Bischof geweiht. Keine zwölf Jahre dauerte es bis zum Kardinal. Aber Müller hat in Rom nicht vergessen, wo er herkommt.

Leberkäse für 600 Personen

Artur und Thomas Gierstorfer kommen mit dem Vertriebschef der Brauerei Bischofshof, Peter Nußbaumer, gerade aus der ewigen Stadt zurück. Es ist ein denkwürdiger Tag: Heute vor einem Jahr, am 11. Februar 2013, Rosenmontag, kündigte Papst Benedikt XVI. überraschend an, sein Papstamt niederzulegen – als erster Papst seit mehr als 700 Jahren. In Rom war das jetzt kein Thema. Dort haben sie vor Ort die letzten Details geregelt.

Der designierte Kardinal habe die Regensburger Delegation „sehr herzlich“ empfangen, erinnert sich der Seniorchef der Pfatterer Metzgerei mit drei Filialen in Regensburg. Ein bisschen angst und bang könnte es einem schon werden. Der Erzbischof rechnet mit 600 Gästen. „Es können aber auch 1000 werden“, hat er den Caterern aus Regensburg zugerufen.

Die Feier wird im Innenhof des Palazzos und auf dem umlaufenden Balkon im ersten Stock stattfinden. Das Ordinariat hat eine 55-köpfige Delegation zusammengestellt. Frauen und Männer, hoch und niedrig, bunt gemischt, steigen am Freitag, 21. Februar in München in den Flieger, um bei der Kardinalserhebung dabei zu sein. Am Montag, 24. Februar landet die Gruppe wieder in München.

Müller kommt am 4. Mai

Der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger lässt sich durch Bürgermeister Gerhard Weber vertreten. Auf der Gästeliste fehlt auch der Name des Domprobstes und Spitalratsvorsitzenden, Dr. Wilhelm Gegenfurtner. Dagegen wird der Leiter des Schulreferats, Domkapitular Johann Neumüller, teilnehmen, schon alleine wegen der Diözesanen Schulstiftung, die Gerhard Ludwig Müller in seinem ersten Jahr als Bischof gründete und damit zwölf kirchliche Schulen im Bistum rettete.

Feiern dürfen nicht nur ein paar Auserwählte. Ganz Regensburg ist eingeladen, am 4. Mai mit dem ehemaligen Bischof von Regensburg auf dem Domplatz auf seine Kardinalserhebung anzustoßen. An diesem Sonntag ist Regensburg-Marathon. Wahrscheinlich wird der Gottesdienst deswegen um 15 Uhr im Hohen Dom zu Regensburg stattfinden, heißt es aus Kirchenkreisen. Im Anschluss daran ist wieder Bewirtung auf dem Domplatz, wie das auch schon im September 2012 der Fall war. Die Regensburger erinnern sich an diesen sonnigen Spätsommertag, als der scheidende Bischof gar nicht zur Ruhe kam, soviele Hände wurden ihm entgegengestreckt. Jeder, der dabei war, ging stolz mit dem 83-seitigen und hochglänzenden Dankeschön-Heft nach Hause. Dieser phänomenale Abschied passte gar nicht zu den düsteren Stimmungsbildern, die während seiner zehnjährigen Amtszeit in Regensburg gezeichnet worden waren. Für die Brauerei Bischofshof ist die Bewirtung von bis zu 1000 Gästen der Kardinalserhebung kein Problem. Da gab’s Größeres. Zum 500. Jubiläum der Schweizergarde im Mai 2006 fuhr die Brauerei 65 Hektoliter Weltenburger Bier nach Rom. 5000 Gäste feierten in der Engelsburg ein halbes Jahrtausend Bestehen der Wache des Papstes.

Möglich gemacht hatte die werbewirksame Aktion der gute Kontakt zwischen Brauereidirektor Hermann Goß und dem Kommandanten der Schweizergarde, Elmar Mäder. Die beiden lernten sich 2003 kennen, als Goß mit einer Delegation einer Stuttgarter Brauerei Kardinal Joseph Ratzinger besuchte, um in einem Rechtsstreit mit der Firma Aquavit für Unterstützung der Biermarke Malteser zu werben.

Goß ist in Rom mittlerweile fest verwurzelt. Damals fuhr ein „American Truck“ über den Brenner, diesmal reichen ein paar Kleintransporter, um die Ware 1100 Kilometer nach Rom zu befördern. Die Brauerei nutzt die Gelegenheit, wichtige Geschäftskunden der Brauerei nach Rom einzuladen.

Für Artur Gierstorfer ist es die erste Lieferung in den Vatikan. Glücklicherweise kann er sich Geschirr und Besteck aus der Vatikanmensa ausleihen. Er freut sich sehr, dass Gerhard Ludwig Müller für seine Kardinalserhebung „etwas aus seiner Heimat“ haben wollte. Der Präfekt fühlt sich der Diözese verbunden. Der Pfingstritt bleibt für ihn ein Muss. Gierstorfer wird somit auch für die Kötztinger Delegation Steaks auf den Grill werfen.

Der Pfingstritt: Auch Papst Franziskus kennt ihn jetzt. Als sich Müller Pfingsten vom Chef verabschiedete, musste er ihm erklären, was das sei. „Eine Wallfahrt. Ich reite auf einem Pferd und halte die Monstranz“, sagte der 1,90-Meter-Mann. Der Kommentar von Papst Franziskus ist verbürgt: „Arme Pferde.“

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