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Politik

Kastner will den Bundestag entern

Der Student fühlt sich für den Job in Berlin gewappnet. Vom Bildungsbereich bis zur Drogenpolitik gebe es im Land noch viele Baustellen, findet er.
Von Daniel Steffen, MZ

Der gebürtige Regensburger Jan Kastner will für die Piratenpartei in den Bundestag. Foto: Steffen

REGENSBURG. Er ist derjenige Regensburger Bundestagskandidat, der ein wenig aus der Reihe fällt: 23 Jahre jung, befürwortet Jan Kastner die Legalisierung aller Drogen. Der ehemalige Vorsitzende der Piratenpartei in der Oberfalz hat da seine guten Gründe für: Das Beispiel Portugal habe gezeigt, dass dort langfristig eine Legalisierung die Lebensverhältnisse der Konsumenten bessern konnte und dass das Land – allen Befürchtungen entgegen – nicht zum El Dorado aller Junkies und Dealer geworden sei. „Du darfst als Staat nicht vorschreiben, wie sich die Menschen zu berauschen haben“, befindet Kastner – und argumentiert, dass der Schwarzmarkt „weder Jugend- noch Verbraucherschutz kennt“. Niemand würde kontrollieren, wie die Drogen zusammengesetzt seien, was den körperlichen Verfall oft begünstige. Statt Menschen in den Knast zu schicken, sei es sinnvoller, ihnen Therapien anzubieten, meint Kastner.

Was das Schulwesen betrifft, findet Kastner das Modell der Gesamtschule gut. Seiner Auffassung nach sei es richtig, die Schüler so lange wie möglich gemeinsam zu unterrichten. Nach dem „englischen Modell“ der A-, B- und C-Kurse sollte die Möglichkeit unterschiedlicher Lern-Anforderungen geboten werden.

„Gleiche Bildungschancen für alle“

„Den Bildungsföderalismus, den wir in Deutschland haben, ist extrem“, protestiert Kastner, der für mehr Chancengleichheit in der Schule und beim Studium wirbt. Auch im privaten Umfeld habe er beobachten können, dass Abiturienten aus Arbeiterfamilien seltener den Weg an die Unis fanden als solche aus Akademikerfamilien. Der Grund liegt auf der Hand: „Die Familien können sich nicht leisten, das Studium zu finanzieren.“ So sei es eine zentrale Forderung der Piraten, jegliche Bildungsgebühren abzuschaffen – angefangen von der Kindertagesstätte bis hin zur Universität.

Für gewöhnlich beschreitet auch Jan Kastner den Weg zur Universität, doch hat er für seinen laufenden Wahlkampf ein Urlaubssemester eingelegt. An der Uni Regensburg studiert er Politikwissenschaften und peilt den Bachelor-Abschluss an. Sollte er in den Bundestag nach Berlin gewählt werden, will er sein Studium nicht ganz aufgeben, sondern als Teilzeitstudium weiter laufen lassen.

Vor vier Jahren legte er los

Den „Piraten“ gehört er seit 2009 an. Als er der Partei beitrat, war er gerade einmal 18 Jahre alt. Sein erster Gang zur Wahlurne, der dem Beitritt voranging, hatte sich mit einem unwohlen Gefühl im Magen abgespielt: „Im Grunde genommen habe ich mich politisch nicht vertreten gefühlt“, so Kastner. Das änderte sich erst dann, als er sich das Programm der Piratenpartei näher angeschaut hatte: „Ich war total begeistert. Alles, was sie forderten, entsprach auch meiner Meinung“, erinnert er sich gern zurück. Der Parteibeitritt folgte schnell – und schon vier Jahre später tritt er als Bundestagskandidat an. Wie er glaubt, sei er der „jüngste Kandidat“ in Bayern.

Mit den Aktiviäten „seiner“ Piraten in der Oberpfalz ist Jan Kastner zufrieden: „Wir sind eine Partei, die Aktivismus mit Politk verbindet“, erklärt er, zählt Beispiele wie die Teilnahme am Regensburger Christopher-Street-Day und die Demonstrationen gegen das umstrittene ACTA-Abkommen auf. Erst am vergangenen Sonntag hatte man sich auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs mit einer Champagnerparty gegen die „Verdrängungspolitik auf öffentlichen Plätzen“ zur Wehr setzen wollen. Initiiert hatte die Aktion „Piraten“-Oberbürgermeisterkandidatin Tina Lorenz. Für Jan Kastner steht fest: „Unsere rege Aktivität hat dazu geführt, dass wir als Piraten-Bezirksverband mit der Zeit immer bekannter geworden sind.“ Gut 500 Mitglieder zählt der Verband derzeit.

Warnung vor einem „Disneyland“

Dem gebürtigen Regensburger war es ein wichtiges Anliegen, seinen Protest gegen die zunehmende Gentrifizierung in der Stadt Ausdruck zu verleihen: Vor wenigen Monaten verkleideten sich er und seine Partei-Kollegen bei einer Demo in der Altstadt als Mickey-Mäuse, um vor einem „Disneyland“ Regensburg zu warnen.

Es könne nicht angehen, dass man in der Altstadt nur Touristen gerecht werde, neue Hotels und Boutiquen schaffe und die City-Bewohner zu kurz kämen, ärgert sich Kastner. Man wolle den Tourismus nicht verhindern, sich aber dafür einsetzen, dass die Altstadt ein „lebenswerter Wohnraum für die gesamte Gesellschaft bleibt“.

Was die sexuelle Freiheit angeht, da will die Piratenpartei alle Formen der Partnerschaft akzeptieren. „Wenn sich drei Menschen entscheiden, eine Lebensgemeinschaft zu führen, dann ist das genauso in Ordnung, wie wenn man eine Zweierbeziehung führt“, sagt Kastner. Er lehnt ein Ehegattensplitting strikt ab: „Es passt nicht in unser Familienbild, da es auch kinderlose Ehen finanziell fördert. Daher ist es sukzessive abzuschaffen“, argumentiert Kastner. „Vernünftiger finden wir, wenn die Förderung beim Kind ansetzt. Die Realisierung eines Kindergrundeinkommens ist unser Meinung nach kurzfristig umsetzbar.“

Von der heutigen Gesellschaft zeichnet Kastner ein überwiegend positives Bild. Sie sei toleranter und offener als früher. Das Tempo, mit dem man sich durch die Zeit bewege, habe enorm zugenommen – nicht immer zum Vorteil der Menschen. Das Internet habe die Kommunikation dahingehend grundlegend verändert, dass man heute nicht daheim hocken müsste, um miteinander zu sprechen. Dass viele Menschen nicht in den Genuss des Internets kommen können, bedauert er. Schließlich biete das Web eine Vielzahl an Informationen und sei somit ein „wichtiger Zugang zur Bildung“.

Die Welt der Computer hat ihn seit seiner frühen Kindheit fasziniert –und noch ein Stück weit mehr die Welt derRetro-Spielekonsolen. Ob nun der klassiche „Gameboy“, eine betagte Atari-Steckkonsole oder die neuesten Nintendo-Modelle: Kastner sammelt sie alle. Gern darf es auch eine Nummer sportlicher sein: Mit Street Dance hält er sich körperlich genauso fit wie auf dem Long-Board, auf dem er Tag für Tag von seiner Wohnung in Königswiesen bergab in die Stadt düst.

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