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Glaubensfest

Katholikentag findet in Regensburg statt

Das Zentralkomitee der Katholiken nimmt die Einladung des Regensburger Bischofs an, betont aber: Niemand wird ausgegrenzt.
von Christine Schröpf, Mz

  • Bereits 2006 war Regensburg Schauplatz eines Glaubensfestes: Tausende von Menschen verfolgten auf dem Islingerfeld in Regensburg die Papstmesse.
  • Bereits 2006 war Regensburg Schauplatz eines Glaubensfestes: Tausende von Menschen verfolgten auf dem Islingerfeld in Regensburg die Papstmesse.

Bad Godesberg. Der 99. Katholikentag findet vom 28. Mai bis 1. Juni 2014 in Regensburg statt. Das ist am Samstag bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Bad Godesberg mit großer Mehrheit in geheimer Abstimmung beschlossen worden. 114 von 145 Delegierten stimmten mit Ja, 12 mit Nein. Es gab 19 Enthaltungen. Somit stimmten 78,6 Prozent für den Kirchentag in Regensburg. Schwerpunktthemen sollen die Armut in der Welt sein, Fragen der Ökumene und die Kirche in Tschechien. Regensburg war zuletzt vor 110 Jahren Schauplatz eines Katholikentages, Bayern war seit 30 Jahren nicht mehr Gastgeber. Bei dem Großereignis werden Gläubige aus ganz Deutschland zusammenströmen. Beim Katholikentag 2008 in Osnabrück hatten sich rund 60.000 Christen versammelt.

Kritische Diskussion

Der Entscheidung für Regensburg war eine kritische, eineinhalbstündige Diskussion vorangegangen – vor dem Hintergrund der grundlegenden Umstrukturierung der katholischen Laiengremien im Jahr 2005 und dem Eklat um den früheren bayerischen Kultusminister Prof. Hans Maier, der wegen seines Engagements in der Schwangerenberatung Donum Vitae seine Biografie 2011 nicht in den Räumen des Regensburger Bistums vorstellen durfte. „Man kann nicht die einen einladen und die anderen ausladen“, sagte Maier. Sein Vertrauen in Bischof Müller sei nachhaltig gestört. Die bischöfliche Pressestelle habe Katholiken, die sich in der Schwangerenberatung Donum-Vitae engagieren im Zusammenhang mit der Buchpräsentation indirekt Beihilfe zum Mord vorgeworfen, sagte er und verlangte ein klärendes Wort des Regensburger Oberhirten. „Das muss öffentlich zurückgenommen werden.“ Doch auch Maier stimmte nicht gegen den Katholikentag in Regensburg. Er werde sich der Stimme enthalten, hatte er schon vorab angekündigt.

„Es ist wahr: die jüngste Geschichte zwischen Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller und dem ZdK ist nicht frei von Spannungen, Brüchen und Auseinandersetzungen verlaufen“, sagte Generalsekretär Dr. Stefan Vesper. „Umso mehr gilt: Die Einladung ist eine Chance für uns alle.“ Dem stimmte die aus Regensburg stammende Delegierte der Katholischen Landvolkbewegung, Maria Baumer, zu. „Vielleicht kann Regensburg ein Ort der Hoffnung und Versöhnung werden.“ Der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer äußerte ebenfalls die Hoffnung auf „eine neue Dialogkultur“. Die Donum-Vitae Landesvorsitzende und ehemalige Regensburger Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn sagte, trotz „gemischter“ Gefühle: „Es ist eine Chance, dass wir eine Brücke bauen können, zwischen dem, was war und ist, und dem, was in Zukunft nicht mehr sein sollte.“

Bischof Müller hatte dem Zentralkomitee bereits im Sommer die herzliche Einladung überbracht, den Katholikentag 2014 in Regensburg auszurichten. Zuvor waren Gespräche des ZdK mit anderen Bistümern aus unterschiedlichen Gründen gescheitert. Die Ausrichtung des Großereignisses bringt für die jeweilige Diözese hohe Kosten mit sich. Der Etat betrug in der Vergangenheit zwischen acht und neun Millionen Euro. Wie der Regensburger Bischof am Samstag bekannt gab, hat der Kirchensteuerrat des Bistums Regensburg bereits 1,5 Millionen Euro bewilligt. Die Kosten für den Kirchentag werden zu je einem Drittel durch Teilnehmerbeiträge, durch öffentliche Gelder sowie durch Kirchenmittel gedeckt, die die jeweilige Diözese sowie die Bischofskonferenz bereitstellen. Vor der Abstimmung am Samstag hatten die Regensburger Delegierten – die stellvertretende Diözesankomitees-Vorsitzende Michaela Halter und Michael Schörnig – die Einladung Müllers erneut überbracht.

Mögliche Konfliktpunkte im Vorfeld angesprochen

Mögliche Konfliktpotenziale waren nach Angaben von Zdk-Präsident Alois Glück im Vorfeld bei einem Gespräch am 11. Oktober in München diskutiert worden. Teilnehmer waren neben Bischof Müller unter anderem der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, der Vorsitzende des Regensburger Diözesankomitees, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld und der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs. „Wir haben erneut gemeinsam festgestellt, dass ein Katholikentag 2014 in Regensburg eine besondere Chance für das katholische Deutschland darstellen könnte“, so Vesper.

Bei dem Treffen in München wurde nach Angaben des ZdK-Präsidenten Glück besprochen, dass keine katholische Gruppe oder auch Personen ausgegrenzt werden dürften. Namentlich genannt wurde Donum Vitae und die „Vereinigungen der Priester und ihrer Frauen“ genannt, sowie Hans Maier, die Regensburger Theologieprofessorin Sabine Demel und der frühere Regensburger Diözesanratsvorsitzende Fritz Wallner. „Dem ist nicht widersprochen worden“, betonte Glück.

„Wir haben betont, dass die Katholikentage seit jeher integrieren und zusammenführen wollen“, sagte Generalsekretär Vesper. „Sie sind ein Spiegel der Vielfalt, die in unserer Gesellschaft herrscht.“ Das müsse auch 2014 in Regensburg gelten. Klargestellt worden sei zudem, dass auch „sperrige Themen“ wie das Diakonat der Frau mit seinen unterschiedlichen theologischen Positionen nicht tabu sein werden. „Selbstverständliche Regel ist, dass hierbei auch die jeweilige Position der katholischen Kirche kompetent und klar auf dem Podium vertreten ist.“

Bei etwaigen Bedenken des Bischofs werde – wie bei den Kirchentagen davor – alles versucht, um Einvernehmen zu erzielen. Glück unterstrich ausdrücklich einen Satz von Bischof Müller in einem Interview vom 9. Juli 2011: „Wir müssen uns (...) von den Verkrampfungen der Gruppenbildung lösen und die größere Gemeinschaft aller in der Kirche neu entdecken, einer Gemeinschaft, die uns trägt und der wir dienen.“

Zum Auftakt der Vollversammlung am Freitag war es zwischen dem Laiengremium und der Deutschen Bischofskonferenz zu Irritationen gekommen. Auslöser war der Entschließungsantrag „Für ein partnerschaftliches Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche“, der unter anderem vorsieht, das Amt des Diakons für Frauen zu öffnen. Anstoß erregte auch die Forderung, dem Netzwerk „Diakonat der Frau“ beizutreten. Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Hans Langendörfer, reagierte noch am Freitagabend mit deutlichen Worten. Er sprach von einer „erheblichen Belastung“ für das Gespräch zwischen der Bischofskonferenz und dem ZdK. Es werde „Druck aufgebaut“, der dem Dialogprozess schade. „Die Forderung nach dem Diakonat der Frau ist mit den weltkirchlich verbindlichen theologischen Überzeugungen und Festlegungen nicht vereinbar.“ Das Diakonat ist das unterste katholische Weiheamt.

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