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Kein Anspruch auf Dusche und warmes Wasser

„Das war das schlimmste Weihnachtsfest meines Lebens“, sagt Rentner Dieter K. (Name geändert), der schon seit vielen Jahren in der Notwohnanlage in der Aussiger Straße im Stadtnorden lebt. In der Nacht, so erzählt er, hätten Mitbewohner im Haus Brennholz gehackt. Und dann immer diese laute Musik. „Ich will hier raus, in eine andere Wohnung“, sagt er. Aber in der Aussiger Straße will er bleiben, „das ist meine Heimat.“

Die Häuser mit den Nummern 23 bis 29 sind vier Notwohnblöcke der Stadt,von denen an zwei Gebäuden Instandsetzungsarbeiten laufen. Die Dämmung der Außenfassaden und die Neueindeckung der Dächer dienen einer besseren Wärmeisolierung und sollen ein häufiges Problem, nämlich den Schimmelbefall im Putz der Wände, verhindern. Um sanieren zu können, wurden den Bewohnern übergangsweise andere Unterkünfte zur Verfügung gestellt, was einen erheblichen Kraftakt für alle Beteiligten bedeutete.

„Doch warum nutzt die Stadt nicht die Gelegenheit und geht die dauerhaft problematische Situation des Wohn- und Sozialumfeldes in der Notwohnanlage umfassend an?“, fragen die Diplomsozialpädagogin Heidi Böhm und Reinhard Kellner vom Sozialpädagogischen Arbeitskreis (SAK), der dort innerhalb des Blocks ein Büro unterhält. „Einmal pro Woche bieten wir eine Anlaufstelle für die Bewohner“, sagt Heidi Böhm. „Dadurch erhalten unsere Mitarbeiter auch Einblick in die Wohnsituation.“

Und die sieht alles andere als einladend aus. Schon im Treppenhaus riecht es penetrant nach Heizöl. Im Keller befinden sich zwei Nasszellen für acht Mietparteien. Die sind im Dunkeln fast nicht zu finden. Und dunkel ist es, weil die Glühbirne fehlt. „Die wird immer geklaut, kaum dass wir eine neue Birne einschrauben“, sagt der Hausverwalter der Stadtbau-Wohnungen.

Eine der beiden Duschen scheint seit ewigen Zeiten nicht benutzt worden zu sein; hier stapelt sich der Dreck und der Unrat. In der anderen Nasszelle klemmt die Tür. Innen brennt die Heizung. „Hier geh’ich sowieso nicht zum Duschen“, sagt Rentner K. und man versteht ihn nur zu gut.

Problematisch für Familien

„Natürlich kommt es auch auf das Verhalten des Einzelnen an, wie die Wohnung instand gehalten wird“, räumt Heidi Böhm ein, „aber einfach sind die Rahmenbedingungen für ein erträgliches – wenn auch nur übergangsmäßiges Wohnen nicht gerade.“ Am augenfälligsten seien die Gemeinschaftsduschen im Keller –zu erreichen über das kalte und halb öffentlicheTreppenhaus, von jedermann zu begehen. Und die Warmwasserversorgung in den Wohnungen erfolge über Elektro-Einzelboiler. Geheizt werde über Öl-oder Holzeinzelöfen. Zwei bis drei Zimmer fallen dabei auf einen Ofenanschluss. „Nicht selten kommt dann bei Minustemperaturen ein zusätzlicher Heizlüfter zum Einsatz, der die Stromkosten in die Höhe treibt.“

Im übrigen seien Notwohnanlagen nur für eine kurze Verweildauer gedacht – bis eine bezahlbare Mietwohnung gefunden ist. In der Praxis aber bestünden oft lange Wartezeiten, liege die durchschnittliche Verweildauer bei viereinhalb Jahren. Dies sei besonders bei Familien mit Kindern problematisch. „Abgesehen von unzureichenden baulichen und hygienischen Strukturen, die den Alltag mit Kindern und Heranwachsenden nicht gerade einfach machen, ist für die Familien die Unterbringung in einem sozial verträglichen Umfeld einzufordern und umzusetzen.“

Dies sieht auch Alfred Santfort so, der als Leiter des Ordnungsamtes auch für die Notwohnungen zuständig ist. Allerdings sei seine Behörde an ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs gebunden. Und darin heißt es, dass die Ausstattung von Notwohnungen lediglich einen Notlösung sei. Hier bedürfe es weder eines Warmwasseranschlusses noch eines Bades oder einer Dusche. Es genüge bereits pro Wohnung ein WC und eine Waschgelegenheit. Für den Rest hätten die Bewohner selber zu sorgen. Denn eine Notwohnung dürfe nur eine Übergangslösung sein. Vor allem aber müssten sie sich selber aktiv an der Suche eine regulären Wohnung beteiligen.

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