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Keine Chip-Karte: Patient scheiterte an Notaufnahmen

Polizeibeamte brachten einen hilflosen Mann nach einer Klinik-Odyssee am Donnerstagnacht in das Caritas-Krankenhaus St. Josef. „Zwei Regensburger Krankenhäuser hatten die Aufnahme des nicht krankenversicherten Mannes verweigert“, so bestätigte Susanne Haggenmiller von St. Josef gestern auf Anfrage. Die betroffenen Krankenhäuser widersprechen dieser Darstellung. Der 52-Jährige war am Abend von Polizeibeamten bei einer Wohnungsöffnung in Köfering in einem psychotischen Zustand angetroffen worden. Er hatte monatelang mit der mumifizierten Leiche seiner Mutter (83) unter einem Dach gelebt und sich nach eigenen Angaben zuletzt nur noch mit Wasser und Kornäpfeln ernährt. Er war sehr abgemagert.

Die Polizei fuhr den Patienten, der wegen banaler Verkehrsdelikte mit Haftbefehl gesucht war, „die halbe Nacht durch Regensburg“, was bei den Beamten für böses Blut sorgte, wie es hieß. Ein Skandal in der Notaufnahme? Die Uniklinik und das Bezirkskrankenhaus konnten den Notaufnahme-Skandal gestern nur teilweise aufklären. Cordula Heinrich von der Pressestelle der Uniklinik stellte kategorisch klar, „dass bei uns niemand abgelehnt wird, nur weil er nicht versichert ist.“ Stefan Krischker vom Bezirksklinikum teilte gestern kurz vor Redaktionsschluss nach einem Gespräch mit der zuständigen Dienstärztin mit, es sei keinesfalls so, dass der Patient wegen fehlender Sozialversicherungskarte abgewiesen wurde. „Der Patient wurde mit Notarzt und Polizei von der Uni-Klinik zu uns gebracht. Dort war man wohl davon ausgegangen, dass es in der psychiatrischen Klinik auch eine internistische Intensivüberwachung gibt. Das ist aber nicht der Fall.“ Da sowohl der begleitende Notarzt als auch die Dienstärztin der Meinung gewesen seien, dass der Patient internistisch intensiv-überwacht werden müsse, habe die psychiatrische Klinik den Patienten nicht angemessen versorgen können. Stefan Krischker schildert die Abweisung als „eine sinnvolle Weitervermittlung zum Wohl des Patienten“. Dr. Helmfried Klein, Chef des Bezirksklinikums, hatte ein skandalöses Patienten-Pingpong zuvor bereits definitiv ausgeschlossen, weil „ein Drittel unserer Aufnahmen Menschen ohne Versichertenkarte sind, die mit der Polizei gebracht werden.“

Im Caritas-Krankenhaus St. Josef hatte man keinen Erklärungsnotstand. Dort wurde der 52-Jährige „selbstverständlich aufgenommen und versorgt“. Susanne Haggenmiller: „Wir sind nicht umsonst ein Caritas-Krankenhaus. Wir leben dieses Leitbild auch.“ Der Mann wurde nach einem vierstündigen stationären Aufenthalt am Freitag ins Straubinger JVA-Krankenhaus verlegt.

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