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Verkehr

Kepler-Areal: Misstrauen bleibt

Der provisorische Zentrale Busbahnhof wird eine Schneise am Stadteingang ziehen. Ende kommenden Jahres könnte er fertig sein.
Von Heike Haala

So sieht es beim Ernst-Reuter-Platz aktuell aus. Das Gebiet wird sein Gesicht in Zukunft gehörig verändern. Fotos: Lex
So sieht es beim Ernst-Reuter-Platz aktuell aus. Das Gebiet wird sein Gesicht in Zukunft gehörig verändern. Fotos: Lex

Regensburg.40 000 Menschen sind an einem Werktag im Durchschnitt auf dem Weg zu ihrem Bus bei den Haltestellen im Bereich des Regensburger Stadteingangs unterwegs. Jemanden unter ihnen zu finden, der diesen Bereich als schön oder gar idyllisch bezeichnet, ist schwer. Zudem ist es inzwischen schwierig geworden, den Busverkehr dort abzuwickeln. Deswegen soll der Bereich sein Gesicht in den kommenden Jahren verändern.

Jetzt steht die erste markante Veränderung ins Haus: Bis September sollen die Gebäude auf dem Kepler-Areal dem Erdboden gleichgemacht worden sein. Denn die Stadt benötigt die Fläche für einen provisorischen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Dort soll der Busverkehr abgewickelt werden, bis der endgültige ZOB beim Hauptbahnhof fertig ist. Jetzt stellte die Stadt erste Pläne dafür vor.

Entscheidung

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Ein Kreisverkehr für Busse

Die Bürger sahen die Pläne am Donnerstag erstmals. Foto: Haala
Die Bürger sahen die Pläne am Donnerstag erstmals. Foto: Haala

Wo heute noch Aufbauten stehen, werden einmal die Busse halten, die im Stadtgebiet unterwegs sind. In der Maximilianstraße und in der Albertstraße soll der Regionalbusverkehr abgewickelt werden. Der Altstadtbus hält in der Maximilianstraße, die C-Linien auf der Galgenbergbrücke. Weiterhin werden die Bushaltestellen am Ernst-Reuter-Platz wegfallen. Dort soll ein Kreisverkehr für die Busse entstehen. Tobias Ruf, Koordinator des städtischen Projektteams, geht davon aus, dass der Interims-ZOB Ende kommenden Jahres fertig sein könnte – so lange alles nach Plan verläuft. Wie viel die Zwischenlösung kosten wird, ist jetzt noch unklar. Die Stadt beziffert den Kostenrahmen in einer Vorlage für den Planungsausschuss in der kommenden Woche mit vier Millionen Euro.

So sieht der Plan der Stadt aus.

Dass das Keplerareal ohne die Aufbauten sein Gesicht fundamental verändern wird, ist klar, wie es einmal aussehen wird noch nicht. Diese Planungen werden erst nach dem Beschluss im Planungsausschuss Fahrt aufnehmen. Der provisorische ZOB wird kein Luxusprojekt. In der Vorlage ist viel mehr davon die Rede, dass damit die „Minimalanforderungen“ erfüllt werden sollen. Die beziffert die Stadt mit 20 Haltestellen und zehn Parkplätzen für die Busse. Zum Vergleich: Im Moment gibt es 29 solcher Bushaltestellen. Als Parkplätze wird der Bereich vor dem Bahnhof genutzt. Frank Steinwede, der zuständige Geschäftsführer beim Stadtwerk, sagt aber dennoch, dass die Leistungsfähigkeit des ÖPNV nicht darunter leiden werde.

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Auf die Optik der Haltestellen angesprochen sagte er, dass die Fahrgäste nicht im Regen auf ihren Bus warten werden müssen. „Goldene Dächer“, werde diese Übergangslösung aber nicht haben. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer fügte an, dass der Interims-ZOB funktional sein müsse. „Hier entsteht kein Schotterplatz“, sagte sie.

Den gesamten Donnerstag über konnten sich die Regensburger im Degginger in der Wahlenstraße über die Pläne der Stadt informieren. Einige von ihnen blieben misstrauisch. So fand etwa Toni Plommer die Planungen in Ordnung. Sollten dafür aber weitere Grünanlagen angetastet werden müssen, wäre das für ihn ein No-Go. Zwar hätten ihm die städtischen Mitarbeiter hoch und heilig versporchen, dass dies nicht der Fall sein werde, so ganz traute er der Sache aber nicht. Auch Karl Bierl ist es wichtig, dass die Grünfläschen jetzt unangetastet bleiben und es durch die Baustelle keine Kollateralschäden gibt. Die Vertreter der Stadt im Degginger beteuerten, dass keine weiteren Bäume fallen werden. Koordinator Ruf kündigte einen Bauzaun an, der die Bäume auf dem Keplerareal für die Zeit der Baustelle schützen werde. Zudem werde ein Landschaftarchitekt einmal in der Woche nach dem Rechten sehen.

Was macht die Stadt danach

Weiterhin wollte Teilnehmer Bierl wissen, wie die Zukunft des Areals aussieht. Darauf gibt es jetzt aber noch keine Antwort. „Etwa in sieben Jahren müssen wir wissen, was wir damit machen“, sagt Projekt-Koordinator Ruf. Und das, obwohl sich die Stadt nun per Erbpacht für 99 Jahre an das Areal gebunden hat. 131 801,72 Euro Erbbauzins pro Jahr legt sie spätestens bis Ende 2021 dafür auf den Tisch. Danach erhöht sich die Summe auf 263 603,45.

Plommer hätte er sich auf der Informationsveranstaltung der Stadt zudem eine deutlichere Aufforderung an die Bürger gewünscht, der Stadt ihre Meinung mitzuteilen. Schließlich entdeckte er auf einem Tisch Stifte und Blöcke und schrieb eine Notiz mit sechs Punkten an die Stadt, in denen er auch seine Skepsis zum Ausdruck brachte. Projekt-Koordinator Ruf kündigte an, dass die Stadt im Herbst wieder mit den Bürgern diskutieren werde, wenn die Konzepte für die Freiflächen und dien Verkehr stehen. Für Mike Middleton fehlt es der Stadt an einem Ziel. Seiner Meinung nach brauche es vor der Umgestaltung des Bahnhofs ein Verkehrskonzept. Ein ZOB sei der falsche Weg. „Sonst müssen alle in der Mitte umsteigen“, sagt er. Middleton sähe es lieber, wenn andere Umsteigepunkte dafür gestärkt würden.

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