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Begleitung

Kinder trauern anders als Erwachsene

Sie müssen lernen, den Tod als Teil des Lebens anzunehmen. Ein Verein unterstützt betroffene Kinder und Jugendliche.
Von Elisabeth Angenvoort

Die Kindertrauerbegleitung bietet Kindern und Jugendlichen einen geschützten Rahmen. Symbolfoto: Hendrik Schmidt
Die Kindertrauerbegleitung bietet Kindern und Jugendlichen einen geschützten Rahmen. Symbolfoto: Hendrik Schmidt

Regensburg.Das kleine Mädchen, sonst immer unbeschwert und offen, ist plötzlich verstummt. Im Kindergarten mag es nicht mehr spielen und auch mit niemandem reden. Es hat gerade seinen Opa verloren und weiß nicht, wohin mit seiner Trauer. Und was fühlt ein Kind, das im Unterricht zum Muttertag etwas basteln soll, wenn die Mutter bereits tot ist? Was geht in dem Jugendlichen vor, der den Todestag seines Vaters im Schullandheim erlebt und sich seiner Tränen schämt?

Das sind nur wenige Beispiele von Situationen, die so nicht passieren müssten; und doch ist der Tod in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, etwas, das man weit von sich schiebt, weil es schwer ist und „weil es auch irgendwann wieder gut sein muss“, wie man nach einer Zeit der Trauer oft sagt. Doch für ein Kind oder einen Jugendlichen ist nach dem Tod eines Elternteils oder nahestehenden Menschen nichts mehr wie vorher, und nichts ist mehr gut. Die Zeit kann hier erst einmal gar nichts „heilen“.

Trauer ist keine Krankheit

Heranwachsende trauern anders als Erwachsene, und Kinder trauern anders als Jugendliche. Hier setzt die Arbeit der „Kindertrauerbegleitung e.V.“ in Regensburg an. Das Team von qualifizierten ehrenamtlichen Kinder- und Jugendtrauerbegleitern bietet in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe für alle Kinder, Jugendlichen und deren Bezugspersonen. In Abgrenzung zur psychologischen Therapie übernehmen die Mitarbeiter eine begleitende Funktion, denn „Trauer ist keine Krankheit“, sagt Barbara Pustet, „aber Trauer kann krank machen, wenn sie nicht gut bearbeitet wird“. Die Kinder-Physiotherapeutin und Heilpädagogin leitet den Verein, der seit 2016 Mitglied bei den Regensburger Sozialen Initiativen e.V. ist. Immer wieder erlebe man Hilflosigkeit gegenüber dem Thema Sterben und Tod an Schulen und Kindergärten, sagt Pustet.

Der Verein

  • Offener Treff:

    Einmal im Monat bietet Kindertrauerbegleitung e. V. im Pfarrheim St. Cäcilia, Reichsstraße 11, 93055 Regensburg, einen offenen Treff an.

  • Anmeldungen:

    Anmeldungen für Kindertrauerbegleitung: b.pustet@kindertrauerbegleitung-regensburg.de oder Tel. (09 41) 20 05 27 61; (01 76) 61 86 34 62 Infos: www.kindertrauerbegleitung-regensburg.de

Erwachsene müssen nach dem Tod eines nahen Angehörigen erst nur „funktionieren“, bevor sie ihre Trauer zulassen können. Kinder spüren das und trauen sich oftmals nicht zu trauern, da sie die Mutter oder den Vater nicht noch zusätzlich belasten wollen. „Man muss sich Zeit zum Trauern nehmen“, sagt Pustet, und sich einlassen auf die Konfrontation mit dem Tod, damit er als Bestandteil des Lebens angenommen werden kann.

Die Kindertrauerbegleitung bietet einen geschützten Rahmen, in dem Kinder und Jugendliche ihrer Trauer mit allen Sinnen Ausdruck verleihen können. Parallel dazu können die Bezugspersonen das „Elterncafé“ besuchen, wo sie weitere Unterstützungsangebote bekommen.

„Wir orientieren uns an der Individualität des Einzelnen“, betont Pustet. Trauer zeigt sich gerade bei Heranwachsenden in einer Vielfalt von Gefühlsreaktionen. In der Zeit der Pubertät erhält die Trauer noch einmal einen gesonderten Stellenwert, da die Phasen zwischen pubertären Schüben und Verlustschmerz oft übergangslos sind. Die Jugendlichen brauchen einen Platz, wo sie merken: „Es wird gesehen, wie es uns geht“.

Geschlossene Gruppe für Kinder

Viele der Jugendlichen, die den Weg zur Trauerbegleitung gefunden haben, kommen bis zu zwei oder sogar drei Jahre lang zu den Treffen der „offenen Gruppe“. Für die jüngeren Kinder gibt es ein Jahr lang insgesamt zehn Treffen in einer geschlossenen Gruppe mit maximal acht Teilnehmern. „Wir sind auf verbindliche Anmeldungen angewiesen“, sagt Pustet, da sonst keine kontinuierliche Arbeit auf Vertrauensbasis möglich ist.

Zusätzlich zu den festen Terminen werden ein- oder zweimal im Jahr Projekttage jeweils für Kinder und Jugendliche angeboten. So wurde durch eine Spende der Familie Grundner (Alpakahof in Danersdorf bei Regenstauf) im Mai ein besonderes Erlebnis für die Kinder möglich: Sie wanderten einen Tag lang mit Alpacas durch die Natur und erfuhren hautnah die Ruhe und Sanftmut der Tiere.

In den festen Gruppenstunden nähern sich die Kinder in behutsamen Schritten den Themen Abschied, Trauer, Veränderung, vor allem jedoch geht es um Stärkung der eigenen Ressourcen und Trost. Die Kinder müssen zunächst ihre Trauer spüren, sie zulassen, ihren Schmerz, der durchaus körperlich sein kann, lokalisieren, und in einem nächsten Schritt kann all dies kreativ oder verbal ausgedrückt werden. Wichtig ist es auch, Rituale zu leben, die Erinnerung an den Verstorbenen zu konkretisieren, beispielsweise durch Schatzkisten für Erinnerungsstücke. „Wir machen immer etwas Kreatives, das die Kinder mit nach Hause nehmen können“, sagt Pustet.

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