MyMz
Anzeige

Kommunalpolitik

Kinderschutz-Haus ist „dringend nötig“

Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist seit einem Jahr Bürgermeisterin in Regensburg. Im MZ-Gespräch schildert sie Ziele und Sorgen.
Von Claudia Böken, MZ

Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist seit einem Jahr zweite Bürgermeisterin und als Referentin zuständig für Jugend und Soziales.
Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist seit einem Jahr zweite Bürgermeisterin und als Referentin zuständig für Jugend und Soziales. Foto: Tino Lex

Regensburg.Frau Maltz-Schwarzfischer, vor einem Jahr mussten Sie praktisch Ihr ganzes Berufs- und Privatleben umkrempeln. Haben Sie den Schritt zur Berufspolitikerin schon mal bereut?

Nein, noch nie. Es wird jeden Tag besser. Es macht nach wie vor sehr viel Spaß. Ich habe wahnsinnig viel gelernt in der Zeit, es macht mir Freude, Menschen zu begegnen. Und dieses Amt auszuüben, wird für mich immer leichter. Am Anfang ist natürlich auch immer eine Portion Unsicherheit dabei. Aber mittlerweile weiß ich, wie ich mit so einem eng getakteten Terminplan zurecht kommen kann.

Wie schwer war das erste Jahr als Sozialbürgermeisterin?

Schwer würde ich nicht sagen, es war anstrengend, aber befriedigend. Dass das Privatleben ganz anders abläuft, ist anfangs eine gewisse Herausforderung. Stress kann ja belastend, aber auch positiv sein, weil man dann Energien frei setzt, die man vorher gar nicht bei sich vermutet hätte.

Sie haben kürzlich gesagt, der Stadtpass sei eine große Freude für Sie. Gibt es Dinge, die Sie weniger erfreulich fanden?

Man tritt an mit einer gewissen Euphorie, und wir haben ja ein ganz großes Programm im Koalitionsvertrag. Am liebsten würde man alles gleich in die Wege leiten. Aber das ist bei den Verwaltungswegen oft nicht so einfach. Vor allem geht es nicht so schnell, wie man es gern möchte. Es gibt Sachen, die gehen nicht so schnell, und es gibt Sachen, die gehen anders, als man es sich vorgestellt hat.

Die bevorstehende Auflösung des Michelsstifts stößt ja in der Bevölkerung auf einige Ablehnung. Tut es Ihnen leid, dass dieser Schritt nötig ist?

Ja, das tut mir sehr leid, vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner. Schließlich stellen sich Menschen, die in ein Altenheim gehen, darauf ein, dass das ihr letzter Umzug ist. Das Michelsstift ist ein sehr schönes Haus mit Wohlfühlatmosphäre und Charme. Das alle spielt ja eine Rolle, wenn man sich das Heim aussucht, in dem man seinen Lebensabend verbringen will. Im Koalitionsvertrag steht „Neubau Michelsstift“. Das hätte zwar nicht bedeutet, dass das an derselben Stelle passiert, denn das Gebäude ist denkmalgeschützt und kann nicht abgerissen werden. Es war klar, dass man mit einer Sanierung den heutigen Pflegeanforderungen nicht würde gerecht werden können. Und dann kamen Überlegungen, die ich nicht erwartet hatte: Brandschutz und Sicherheit. Und die Bedarfsplanung für Pflegeplätze. Alles zusammen hat zu dem einzig richtigen Ergebnis geführt, das Heim an dieser Stelle nicht weiter zu betreiben. Die Lösung mit dem Bürgerheim finde ich richtig gut. Dort entsteht eine Einrichtung, die allen heutigen Anforderungen gerecht wird. Das Konzept sieht gerade den Umgang mit dementiellen Erkrankungen vor. Der Schwerpunkt liegt in kleinen Wohngruppen, in einer Betreuung, die so im Michelsstift nicht möglich ist. Was an Argumenten aus der Bevölkerung kommt – „Abschiebung an den Stadtrand, alte Leute raus aus der Altstadt, Immobilienverwertung an den zahlungskräftigsten Investor“ – ist völlig falsch. Kumpfmühl ist ein sehr schöner gewachsener Stadtteil, da ist gleich der Markt daneben, da ist Leben. Wenn der zweite Bauabschnitt fertig ist, wird ein direkter Zugang zum Karl-Bauer-Park möglich sein, der auch auch gestaltet wird. Ich habe dieser Tage im Bürgerheim mit einer Frau gesprochen, die deren Mutter dort lebt. Sie war entsetzt, welche Vorstellungen in der Petition über das Bürgerheim verbreitet werden, wie das wunderschöne Heim, in dem so gut gearbeitet wird, schlecht gemacht wird.

Ihr Amtsvorgänger war der heutige OB. Hat Ihnen das Ihre Aufgabe erleichtert oder erschwert?

Erleichtert, weil wir sehr gut zusammenarbeiten und er mich vor allem am Anfang über alles sehr gut informiert hat. Er hat sich auch viel Zeit genommen. Das Sozialreferat ist jetzt von Direktorium drei zu Direktorium 2 symbolisch aufgewertet wurde. Der OB hat damit das Soziale, an dem wirklich sein Herzblut hängt, mehr in den Mittelpunkt gestellt. Viele Projekte, die er begonnen hat, führe ich fort, weil sie sinnvoll sind, beispielsweise den Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen oder den Ausbau der Stadtteilprojekte.

Der OB ist ja fast omnipräsent. Ist es manchmal schwer, in seinem Schatten zu stehen?

Es ist nicht schwer in seinem Schatten zu stehen, um bei diesem Bild zu bleiben. Er setzt dann immer einen ganz hellen Spot in diesen Schatten. Am Anfang hatten wir sehr viele Doppeltermine, auch in meinem Bereich, weil er sich da als Bürgermeister verabschiedet hat, aber er hat mich dabei auch gleich richtig gut vorgestellt. Für manche Veranstalter sind allerdings alle anderen unwichtig, wenn der OB kommt. Das merken die Stadträte und die Bürgermeister. Aber ich mache auf dem sozialen Sektor natürlich sowieso vieles ohne Öffentlichkeit, zum Beispiel wenn ich mich mit der Situation der Drogenabhängigen oder der Frauen in Frauenhäusern auseinandersetze. Ich gehe hin, rede mit ihnen und höre zu.

Was möchten Sie in den verbleibenden fünf Jahren Ihrer ersten Amtszeit gern realisieren?

Ein Kinderschutzhaus – ein Projekt, an dem schon mein Vorgänger tätig war. Momentan sind wir dran, eine geeignete Immobilie zu suchen. Das ist wirklich dringend. Wir haben zwar ziemlich viele Pflegefamilien, aber es gibt Situationen, in denen nicht sofort eine Familie zur Verfügung steht. Da wäre ein Kinderschutzhaus genau die richtige Lösung, wo professionelle Mitarbeiter den Kindern helfen, ihr Trauma zu bewältigen. Bisher machen das Mitarbeiter des Jugendamts in den Amtsräumen. Im Seniorenbereich ist mir wichtig, dass andere Wohnformen geschaffen werden. Es geht vielen alten Menschen ja darum, in ihrer vertrauten Umgebung und ihrem sozialen Umfeld zu bleiben. Wenn sie allerdings in ihrer Wohnung bleiben, bedeutet das oft Vereinsamung. Deshalb ist es uns wichtig, ein funktionierendes soziales Umfeld zu schaffen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt in unserem seniorenpolitischen Gesamtkonzept. Die Kommune muss die Richtung vorgeben: quartiersbezogene Treffpunkte schaffen, beispielsweise. Auf diesem Feld haben wir noch viele Aufgaben vor uns.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht