MyMz
Anzeige

Interview

„Kirche ohne Musik gibt es für mich nicht“

Roman Emilius, Leiter der drei Chöre, die zur Wiedereröffnung der Dreieinigkeitskirche singen, beantwortete Fragen von MZ-Mitarbeiter Martin Weindl.

Kantor Roman Emilius. Foto: Weindl

Kirchenmusikdirektor Roman Emilius, Stadtkantor und Leiter der drei Chöre, die am 8. Dezember zur Wiedereröffnung der Dreieinigkeitskirche singen, beantwortete Fragen von MZ-Mitarbeiter Martin Weindl.

Herr Emilius, als Kantor haben Sie die Musik für den 8. Dezember ausgesucht. Wir dürfen beim Festgottesdienst eine echte Rarität erwarten.

Roman Emilius: Sehr richtig! Die Motette „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ komponierte Paul Homberger 1631 für die Einweihung der Kirche. Dass wir das Stück wieder aufführen können, verdanken wir Paul Schwämmlein, der die Partitur aus den Stimmen im Archiv rekonstruiert hat. Ich habe diese Partitur dankenswerterweise von seiner Tochter bekommen. Da ich in Regensburg drei Chöre leite, ist die Besetzung dafür perfekt. Das habe ich mir schon lange gewünscht, dass Kantorei, Raselius-Chor und Universitätschor das zusammen musizieren. Ansonsten gibt es viel „Dreieinigkeits-Musik“: Die drei Chöre werden mit einem alt-italienischen „Alta trinita beata“ einziehen und es gibt noch die Bach-Arie „Heiligste Dreieinigkeit“ für Bass, drei Trompeten, Pauke und Orgel.

Sie haben Ihre angestammte Konzertkirche lange vermissen müssen. War es eine schwere Zeit?

Ja, absolut. Die Konzerte der Kantorei fanden fünf Jahre in St. Oswald statt. Das war die einfachste Lösung, weil die Kirche zur gleichen Gemeinde gehört. Aber die Oswaldkirche ist natürlich viel kleiner, hat aber immerhin eine schöne Akustik. Jetzt freut sich die Kantorei darauf, wieder Werke aufzuführen, die bisher aus Platzgründen nicht möglich waren. So gibt es am Karfreitag 2014 endlich wieder eine Matthäuspassion, Bachs größtes Werk, auch von der Besetzung mit zwei Chören und zwei Orchestern.„Kirche ohne Musik gibt es für mich nicht“

Eine musikalische Leerstelle bleibt: Die Dreieinigkeitskirche hat noch keine Orgel.

In der Dreieinigkeitskirche steht das leere Gehäuse der Orgel von 1758, die als Instrument schon lange verloren ist. Auch das Orgelwerk aus den 1960ern war schon 2008, als ich hierher kam, nicht mehr vollständig spielbar. Hier soll in den nächsten Jahren das Projekt „Bachorgel“ entstehen. Eine Orgel, die höchsten handwerklichen und musikalischen Ansprüchen genügt und klanglich dem Ideal der Bachzeit entspricht. Endlich ein Instrument, wie es diese Kirche verdient.

Ganz persönlich: Was bedeutet Ihnen die Dreieinigkeitskirche, was Musik in einer Kirche überhaupt?

Die Dreieinigkeitskirche ist ein Raum von wunderbarer Einheitlichkeit. Sowohl stilistisch, als auch vom Material. Der Klarheit des Raums entspricht die Akustik, wie wir gerade bei der Probe feststellen konnten. Der Klang ist eingebettet, gleichzeitig ist alles klar zu hören. Einfach toll! Kirche ohne Musik gibt es für mich nicht. Für die Kirche wie die Welt gilt Joseph von Eichendorffs Zauberspruch: „…und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht