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Regensburg
Dienstag, 24. April 2018 22° 3

Feuer

Kirchenbrand: Mesner war der Schutzengel

Josef Manfred Heigl verhinderte beim Schwelbrand in der Kirche St. Albertus Magnus in Regensburg Schlimmeres.
Von Wolfgang Ziegler

Ungewöhnlicher Einsatz an Neujahr: Unter der Deckenverkleidung der Regensburger Albertus-Magnus-Kirche war ein Schwelbrand ausgebrochen, der nur mittels der Drehleiter gelöscht werden konnte. Foto: Berufsfeuerwehr Regensburg

Regensburg.Das neue Jahr war gerade einmal ein paar Stunden alt, als die Pfarrkirche St. Albertus Magnus in der Schwabenstraße am Montagabend nur knapp an einer Katastrophe vorbeischrammte: Es war kurz vor 19 Uhr, die Messe mit der Aussendung der Sternsinger war gerade zu Ende gegangen, als Organist und Mesner Josef Manfred Heigl noch einmal einen Blick in die Kirche warf. Gottesdienstbesucher waren nicht mehr zu sehen, stattdessen nahm der Kirchenmitarbeiter hoch oben, etwa in der Mitte der gezackten Holzdecke, ein Feuer wahr. „Es war nicht größer als ein Kerzenlicht“, erzählte er am Dienstag im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Josef Manfred Heigl ist der Held von St. Albertus Magnus. Foto: Ziegler

Heigl reagierte sofort. Mit den Worten „Alles raus!“ sorgte er dafür, dass die letzten Ministranten umgehend die Sakristei verließen, nur drei Minuten später fuhr die ebenfalls von ihm alarmierte Feuerwehr vor. Die erfahrenen Rettungskräfte der Regensburger Berufsfeuerwehr, die von den Freiwilligen Feuerwehren Burgweinting und Oberisling unterstützt wurden, sahen sich allerdings mit einem ungeahnten Problem konfrontiert. Denn der Schwelbrand, der zu diesem Zeitpunkt schon ein beachtliches Ausmaß angenommen hatte, befand sich in rund 15 Metern Höhe. Und die Brandbekämpfer hatten zunächst kein geeignetes Hilfsmittel, um in der großen Höhe an die Decke zu kommen.

Zentimeterarbeit im Portal

Nachdem klar war, dass es zu lange gedauert hätte, bis eine Hebebühne vor Ort gewesen wäre, entschied Einsatzleiter Johannes Buchhauser von der Berufsfeuerwehr, mit der Drehleiter in die Kirche zu fahren. Dazu musste nur der Christbaum vor dem Kirchenportal gefällt werden – für die Einsatzkräfte keine Herausforderung. „Es war Zentimeterarbeit, das große Fahrzeug mit eingeklappten Spiegeln rückwärts in die Kirche zu fahren“, schrieb Buchhauser später in seinem Einsatzprotokoll.

Der routinierte Fahrer des 16-Tonners brachte das Fahrzeug aber ohne Beschädigung am Lkw oder Inventar an die richtige Stelle. Danach konnte ein Trupp mit Atemschutz vom Korb der Drehleiter aus die Decke auf etwa acht Quadratmetern aufschneiden und das Feuer von unten löschen. Andere, mit Gurten und Seilen gegen einen möglichen Absturz gesicherte Feuerwehrleute schnitten unterdessen das Blechdach von außen auf und bekämpften die Flammen von dort. Nach rund drei Stunden war der Brand unter Kontrolle.

Das Feuer wurde auch von außen bekämpft. Feuerwehrleute, die das Blechdach aufschnitten, wurden dazu mit Gurten und Seilen gegen einen möglichen Absturz gesichert. Foto: Auer

Mesner Heigl, der „Held von St. Albertus Magnus“, will gar keiner sein, wie er am Dienstag im Interview sagte: „Nein, so fühle ich mich nicht!“ Dennoch hat er eine Katastrophe verhindert. „Die Feuerwehr hat gesagt, eine halbe Stunde später wäre vom Dach nichts mehr übrig gewesen“, berichtete er. „Vermutlich wäre dann aber sogar alles abgebrannt.“ Das Brandloch im Kirchendach sehe zwar harmlos aus, aber der Schaden hätte weitaus größer sein können.

Pfarrer Sigmund Humbs, der aus Keilberg stammt, seit 27 Jahren Priester ist und inzwischen fünf Jahre in der früheren Garnisonskirche arbeitet, war nach eigenen Worten beruhigt, als schon nach drei Minuten die Feuerwehr vor Ort war. „Da habe ich gewusst, das Schlimmste ist überstanden.“ Den Rettern sagte er „ein herzliches Vergelt’s Gott“, glaubt aber auch, dass seine Kirche einen Schutzengel hatte. „Ich glaube fest an Schutzengel, und einer hat uns geholfen.“

Ein Video vom Einsatz sehen Sie hier:

Brand in der Albertus-Magnus-Kirche

Ab Freitag wieder Gottesdienste

Der Christbaum, den die Feuerwehr fällen musste und angekohlte Holzplanken vor der Kirchentür zeugen von dem Feuer, das in einer Katastrophe hätte enden können. Foto: Ziegler

Deshalb kann in St. Albertus Magnus, von der aus jedes Jahr zu Pfingsten die Altötting-Wallfahrer aufbrechen, schon in wenigen Tagen wieder alles seinen gewohnten Gang gehen. Pfarrer Humbs wartet jetzt nach eigenen Worten auf den Sachverständigen, der die gesamten Schäden aufnimmt, am Freitag um 18 Uhr möchte er aber auf jeden Fall die Vorabendmesse zelebrieren – „und am Samstag will ich mit den Heiligen Drei Königen feierlich in die Kirche einziehen“, sagte er uns. „Die haben kostbaren Weihrauch aus dem Oman dabei, dann zieht wieder Wohlgeruch in die Kirche ein.“

Auch das Konzert des Collegium musicum unter der Leitung von Wolfgang Kraus am Sonntag um 16 Uhr soll wie geplant stattfinden.

Weitere Bilder vom Einsatz in der Albertus-Magnus-Kirche sehen Sie in unserer Galerie:

Brand in St. Albertus Magnus

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