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Finanzen

Kirchentag: Geldzusage steht aus

Die Stadt Regensburg zögert weiterhin mit dem Zuschuss für das Glaubensfest 2014. An die acht Millionen Euro wird das Großereignis kosten.
Von Marianne Sperb und Josef Pöllmann, MZ

Blick auf den Katholikentag 2012 in Mannheim: 2014 ist Regensburg Schauplatz des großen Glaubensfestes. Foto: dpa-Archiv/Uli Deck

Regensburg.Regensburg ist 2014 der Schauplatz des Katholikentags. Vom 28. Mai bis 1. Juni werden Zehntausende Gläubige in der Welterbestadt beten, debattieren und feiern. An die acht Millionen Euro wird das Großereignis kosten. Die Finanzierung ist noch offen. Vor allem die Zusage der Stadt Regensburg über einen Zuschuss in Millionenhöhe steht aus.

Bisher gelten die Beiträge der Kirche, des Bundes und des Freistaats als sicher. Im Haushaltsentwurf für 2013/ 2014 hat Bayern 1,6 Millionen Euro eingestellt, die als Zuschuss an den Trägerverein des Katholikentags gehen sollen. Die Freigabe sei aber an zwei Bedingungen geknüpft, sagte Dr. Ludwig Unger, Sprecher des Kultusministeriums, der MZ: an schriftliche Zuschuss-Zusagen des Bundes und der Stadt Regensburg.

„Kriegt etwa Kittel den Auftrag?“

Das Ja aus Berlin liegt dem Kultusministerium vor; 400 000 Euro aus Bundesmitteln können die Organisatoren verbuchen. Aus Regensburg sind laut Unger 1,5 Millionen Euro mündlich zugesichert. Die schriftliche Bewilligung stehe aber aus. Unger machte keinen Hehl daraus, dass die Zeit aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit des Kirchentags dränge. „Es wäre sinnvoll, dass dieses Signal des Stadtrats möglichst rasch kommt.“

Theo Zellner, der der Leitung des Katholikentags angehört und Vorsitzender des Rechtsträgervereins ist, betonte am Dienstag, man befinde sich „in guten, konstruktiven Gesprächen mit der Stadt“. Er machte aber deutlich, dass der Zeitfaktor allmählich an Bedeutung gewinne. „Ich hoffe, es gibt bis Ende November eine Aussage über den Regensburger Zuschuss. Das bedeutet aber nicht, dass hier irgendein Druck aufgebaut werden soll.“

In Regensburg beriet der Koalitionsausschuss vor rund zehn Tagen die Finanzfrage. Nach MZ-Informationen stand dabei auch im Raum, den Veranstaltungsservice Peter Kittel als lokalen Organisationspartner der Kirche zu torpedieren und die Geld-Zusage an die Bedingung zu knüpfen, dem Regensburger Unternehmer keinen Auftrag zu erteilen. Kurios: Kittel hatte die Papst-Besuche in Regensburg und im thüringischen Eichsfeld zur großen Zufriedenheit der Kirche organisiert. Die MZ ging dem Verdacht nach – und löste heftige Reaktionen aus. Oberbürgermeister Hans Schaidinger lehnte jeden Kommentar dazu ab und Norbert Hartl, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, bestritt in drei Telefonaten heftig und mit forcierter Stimme, er habe eine Kittel-Klausel vorgeschlagen. „Das wäre juristisch gar nicht vertretbar.“

Gesichert ist: Hartl hatte beim Koalitionsgespräch einen MZ-Artikel zu Peter Kittel vorgezeigt und in die Runde gefragt: „Kriegt etwa der Kittel den Auftrag?“ „Diese Frage habe ich gestellt. Aber das war der einzige Satz von mir zu dem Thema. Das kann ich beschwören“, sagte Hartl. „Allerdings würde ich lügen, wenn ich sage, ich würde mich über einen Auftrag an Kittel freuen.“ Der OB habe auf seine Frage geantwortet; „aber was, das sage ich nicht; das ist Sache des OB.“ Der Katholikentag selbst sei eine Riesenehre für Regensburg. Die SPD stehe einer städtischen Förderung positiv gegenüber: „Natürlich soll sich die Stadt da einbringen – aber nicht mehr, als das Bistum selbst an Zuschuss gibt.“

„Völliger Unsinn“: So kommentierte Bürgermeister Joachim Wolbergs am Dienstag die Vorwürfe gegen seinen Parteigenossen. „Aber ich kann mir schon vorstellen, wo das wieder herkommt.“ Natürlich sei über das Thema Katholikentag im Koalitionsausschuss geredet worden. „Aber die Tatsache, dass Peter Kittel irgendetwas nicht bekommen soll, stammt nicht von Herrn Hartl oder mir.“ Es könne aber sein, dass Hartl eine Frage gestellt habe, wie die Stadt dazu steht. Von der SPD sei keine Bedingung für einen Zuschuss gekommen.

Wolbergs verneinte nicht, dass Kittel grundsätzlich kritisch gesehen werde: „Es ist keiner da, der sagt: Das wäre sensationell, wenn der das kriegt.“ Aber das zu entscheiden, sei Sache der Kirche. Doch wenn die Frage der Organisation nicht Sache der Stadt ist, warum war dann die Frage des Organisators überhaupt Thema im Koalitionsausschuss aus CSU und SPD? Wolbergs sagt dazu: „Wer das organisiert, ist nicht meine oder unsere Entscheidung. (…) Dass Leute, die jeden Monat von Kittel (in dessen Stadtzeitung, Anm. der Redaktion) schlecht behandelt werden, sich über so etwas Gedanken machen, ist doch nachvollziehbar. Das heißt nicht, dass jemand irgendeine Bedingung stellt.“

Schaidinger schweigt

Wie Schaidinger auf Hartls Frage reagiert hatte, ist offen. „No comment.“ Das ist die einzige Aussage, die OB Schaidinger zur Zuschussvergabe zu entlocken ist. Auch die Frage, ob Gerüchte stimmen, dass er Einfluss auf eine Vergabe nehmen wollte, ließ er unkommentiert.

CSU-Fraktionschef Christian Schlegl sagte am Dienstag: Für den Zuschuss seien für ihn – ähnlich wie für Hartl – zwei Leitplanken sinnvoll. Einerseits könne die Stadt nicht mehr zahlen als das Bistum. Andererseits sieht er die Untergrenze einer städtischen Beteiligung bei dem Betrag, den andere Städte ähnlicher Größe beisteuerten. Nach MZ-Recherchen ist bei der CSU von einer Million Euro die Rede. Schlegl wünscht sich, dass der Stadtrat „möglichst bald, im November, und auf möglichst breiter Basis“ über den Zuschuss entscheidet.

Finanzreferent Dieter Daminger ist damit betraut, ein Verhandlungstableau zu entwickeln. Ein Insider sagte der MZ: So lange es kein Verhandlungsergebnis zwischen Stadt und Kirche gebe, werde es auch keinen Stadtratsbeschluss zur finanziellen Unterstützung des Events geben.

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