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Kitas: Die Stadt ist auf Aufholjagd

In den kommenden Jahren brauchen in Regensburg mehr Kinder Betreuung, als Plätze geplant sind. Schon jetzt gibt es Engpässe.
Von Julia Ried, MZ

Zusätzliche Kitaplätze hat die Stadt im Stadtosten, hier die Kindertagesstätte in der Marienstraße, bereits geplant. Foto: Lex
Zusätzliche Kitaplätze hat die Stadt im Stadtosten, hier die Kindertagesstätte in der Marienstraße, bereits geplant. Foto: Lex

Regensburg.Katrin Selwitschka kann ihren Zwillingen jetzt eine Antwort geben auf die Frage „Mama, wann dürfen wir endlich in den Kindergarten gehen?“ Immer wieder wollten der Bub und das Mädchen, drei Jahre alt, das auf dem Weg zur Spielgruppe wissen. Der führt am Kindergarten Schwabelweis vorbei. Ihre Mutter musste ihnen erklären, dass in dieser Kita kein Platz für sie ist. Nun ist klar: Die Zwillinge können ab September den Kindergarten in Tegernheim besuchen. „Der Landkreis hat uns aus der Patsche geholfen“, sagt die 38-Jährige, die in Teilzeit als Krankenschwester arbeitet und ihre Kleinen eigentlich schon im Januar 2017 in den Kindergarten hatte schicken wollten.

Doch in Schwabelweis sind in diesem Jahr die Kindergartenplätze zu knapp. Überhaupt gilt 2017: „Vereinzelt kann es vorübergehend zu Platzengpässen kommen“, wie der städtische Bildungsreferent Dr. Hermann Hage einräumt. Ob Provisorien wie etwa Container nötig sind, werde im Juni klar sein. Und die Lage könnte sich in den nächsten Jahren deutlich verschärfen: Wenn die Stadt ihre jetzt begonnene Aufholjagd nicht fortsetzt.

Stadt: Daten wurden „relativiert“

Hage sagt: Viele Planungsdaten seien „relativiert“ worden: durch den nicht vorhersehbaren Flüchtlingszuzug, durch eine unerwartet hohe Migration von EU-Ausländern, durch den wirtschaftlichen Boom, der weitere Zuzügler anlockt beziehungsweise Pendler, die ihre Kinder hier in die Kita schicken, und durch die Geburtenzahl, die wegen der vielen Neu-Regensburgerinnen steigt.

So viele Plätze fehlen

  • Südwesten:

    In Kumpfmühl, Königswiesen, Dechbetten und der Ganghofersiedlung fehlen der Prognose der Stadt von 2016 zufolge 2020 138 Kindergartenplätze und 76 Plätze für kleinere Kinder, falls keine zusätzlich entstehen.

  • Osten:

    Hier gäbe es 2020 ein Minus von 129 Kindergartenplätzen. Jedoch ist hier die Stadt bereits aktiv.

  • Stadtnorden:

    Im Stadtnorden werden der Bedarfsplanung der Stadt zufolge die Plätze für Kinder im Krippenalter knapp. Ein Minus von 149 Plätzen droht ihr zufolge – die Stadt plant allerdings bereits zwei zusätzliche Kinderhäuser.

  • Innenstadt:

    68 Plätze für sehr kleine Kinder könnten 2020 fehlen, falls keine Extra-Gruppen dazukommen.

Außerdem plante die Stadt bisher mit der Annahme, dass 95 Prozent der Kinder ab drei einen Platz brauchen und etwa 35 Prozent der kleineren Kinder. Jetzt sagt Hage: „Die Quote von etwa 35 Prozent Bedarf an Krippenplätzen erweist sich als zu niedrig.“ Eltern müssten häufig beide berufstätig sein, um Immobilien beziehungsweise den Lebensunterhalt finanzieren zu können, Mütter kehrten auch aus anderen Gründen früher in den Beruf zurück. Was Kindergartenplätze angeht, sind jetzt 100 Prozent das Ziel.

Das Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik hat bereits eine Kindertagesstätte. Doch anderswo im Stadtosten muss die Stadt noch Betreuungsplätze schaffen. Foto: Lex
Das Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik hat bereits eine Kindertagesstätte. Doch anderswo im Stadtosten muss die Stadt noch Betreuungsplätze schaffen. Foto: Lex

Nicht immer kommt die Stadt mit der Schaffung von Betreuungsplätzen hinterher, so im Fall Schwabelweis. Hage kontert die Kritik der CSU, die Stadt könne nicht ein neues Baugebiet ausweisen und dort keinen Kindergarten planen. Er sagt, die Stadt habe für das neue Quartier eine Kinderbetreuungseinrichtung vorgesehen. Doch das Projekt des privaten Bauherrn habe sich verzögert. Nun hat die Verwaltung dem Stadtrat den weiteren Zeitplan vorgelegt und er ist sportlich. „Mit der Inbetriebnahme wird Ende 2018 gerechnet“, heißt es darin.

Außerdem plant die Stadt zwei weitere Maßnahmen zur Entschärfung der Lage in Schwabelweis: ein Kinderhaus im Zentrum des Stadtteils und eines am Brandlberg. Im Stadtosten, wo viele Flüchtlinge leben, das Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik wächst und weitere Wohnungen entstehen sollen, erweitert die Stadt ihr Pestalozzi-Kinderhaus. Eine Kita ist auf dem ehemaligen Lerag-Areal vorgesehen. In den anderen Neubaugebieten werden bis 2019 weitere Kinderhäuser gebaut: so auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne, in Burgweinting und im Inneren Westen.

Dickes Minus im Südwesten

Dass das nicht reichen wird, ist offensichtlich. Der Bedarfsplan zur vorschulischen Kinderbetreuung bis 2020 aus dem August 2016 prognostiziert etwa im Südwesten ein Minus von 138 Plätzen bei der Betreuung von Kindern ab drei Jahren. Bei der von jüngeren Kindern – hier haben die Statistiker mit einer Bedarfsquote von 40 Prozent gerechnet – schnitt der Stadtnorden mit einem Minus von 149 am schlechtesten ab, die zwei neuesten Maßnahmen sind jedoch noch nicht einberechnet.

Hage versichert: „Die Stadt arbeitet intensiv und systematisch an der Erweiterung des Angebots bei Krippen- und Kindergartenplätzen.“ Außerdem versuche sie, den Bedarf genauer zu ermitteln. „Wir müssen jetzt ganz genau schauen, wie hoch diese Quoten realistisch sein müssen.“ Er sei zu diesem Zweck mit Kollegen in Würzburg und Augsburg im Gespräch. Das Kita-Portal, mit dem Eltern seit Mai 2016 ihre Kinder online anmelden können, erleichtere zudem die Planung.

In den Fokus der großen Parteien im Stadtrat rückt das Thema erst. „Wir sind noch dran, dass wir mithilfe der Ortsverbände den Bedarf ermitteln“, teilt CSU-Fraktionschef Dr. Josef Zimmermann mit. Dr. Klaus Rappert von der SPD sagt, die Fraktion sei in der „Informationsphase“.

Um den akuten Engpass in Schwabelweis zu beheben, rief die Stadt kurzfristig eine zusätzliche Kindergarten-Gruppe im Gewerbepark ins Leben. Darüber war auch Katrin Selwitschka informiert – doch Zusagen verschickte die Stadt erst in der vergangenen Woche. Die Verantwortlichen warteten ab, ob Schwabelweiser bei anderen Trägern Wunschplätze bekommen. Sie habe Mitte Mai handeln müssen, sagt Selwitschka, die Tegernheimer Einrichtung habe ihre Entscheidung benötigt. Nun haben ihre Zwillinge einen Platz für ein Jahr. „Das heißt, in einem Jahr geht der Zirkus von vorne los.“

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