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Umwelt

Klimaschutz: Regensburg gibt sich Ziele

Bis 2050 soll Regensburg eine nahezu klimaneutrale Stadt sein. Bürgermeister Huber skizziert nun den Weg dorthin.
Von Heinz Klein, MZ

Beim Bauen und Sanieren hat Energieeffizienz Priorität. Foto: dpa-Archiv
Beim Bauen und Sanieren hat Energieeffizienz Priorität. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.Es ist das Leib- und Magenthema des Umweltbürgermeisters, Regensburg in Sachen Energiewende und Klimaschutz auf einen zukunftsfähigen Weg zu bringen. Der Startschuss dazu war 2014 die Verabschiedung eines Energienutzungsplans. Darauf aufbauend sollte ein Leitbild „Energie und Klima“ erarbeitet werden, das die Regensburger Bürger auf ein umweltbewussteres Handeln einschwört. 2016 erarbeiteten etwa 80 Verbände, Bürgerinitiativen, Firmen, IHK, Rewag, die beiden Universitäten und andere in Workshops Ziele und Maßnahmen. Daraus wurde ein Leitbild Energie und Klima erarbeitet, das in zwölf Leitsätzen den Handlungsrahmen für eine klimafreundliche Entwicklung der Stadt vorzeichnet. Bürgermeister Jürgen Huber stellt dieses 34-seitige Leitbild heute dem Umweltausschuss vor.

Stadtentwicklung: Erstes Plusenergiequartier bis 2025

Die Stadt will sich künftig bei der Bauleitplanung konsequent an den Belangen des Klimaschutzes und der Energieeffizienz orientieren. Bauliche Dichte, Dachbegrünungen, Grün- und Wasserflächen sowie die Gebäudeausrichtung sind wichtige Aspekte. Neubaugebiete sollen anhand von Energieeffizienz und Nachhaltigkeit geplant werden und bis 2025 mindestens ein Null- oder Plusenergiequartier umgesetzt sein. Bestehende Quartiere sollen ab 2020 energetisch saniert und die Altstadt soll „klimafit“ gemacht werden. Die weitere Stadtentwicklung soll sich an der Schaffung verkehrsvermeidender Strukturen orientieren. Bis 2020 soll ein Grünflächenkonzept für das gesamte Stadtgebiet erstellt werden. Flächenentsiegelung, Grünflächenvernetzung, Innenhof-, Fassaden und Dachbegrünungen sind die Schlagwörter. Regensburg will sich in Städtenetzwerken engagieren und sich Ideen und „Best-Practice-Ansätze“ aus Vorreiterstädten holen.

Mobilität: Zehn Prozent mehr ÖPNV-Benutzer

Mehr Daumen hoch beim ÖPNV: Zehn Prozent sollen zusteigen. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de
Mehr Daumen hoch beim ÖPNV: Zehn Prozent sollen zusteigen. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Der Umweltverbund bekommt Vorfahrt. Bis zum Jahr 2030 soll der „Modal Split“ des ÖPNV sowie des Rad- und Fußverkehrs um mindestens zehn Prozent gesteigert werden und der Anteil des motorisierten Individualverkehrs entsprechend reduziert werden. Der Radverkehr soll gefördert werden, die Stadt fahrradfreundlicher werden, auch der Fußverkehr soll deutlich verbessert werden. Der ÖPNV soll effizienter und attraktiver werden, Verbesserungen der Stadt-Umland-Verbindungen sollen helfen, den ÖPNV-Anteil im Pendelverkehr deutlich zu erhöhen. Der Fahrzeugpark im ÖPNV soll sukzessive auf CO2-neutrale Antriebstechnologien umgestellt werden. Die E-Mobilität soll gefördert und das Netz der mit erneuerbaren Energien versorgten E-Ladestationen weiter ausgebaut werden.

Energieerzeugung: Photovoltaik, wo es geht

Photovoltaik, wo immer es in einer Stadt mit viel Denkmalschutz geht. Foto: dpa-Archiv
Photovoltaik, wo immer es in einer Stadt mit viel Denkmalschutz geht. Foto: dpa-Archiv

Bis zum Jahr 2050 soll der Anteil an erneuerbaren Energien am Endenergiebedarf der Stadt schrittweise auf nahezu 100 Prozent erhöht werden. Dieser Entwicklungsprozess soll in enger Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsakteuren gestaltet werden. Die im Energienutzungsplan ermittelten Potenziale zur solaren Energieerzeugung sollen unter Wahrung des historischen Stadtbildes soweit wie möglich ausgenutzt werden. Die Stadt will dazu auch auf eigenen Liegenschaften eine Vorbildfunktion abgeben. Auch unkonventionelle Flächen sollen für die Photovoltaik genutzt werden. Um für Regensburg Energie zu gewinnen, sollen auch Erzeugungsanlagen außerhalb des Stadtgebiets realisiert werden. Wärmenetze sollen kontinuierlich ausgebaut, alternative Wärmequellen konsequent genutzt und Rahmenbedingungen für innovative Projekte geschaffen sowie der Aufbau virtueller Kraftwerke gefördert werden. Die Stadt will die Bürger über Möglichkeiten erneuerbarer Energieerzeugung beraten und sie mit Förderprogrammen unterstützten.

Kommentar

Gute Absichten und schöne Worte

Die Ziele sind beschrieben, nun geht es daran, die Hausaufgaben zu machen. Doch der Abgabetermin liegt in beruhigend weiter Ferne. Wie bei allen ehrgeizigen...

Energieverbrauch: Sensibel werden und sparen

Die Bürger sollen fürs Energiesparen noch mehr sensibilisiert werden. Foto: dpa-Archiv
Die Bürger sollen fürs Energiesparen noch mehr sensibilisiert werden. Foto: dpa-Archiv

Der Energiebedarf pro Kopf soll bis 2050 schrittweise um mindestens 50 Prozent reduziert werden – bis 2030 um 30 Prozent, bis 2040 um 40 Prozent. Ein Energie- und CO2-Monitoring soll die Erfüllung der Ziele unterstützen. Die Stadt will dazu Vorbildfunktion übernehmen und bei Liegenschaften und im Beschaffungswesen Energieeffizienz oberste Priorität einräumen. Bei Baumaßnahmen sollen nachwachsende Baumaterialien, allen voran Holz, mehr Beachtung finden. Um Energieeinsparungen auch in Handel, Gewerbe und Industrie zu fördern, soll Netzwerkarbeit intensiviert werden. Da der Energieverbrauch stark mit individuellem Nutzerverhalten zusammenhängt, sollen Bürger für nachhaltigen und klimafreundlicher Konsum sensibilisiert werden. Dazu soll auch ein Energiebildungszentrum errichtet werden.

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