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Nahverkehr

Kommt das Projekt Stadtbahn in Fahrt?

Nach dem VCD-Vorstoß entdecken die Grünen ihr ureigenes Thema wieder. Die Stadt Regensburg untersucht den Vorschlag.
Von Norbert Lösch, MZ

  • Daumen rauf oder runter für eine Stadt-Umland-Bahn? Die Grünen wollen das Thema jetzt wieder forcieren. Foto: altrofoto.de
  • In Erlangen kommt die Stadtbahn in Fahrt. Foto: Stadt Erlangen

Regensburg.Kommt das Thema Stadtbahn jetzt wieder in Fahrt? Nachdem der Verkehrsclub (VCD) unlängst mit seiner Vision eines schienengebundenen ÖPNV-Systems im Großraum Regensburg die Diskussion befeuert hat, melden sich jetzt die Grünen wieder zu Wort. Bürgermeister Jürgen Huber etwa sieht den Zeitpunkt für die Koalition gekommen, aktiv zu werden. Und auch sein Fraktionskollege Jürgen Mistol will „zukunftsgerichtete Ideen mit der notwendigen Sorgfalt diskutieren und das Machbare dann auch Schritt für Schritt umsetzen“.

Grüne sind „ermutigt“

Die Grünen verweisen darauf, dass andere Städte schon deutlich weiter gekommen sind als Regensburg. „Die Menschen in Erlangen, die sich bei einem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit für die dort geplante Stadt-Umland-Bahn ausgesprochen hatten, ermutigen uns in Regensburg, das Projekt Stadtbahn noch schneller als bisher voranzutreiben“, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen-Fraktion.

„Wir sollten jetzt den entscheidenden Schritt zur Stadtbahn tun, und zwar beschleunigt.“

Bürgermeister Jürgen Huber

Jürgen Huber ist überzeugt, dass die speziellen Regensburger Probleme mit dem begrenzten Verkehrsraum in der Innenstadt und mit zu viel Lärm und Schmutz auf Dauer nicht anders zu lösen sind als mit einem völlig neuen ÖPNV-System. „Wir sollten jetzt den entscheidenden Schritt zur Stadtbahn tun, und zwar beschleunigt. Separate Trassen müssen sowieso geschaffen werden und dann macht es Sinn, auch gleich auf ein schienengebundenes System zu setzen. Ich bin sehr überzeugt, dass wir – wenn wir es richtig anpacken – auch die Förderfähigkeit hinbekommen.“

Der Verkehrsclub hatte vor einer Woche seine Vision der „Bahn-Zukunft 2025“ vorgestellt (wir berichteten). Das Konzept sieht ein Netz aus bestehenden und neu zu schaffenden Schienenverbindungen in Stadt und Landkreis vor. Dazu soll es bis in zehn Jahren elf neue Bahnhaltepunkte, zwei Umsteigebahnhöfe in Etterzhausen und der Walhallastraße sowie zwei neue Stadt-Umland-Verbindungen geben – auf denen dann S-Bahn-ähnliche Stadtbahnen verkehren sollen. Damit wäre das Stadtgebiet auf einer Ost-West- und einer Nord-Süd-Trasse an das Schienennetz der Bahn und somit direkt an Regionallinien angebunden.

Für Jürgen Mistol (Grünen-MdL und Stadtrat) sind die zurückhaltenden Reaktionen auf die Vorschläge des Verkehrsclubs nicht nachvollziehbar. „Regensburg ist eine wachsende Stadt. Und schon deshalb kann ein ‚Weiter so!’ in der Verkehrspolitik nicht die Devise der Gegenwart sein“, kritisiert der bekennende ÖPNV-Nutzer die zögerliche Haltung vor allem im Landkreis. Allerdings bleiben auch die Grünen die Antwort auf die Frage schuldig, warum sich so wenig bewegt hat, obwohl sie das Thema nach eigener Darstellung „seit Jahren auf der politischen Agenda gehalten haben“.

„Utopie“ für 300 Millionen?

Seitens der Stadt hatte sich die Meinung verfestigt, dass eine Kosten-Nutzen-Analyse das Projekt Stadtbahn voraussichtlich nicht befördern wird. Planungsreferentin Christine Schimpfermann zufolge sei dafür nicht mit staatlicher Förderung zu rechnen, und auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Hartl war bislang angesichts einer „Utopie für 300 Millionen Euro“ nicht unbedingt ein Verfechter des Vorhabens.

Gleichwohl hatten sich die Koalitionspartner auf folgendes Vorgehen verständigt: „Die Stadtbahn wird zuerst als Nord–Süd-Trasse im Zusammenhang mit Überlegungen zur Verbesserung des gesamten ÖPNV-Systems auf Wirtschaftlichkeit und Förderfähigkeit geprüft. Bei positivem Ergebnis wird die Planung zügig begonnen und, soweit möglich, schrittweise umgesetzt.“

Das entspricht bis dato auch der offiziellen Haltung der Stadtverwaltung. Ende 2015 sei eine internationale Bietergemeinschaft beauftragt worden, „Möglichkeiten für ein höherwertiges ÖPNV-System ergebnisoffen zu untersuchen. Mit den Arbeiten wird Anfang 2016 begonnen.“ Ziel der Untersuchung sei es, „einen konkreten Vorschlag für ein umsetzbares und zukunftsfähiges ÖV-System zu erhalten. Dabei wird ausdrücklich auch das Liniennetz auf den Prüfstand gestellt.“ Bürger, Verbände und Organisationen sowie die politischen Entscheidungsträger „sollen frühzeitig in den Arbeitsprozess eingebunden werden“, kündigt die Stadt an.

Ohne die Einbindung von Umlandgemeinden macht ein Stadtbahn-Konzept allerdings keinen Sinn. Dort gibt es aber Widerstände – wohl nicht zuletzt wegen der Befürchtung, die an den Landkreis abzuführende Kreisumlage könnte bei einem bis zu 300 Millionen teuren Projekt mit hohen Folgekosten erheblich steigen. Der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) und die Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) gaben einer Stadt-Umland-Bahn in der Vergangenheit keine Chance. Zur Begründung hieß es stets, der Landkreis sei dafür zu dünn besiedelt, ein rentabler Betrieb einer Stadt-Umland-Bahn deshalb nicht möglich.

Mehr spannende Neuigkeiten aus der Stadt Regensburg lesen Sier hier.

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Erlangen schneller in der Spur

  • Mit Regensburg vergleichbar

    Das von den Grünen genannte Beispiel Erlangen ist durchaus mit Regensburg vergleichbar. Stadt und Umland befinden sich auch dort in einem Wachstumsprozess, es gibt in Erlangen wie in Regensburg rund 100000 Arbeitsplätze und 30000 Studenten. Auch aufgrund hoher Pendlerzahlen steht für Erlangen insbesondere die umweltverträgliche Bewältigung des Stadt-Umland-Verkehrs im Vordergrund.

  • Öffentlicher Prozess

    In Erlangen wird der Weg zu einer Stadt-Umland-Bahn (StUB) seit Jahren konsequent beschritten. Die Bürger des Großraums sind dabei mit im Boot. Der Prozess ist öffentlich; es gibt regelmäßig Foren mit Fachleuten oder aktuelle Informationen mittels Newsletter. Im Sommer 2015 wurde zusammen mit der Stadt Herzogenaurach ein Zweckverband gegründet, der inzwischen in die Planungsphase und Kostenanalyse eingestiegen ist.

  • Bürger stimmten ab

    Aktuell – am 6. März – haben mehr als 60 Prozent der Erlanger in einem Bürgerentscheid für die Entwicklung einer schienengebundenen Stadt-Umland-Bahn votiert. In Herzogenaurach lag die Quote zuvor sogar bei 75 Prozent, während der Landkreis Erlangen-Höchstadt abwinkte: Dort hatten sich knapp 60 Prozent der Landkreisbürger gegen die Mitgliedschaft im Zweckverband und damit gegen das Nahverkehrsprojekt ausgesprochen.

  • Erlangen rechnet mit hohen Zuschüssen

    Die Kosten werden in Erlangen und Regensburg in ähnlicher Größenordnung gehandelt: bis zu 300 Millionen Euro. Erlangen rechnet allerdings mit einer großzügigen staatlichen Förderung und einem Eigenanteil von 66,5 Millionen Euro. (nl)

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