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Bildung

Konzept für das „Forscherhaus“ steht

Initiative von Stadt, Hochschulen und Unternehmen: Schüler sollen für Naturwissenschaft und Technik begeistert werden.
Von Norbert Lösch, MZ

So wie beim Wettbewerb „Jugend forscht“ – hier unterstützt von der Firma Pfleiderer in Neumarkt – sollen junge Leute im Regensburger MINT-Haus ihren Forscherdrang ausleben können, und zwar das ganze Jahr über. Foto: Endlein
So wie beim Wettbewerb „Jugend forscht“ – hier unterstützt von der Firma Pfleiderer in Neumarkt – sollen junge Leute im Regensburger MINT-Haus ihren Forscherdrang ausleben können, und zwar das ganze Jahr über. Foto: Endlein

Regensburg.Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik begeistern – das ist das Ziel einer breit angelegten Initiative für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Regensburg. Ein zentrales Element ist dabei ein „Haus der kleinen Forscher“, in dem Schüler je nach Interesse ganz praktische Erfahrungen auf den immer wichtiger werdenden Bildungsfeldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – kurz MINT genannt – machen sollen. Für ein MINT-Haus, das neben einem Energiebildungszentrum (EBZ) und dem neuen Sitz der Energieagentur in einem Multifunktionsgebäude auf dem Areal der Nibelungenkaserne entstehen soll, liegt inzwischen ein detailliertes Konzept vor. Am Mittwoch berät der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats darüber.

„Bedarf an MINT-Kompetenz“

Ausgangspunkt der Überlegungen für das „Haus der kleinen Forscher“ ist der absehbare Fachkräftemangel auf den einschlägigen Berufsfeldern. Wirtschaftsreferent Dieter Daminger verweist auf Studien des Fraunhofer-Instituts und der IHK Regensburg, die diese Entwicklung „eindrücklich“ zeigten. „Regensburg ist ein führender technologie- und innovationsorientierter Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, der einem starken internationalen Wettbewerb ausgesetzt ist. Soll diese Position gehalten und weiterentwickelt werden, wird auch in Zukunft ein hoher Bedarf an (hoch-)qualifizierten Arbeitskräften und findigen Unternehmerinnen und Unternehmern mit einschlägigen MINT-Kenntnissen bestehen“, heißt es in der Verwaltungsvorlage von Wirtschaftsreferent Dieter Daminger.

In gut ausgestatteten Labors und mit moderner Technik sollen junge Leute forschen können. Foto: dpa
In gut ausgestatteten Labors und mit moderner Technik sollen junge Leute forschen können. Foto: dpa

Bereits in der Koalitionsvereinbarung von 2014 steht, dass Stadt, Unternehmen und Hochschulen gemeinsam einen Verein als Träger für ein „Haus der kleinen Forscher – Jugend Tech Lab“ gründen sollen. Vor einem Jahr hat der Wirtschaftsausschuss einstimmig beschlossen, die Umsetzung gemeinsam mit den Partnern voranzutreiben. Jetzt steht die Planung für das MINT-Haus, mit dem sich der Trägerverein beim Bauherrn des Multifunktionsgebäudes am Galgenberg, der von der Stadt verwalteten Georg-Hegenauer-Stiftung, einmieten will.

Der Zeitplan sieht vor, dass noch heuer sowohl der Träger- als auch der Förderverein gegründet werden sollen. Sind genügend weitere Mitglieder für beide Vereine akquiriert, sollen 2018 die Mitglieder und ein ebenfalls ins Leben zu rufendes Kuratorium des Trägervereins ein detailliertes Bildungsprogramm erarbeiten. Gemeinsam mit einem Fachplaner wird parallel dazu die technische Ausstattung und Möblierung der Räumlichkeiten final definiert. Ebenso soll der Trägerverein bei der Planung der Einrichtung des „MINT-Hauses“ mitwirken.

Mittlerweile ist ein Planer damit beauftragt worden, die notwendigen Unterlagen für die EU-weite Ausschreibung des Eigentümers für das Multifunktionsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne zu erstellen. Das Raumprogramm wird gemeinsam mit den beiden Regensburger Hochschulen entwickelt.

In der zweiten Jahreshälfte 2018 soll die Geschäftsführung des MINT-Hauses, die dem Vorstand des Trägervereins unterstellt sein wird, besetzt werden. In einem Jahr soll das Multifunktionsgebäude fertig sein. Sofort nach der Übergabe der Mietfläche soll das MINT-Haus eingerichtet werden und in Betrieb gehen.

Stadt investiert eine Menge Geld

Einrichtung und Betrieb des „Hauses der kleinen Forscher“ ist mit erheblichen Kosten verbunden. In seiner Verwaltungsvorlage geht das Wirtschaftsreferat von Investitionen von knapp 700000 Euro aus. Außer 140000 Euro für Planungs- und Nebenkosten schlägt etwa die Ausstattung dreier Labors (Physik/Technik, Chemie/Biologie und Handwerk) mit insgesamt 435000 Euro zu Buche. Dazu kommen Ausgaben für ein Forum mit Empfang und Garderobe, ein Büro, eine Teeküche sowie „Kleinigkeiten“ wie die Buchungs-EDV, Bildschirme oder Geschirr.

Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich nach einer vorläufigen Kalkulation auf rund eine halbe Million Euro. Darin enthalten sind etwa die Miete für die 600 Quadratmeter Nutzfläche, Personalkosten für Geschäftsführung, Labortechniker, Bürokraft und Praktikanten sowie Kosten für Wartung, Instandhaltung und Reinigung.

Mitglieder und Spender helfen

Vor allem die Betriebskosten muss die Stadt nicht alleine stemmen. Zum einen soll der Trägerverein über nach oben offenen Mitgliedsbeiträgen helfen, den Haushalt zu finanzieren, zum anderen hofft die Stadt auf eine große Spendenbereitschaft über den Förderverein. Bereits jetzt gebe es laut Dieter Daminger verbindliche Zusagen für dauerhafte Mitgliedschaften in Höhe von 56000 Euro plus eine verbindliche Zusage zu einer Einmalzahlung von 100000 Euro. Zudem gebe es „Signale von einer Reihe weiterer Akteure“, sich einzubringen. „Die Verwaltung geht davon aus, dass Mitgliedsbeiträge in Höhe von 150000 Euro pro Jahr eingeworben werden können.“ Genauso wichtig wie finanzielles Engagement für das „Schülerforschungszentrum“ sei der Beitrag, den die Universität Regensburg und die OTH Regensburg durch qualifizierte Lernbegleiter leisten wollen.

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Das Ziel

  • Akademiker:

    In Deutschland sind im weiten Sinne rund 2,3 Millionen MINT-Akademiker erwerbstätig. Die branchenübergreifende Wertschöpfung wird auf 250 Milliarden Euro geschätzt. Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der MINT-Fächer haben sich angesichts von Prognosen, die für die Zukunft einen Fachkräftemangel vorhersagen, zahlreiche Initiativen gebildet, die teils von der öffentlichen Hand oder gefördert von der Wirtschaft durchgeführt werden, um das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften zu erhöhen. Zielgruppen sind ausländische Studenten, aber auch der MINT-affine deutsche Nachwuchs.

  • Forschung in Regensburg:

    Auch in Regensburg ziehen Wirtschaft, Wissenschaft und die öffentliche Hand beim Werben um gut ausgebildeten Nachwuchs an einem Strang. So soll die professionelle Begleitung von Schülern oder Gruppen, die im künftigen MINT-Haus vertieft forschen wollen, von der Uni und der OTH übernommen werden.

  • Verein:

    Die Wirtschaft kann sich dagegen vorwiegend in einen Trägerverein und einen ergänzenden Förderverein einbringen. Satzungsentwürfe sehen vor, dass sich drei regionale Unternehmen im Vorstand des Trägervereins engagieren können, während der Förderverein mit Beiträgen und Spenden-Akquise finanziell helfen soll.

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