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Diskussion

Konzepte gegen Wohnungsnot in Regensburg

Viele Menschen finden in Regensburg keine Wohnung. Doch die Pläne, mehr Wohnraum zu fördern, ernten auch Kritik.
Von Curd Wunderlich

Sie sollen Teil der Lösung für die Wohnungsnot in Regensburg sein: Die Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne. Fotos: Wunderlich
Sie sollen Teil der Lösung für die Wohnungsnot in Regensburg sein: Die Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne. Fotos: Wunderlich

Regensburg.Regensburg fehlt Wohnraum. Um rund 1500 Einwohner wächst die Stadt jedes Jahr. Die bestehenden Wohnungen reichen nicht aus – und sind vielen Alteingesessenen wie Zugezogenen vor allem auch eins: zu teuer. Auf einer Armutskonferenz am Montagabend im Kolpingshaus in Regensburg wurde die Frage diskutiert, wie die Stadt in den nächsten Jahren preiswerten Wohnraum schaffen will.

Reinhard Kellner von den Sozialen Initiativen kritisierte die Entwicklung der vergangenen Jahre im Bereich der Sozialwohnungen. Für gut Verdienende oder die 25 Prozent Regensburger, die im Wohneigentum leben, sei die aktuelle Situation mit wenig, dafür aber teurem Wohnraum kein Problem. Für Geringverdiener, Alleinerziehende oder generell sozial Schwache hingegen schon. Aus seiner Sicht war es deshalb ein Fehler, die Zahl der Sozialwohnungen in der Donaustadt in den vergangenen 10 Jahren von rund 20 000 auf heute circa 5000 herunterzufahren. „Es gibt eine Warteliste für diese Wohnungen, da stehen 2000 Menschen drauf“, betonte Kellner.

Skepsis bei mehr Förderung

Die Obdachlosenunterkunft in der Taunusstraße. Archivfoto: Scherrer
Die Obdachlosenunterkunft in der Taunusstraße. Archivfoto: Scherrer

Da kommen die Pläne der bunten Rathauskoalition gerade recht, die Quote für den geförderten Wohnungsbau in neuen Baugebieten von 20 auf 40 Prozent zu verdoppeln. Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, erläuterte bei der Armutskonferenz, dass von diesen zusätzlichen 20 Prozentpunkten vor allem Menschen mit mittlerem Einkommen profitieren sollen. Auch für sie ist es mittlerweile schwierig, in der Donaustadt bezahlbare Wohnungen zu finden.

Konkret heißt das laut Sedlmeier, dass in den entsprechend geförderten Wohnungen künftig auch zum Beispiel Paare mit zwei Kindern und einem Bruttojahreseinkommen zwischen 51 700 und 63 900 Euro im Jahr wohnen können – für acht Euro pro Quadratmeter. Einpersonen-Haushalte können mit einem Bruttojahreseinkommen zwischen 23 300 und 28 100 Euro in diese Wohnungen einziehen.

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Doch nicht überall stößt dieser Weg, günstigen Wohnraum zu schaffen, auf Zustimmung. Professor Steffen Sebastian ist als Lehrstuhlinhaber für Immobilienfinanzierung am IREBS Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg Experte – und glaubt nicht an den Erfolg der Strategie des Rathausbündnisses. „Die Verdoppelung dieser Quote bedeutet, dass Bauen noch teurer wird“, sagt Sebastian im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Investoren würden aber nur dann bauen, wenn es sich für sie rentiert. Das heißt: Die Grundstücke, die oft von der Stadt verkauft werden, müssen künftig günstiger abgegeben werden. „Und das wiederum bedeutet, dass am Ende der Steuerzahler dieses Modell bezahlt.“

„Makler können oft schon heute nicht mehr die erwarteten Mieten durchsetzen.“

Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung

Aus Sicht des Experten wäre es sinnvoller, die Grundstücke so teuer wie möglich zu verkaufen. „Diese Mehreinnahmen könnten dann für die Mieter verwendet werden, die sich die Miete nicht leisten können.“ Sebastian nennt das „Subjektförderung statt Objektförderung“. Dieses Modell ist in seinen Augen weit effizienter als das von der bunten Rathauskoalition angestrebte.

In den nächsten Jahren werden ohnehin laut Sedlmeier erst einmal die Baugebiete nach und nach fertig, für die noch die 20-Prozent-Quote gilt. Das ist zum Beispiel auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne oder im Neubaugebiet Brandlberg der Fall.

Beruhigt sich der Mietmarkt?

Aus Sicht des Leiters des Stadtentwicklungsamts greifen bereits getroffene Maßnahmen zur Beruhigung des Mietmarkts schon heute. „Makler können oft schon heute nicht mehr die erwarteten Mieten durchsetzen“, hat er beobachtet. Er sei zuversichtlich, dass sich dieser Trend fortsetze. Dazu soll auch die Quoten-Verdoppelung von 20 auf 40 Prozent beitragen.

Kellner fragte am Ende von Sedlmeiers Ausführungen bei der Armutskonferenz nach, warum die Stadt nicht selbst investiere und „1000 Sozialwohnungen hinstellt“. Aus seiner Sicht ist genügend Geld da; dieses werde mit Projekten wie dem geplanten Kultur- und Kongresszentrum oder der Continentalarena nur an den falschen Stellen ausgegeben. Sedlmeier konterte: Die Stadt verfüge über 120 Millionen Euro für Investitionen. „Für ein Gebäude mit 100 Wohnungen wäre allein ein Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro nötig.“

Armutskonferenz und Wohnungsnot

  • Ziel der Konferenz:

    Karin Prätori, Sprecherin des Armutsforums Regensburg, erklärte das Ziel der Armutskonferenz: Das Thema soll in den Mittelpunkt gestellt werden um so Lösungen zu finden, die Armut im reichen Regensburg zu verringern. Die Konferenz sei eine gute Möglichkeit, bestimmte Facetten der Armut im Detail zu beleuchten. Am Montagabend war dies neben der Wohnungsnot auch die Altersarmut.

  • Wohnprojekt „WG Anker“:

    Zum Thema Wohnungsnot stellte Xaver Greil vom Verein Kontakt Regensburg das Wohnprojekt „WG Anker“ vor, mit dem Menschen nach einer Inhaftierung wieder an den Wohnungsmarkt herangeführt werden sollen. Bei der „WG Anker“ handelt es sich um eine auf drei Moante befristete betreute Wohnform als Übergang nach der Inhaftierung. Die WG befindet sich im Kasernenviertel.

Bei einer anderen Idee aus den Reihen der Zuhörer rechnete Sedlmeier mit größeren Erfolgsaussichten: Die Stadt solle doch Grundstücke künftig in Erbpacht vergeben, das würde auf Sicht die Mietpreise senken. Grundsätzlich sei das schwierig, weil die Baufinanzierung auf Erbpacht-Grundstücken für Investoren problematisch ist, so Sedlmeier. „Aber zum Beispiel bei der Prinz-Leopold-Kaserne prüfen wir intensiv, ob das möglich ist.“

Schließlich wollte noch ein Zuhörer wissen, wie es mit Obdachlosigkeit in der Donaustadt aussieht. Sedlmeier führte aus, dass es eine Unterkunft für 25 Männer und acht Frauen in der Taunusstraße gibt. Im Winter gab es zusätzlich eine Kälteschutzeinrichtung, die mittlerweile geschlossen ist. Dort übernachteten im Schnitt 15 Menschen, in sehr kalten Nächten waren es bis zu 26 Personen. Zudem gebe es in der Aussiedlerstraße 74 Notwohnungen für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind.

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