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Kultur

Konzert-Begleiter für Senioren

Für ältere Menschen sind Veranstaltungen oft schwer zu erreichen oder zu teuer. Vereine sorgen in Regensburg für Abhilfe.
Von Manfred Rohm

Veranstaltungen wie das Mittelbayerische Mitsingkonzert machen in der Gruppe viel Spaß Foto: altrofoto.de
Veranstaltungen wie das Mittelbayerische Mitsingkonzert machen in der Gruppe viel Spaß Foto: altrofoto.de

Regensburg.Für Senioren sind Veranstaltungen oft schwer zu erreichen. Wie zum Beispiel für Gerda S.: Zusammen mit ihrem Mann hatte sie früher einmal ein Abonnement im Stadttheater. Seit einem Jahr, seit sie Witwe ist, hat sie es nicht mehr verlängert. „Alleine macht mir auch die schönste Aufführung keinen Spaß mehr“, erklärt sie. Und die Bekannten, mit denen sie früher den Musentempel besuchte, sind sehr rar geworden. „Ich finde einfach keine Begleitung mehr“, klagt sie.

Wie ihr geht es zum Beispiel auch Bernd B.: Er ist eher der leichten Muse zugeneigt. In seiner Jugend ließ er kein Rock-Konzert in der Region aus. Und er schwärmt noch heute von den Nächten, als das Colosseum in Stadtamhof fest in der Hand der Rock ‘n‘ Roller war. Auch heute würde er gerne wieder einmal ein Konzert besuchen. „Aber ich brauch meine Rente, um zu überleben. Da sind teure Extras nicht drin.“

Der Seniorin und dem Senior kann geholfen werden und zwar von Ehrenamtlichen des Treffpunkt Seniorenbüro (TPS), die Seniorinnen und Senioren zu Kulturveranstaltungen begleiten. Ein Service, der im Januar seine Premiere hat, und zum anderen vom jüngsten Kooperationspartner von „Regensburgs Nette Nachbarn“ (ReNeNa) „KulTür“, einem Projekt, das kostenfreie Plätze für Kulturveranstaltungen an Menschen vermittelt, die es sich sonst nicht leisten können.

Zusammen statt alleine

Erst dieser Tage unterschrieben Geschäftsführerin Britta Kutze und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer den Kooperationsvertrag. „Das gibt ReNeNa ganz neue Perspektiven“, so die Bürgermeisterin. Perspektiven, die gerade für ältere Menschen sehr wichtig sind. Britta Kutzer drückt es so aus. „Kultur ist so etwas wie das Brot für die Seele. Sie ist ein Teil unseres Lebens, das Fundament jeder Gesellschaft und unumgänglich für ein Leben in Würde und Selbstbestimmung. Deshalb sei das Recht auf kulturelle Teilhabe auch gesetzlich verankert. „Nur was nützt das, wenn die Veranstaltungen so teuer sind, dass nicht jeder sie sich leisten kann?“, fragt sie. Kultur sei heute ein Luxusgut geworden.

Kultur zum Mitmachen

  • KulTür:

    Die Initiative ist ein gemeinnütziger Verein mit drei Vorständen, einer Geschäftsführung und acht ehrenamtlichen Kulturvermittlerinnen. Der Verein ermöglicht kulturelle Teilhabe und soziale Integration für Menschen, die kein oder nur sehr wenig Geld für ihr Leben haben. Er nimmt Karten von 70 Paten aus der Region entgegen und verteilt sie an Bedürftige. Kartenvermittlung und Info: Telefon: 0941/38 20 16 69 von Dienstag bis Donnerstag 9 bis 12 Uhr und Donnerstag 13 bis 16 Uhr.

  • Begleiter:

    Die Kulturbegleiter sind ein neues Projekt des „Treffpunkt Seniorenbüro“ (TPS) für Senioren, die nicht alleine weggehen wollen. Wer an einer kulturellen Veranstaltung in Regensburg teilnehmen und begleitet werden möchte, gibt bei Ursula Schmid, Telefon 507-1546 oder E-Mail: schmidt.ursula@regensburg de, seinen Wunsch bekannt. Dort wird versucht, einen in der Nähe wohnenden Kulturbegleiter zu finden, der sich zur Veranstaltung verabreden und die Begleitung anbieten kann.

Und hier greift „KulTür“ ein wie eine Art Kultur-Tafel. Mehr als 70 Kulturpartner überlassen dem Projekt Karten für die verschiedensten Veranstaltungen, ob das Theater oder Kabarett, Konzert oder Sportevent sind. Diese Plätze werden dann an die in der Datenbank registrierten Gäste vermittelt. Voraussetzung für eine Registrierung ist eine schriftliche Anmeldung sowie ein gültiger Nachweis über ein geringes Einkommen. Pro Monat können laut Kutzer durchschnittlich 550 Karten im Wert von über 12 500 Euro vermittelt werden.

Neu: Kulturbegleiter

Dass ältere Menschen Lust auf kulturelle Veranstaltungen haben, Rentner aber abends nicht mehr allein ausgehen wollen, wurde vor einiger Zeit Elisabeth Altbauer-Versteegh bewusst, als sie sich ehrenamtlich im Aktivzentrum des TPS am Theodor-Heuß-Platz betätigen wollte. Sie sammelte eine Reihe Gleichgesinnte um sich, und damit kann am 2. Januar das Team „Kulturbegleiter“ an den Start gehen. „Der Besuch von Don Giovanni im Stadttheater ist quasi unsere Premiere“, sagt die Initiatorin des Projekts, die gleichzeitig als Teamverantwortliche fungiert.

„Zu zweit oder in der Gruppe macht es doch einfach mehr Spaß und man fühlt sich irgendwie sicherer, wenn man einen Treffpunkt vereinbaren und dann gemeinsam eine Veranstaltung besuchen und genießen kann“, sagt Elisabeth Altbauer-Versteegh. Dass Kultur ein Lebenselixier sein kann, steht auch für sie außer Zweifel. „Und deshalb sollte man auch im Alter nicht darauf verzichten.“

Auch wer eine Begleitung sucht, soll sich nicht scheuen anzurufen. „Wir suchen dann nach einer passenden Begleitung“, sagt sie.

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