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Mängel

Krematorium: Aufsichtsbehörde alarmiert

Im Regensburger Krematorium werden weiter Grenzwerte überschritten. Jetzt liegt ein Antrag auf sofortige Stilllegung vor.
Von Norbert Lösch

Wieder Thema in Stadtratsgremien: das städtische Krematorium am Dreifaltigkeitsberg Foto: Lex
Wieder Thema in Stadtratsgremien: das städtische Krematorium am Dreifaltigkeitsberg Foto: Lex

Regensburg.Trotz der bereits beschlossenen Generalsanierung reißt die Diskussion um erhebliche Mängel beim Betrieb des städtischen Krematoriums nicht ab. Dem Finanzausschuss des Stadtrats liegt am Donnerstag ein Antrag von Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) vor, der die sofortige Stilllegung der Einrichtung am Dreifaltigkeitsberg fordert. Janele macht Gefahren für Mensch und Umwelt wegen der veralteten Rauchgasanlagen und Öfen geltend und hat bereits die Regierung als Aufsichtsbehörde eingeschaltet.

Die Stadt hatte bislang lediglich eingeräumt, es seien „Nachrüstungen“ nötig, weil die Anlage gelegentlich an ihre Grenzen gerate und „im Extremfall“ hochgiftiges Kohlenmonoxid in den Innenraum austrete. Weil dann Alarm ausgelöst werde und die Mitarbeiter per Dienstanweisung gehalten seien, sofort den Raum zu verlassen, sei deren Gesundheit nicht gefährdet. Genau das hatte ein inzwischen geschasster Mitarbeiter der Stadt vorgeworfen und Vorgesetzte wegen Körperverletzung angezeigt (wir berichteten). Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu diesem und anderen möglichen Straftat-Komplexen laufen bis heute.

Nach MZ-Informationen hat es bis Mitte Mai bei der Ofenlinie eins 62 Überschreitungen gegeben, bei der zweiten Ofenlinie 58. Foto: Julia Ried
Nach MZ-Informationen hat es bis Mitte Mai bei der Ofenlinie eins 62 Überschreitungen gegeben, bei der zweiten Ofenlinie 58. Foto: Julia Ried

Von gelegentlichen Überschreitungen von Grenzwerten könne beim Regensburger Krematorium keine Rede sein, begründet Christian Janele seinen aktuellen Antrag. Die gemessen an den Betriebsstunden zulässige Überschreitungshäufigkeit bei der Kohlenmonoxidkonzentration lag 2017 bei einer der beiden Ofenlinien beim Doppelten des Grenzwerts.

Das hat sich heuer offenbar fortgesetzt: Nach MZ-Informationen hat es bis Mitte Mai bei der Ofenlinie eins 62 Überschreitungen gegeben, bei der zweiten Ofenlinie 58. Der Fall, dass wegen der überlasteten Anlage kontaminiertes Rauchgas über einen sogenannten „Bypass“ nahezu ungefiltert in die Umwelt gelangt, soll durchschnittlich einmal pro Woche vorkommen.

Appell an gesamten Stadtrat

„Das darf laut geltender Bundes-Immissionsschutzverordnung gar nicht passieren“, sagt der Antragsteller, der im Stadtrat als einziger Mandatsträger der CSB ein „Einzelkämpfer“ ist. Gleichwohl sieht er den gesamten Stadtrat in der Pflicht. „Wir müssen handeln, weil wir in der Haftung stehen“, appelliert Janele an die gemeinsame Verantwortung. Nach seiner Überzeugung hätte man die Anlage längst stilllegen müssen.

„Die Daten lassen auf den Verdacht einer Straftat im Umweltbereich schließen.“

Christian Janele, Stadtrat (CSB)

Nicht eingehalten werden laut Janele auch die bei der Einäscherung vorgeschriebenen Mindesttemperaturen. Im Vorjahr seien diese bei der Ofenlinie eins in 328 Betriebsstunden, bei der zweiten Ofenlinie in 60 Betriebsstunden unterschritten worden. Dies alles sei der Stadtverwaltung bekannt, die Probleme würden mithin „kleingeredet“. In seinem Antrag wird er deutlich: „Es ist nicht hinzunehmen, dass die Stadt seit Jahren die gravierenden Missstände, die im Krematorium herrschen, vertuscht und die Vorkommnisse gegenüber uns Stadträten verharmlost, bestenfalls lediglich in Bruchstücken informiert.“

Lesen Sie auch: Ex-Mitarbeiter des Krematoriums wirft der Stadt Regensburg Körperverletzung vor.

Deutliche Kritik am Umgang mit dem Thema Krematorium hat immer wieder auch die CSU-Fraktion geäußert. Sie drängte auf die kürzlich beschlossene Modernisierung, weil weder die Gefährdung der Gesundheit von Mitarbeitern noch sonstige Mängel beim Betrieb – schon aus Gründen der Pietät – hinnehmbar seien.

CSU: Antrag kommt zu spät

Mit der vorgezogenen ersten Sanierungsphase für 2,2 Millionen Euro, die vor allem Filteranlagen betreffe, sowie mit aktuellen Einschränkungen beim Betrieb einer der beiden Öfen könne man jetzt gut leben, sagte CSU-Stadtrat Markus Jobst gegenüber unserer Redaktion. Aus Sicht seiner Fraktion komme der Antrag von Janele „viel zu spät, weil es keine neuen Fakten gibt“. Deswegen werde die CSU die Forderung auch nicht unterstützen.

Mit der Forderung, den Betrieb des Krematoriums sofort einzustellen, befasst sich aktuell auch die Regierung der Oberpfalz. Markus Roth, Pressesprecher der Rechtsaufsichtsbehörde, bestätigte am Dienstag gegenüber der MZ, dass sich mehrere Fachstellen im Haus mit dem Thema Krematorium beschäftigen, darunter auch die Abteilung Technischer Umweltschutz. Die aktuellen Hinweise und Fakten würden geprüft, bevor es eine Stellungnahme der Regierung dazu gibt. Roth: „Das ist nämlich eine durchaus komplexe Geschichte.“

Rückgang bei Einäscherungen

  • Feuerbestattung:

    Im Regensburger Krematorium ist die Zahl der Einäscherungen zuletzt deutlich zurückgegangen. Die Stadt spricht von 2500 im Jahr 2017.

  • Abgase:

    Giftige Rauchgase sollen sogar bis in die Trauerhalle entwichen sein. Jetzt will die Stadt Filtersysteme und Abgaswege bis zum Schornstein neu bauen lassen.

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