MyMz
Anzeige

Kirche

Kritik von beiden Bischöfen

Die evangelische Kirche will ein neues Ehebild und erntet viel Kritik. Auch von Regensburgs Bischof Voderholzer – und seinem evangelischen Kollegen.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Übt Kritik: Regionalbischof Dr. Hans-Martin WeissFoto: altrofoto

Hannover/Regensburg.Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer kritisiert die neue Orientierungsschrift der Evangelischen Kirche Deutschlands zu Ehe und Familie und erhält überraschend Zustimmung vom evangelischen Regionalbischof Hans-Martin Weiss. „Was Voderholzer sagt, findet meinen großen Respekt. Sein Bemühen, das christliche Familienbild aus der Heiligen Schrift heraus zu entwickeln, unterstütze ich im Grundsatz voll und ganz“, sagte Weiss der MZ.

Voderholzer: Gefahr für Ökumene

Vor einer Woche hatte die evangelische Kirche ein Diskussionspapier zum neuen Familienbild vorgestellt und seitdem hagelt es Kritik – auch aus eigenen Reihen. Alternative Familienformen erfahren darin eine Aufwertung jenseits der lebenslangen Ehe von Mann und Frau. Unter anderem heißt es in dem 160-seitigen Papier „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“: „Angesichts des tiefgreifenden sozialen und kulturellen Wandels ist auch die Kirche aufgefordert, Familie neu zu denken und die neue Vielfalt von privaten Lebensformen unvoreingenommen anzuerkennen und zu unterstützen.“ Im Klartext heißt das: Die Evangelische Kirche plant, von der traditionellen Ehe als der alleinigen Norm abzurücken und ruft zur Unterstützung auch anderer Lebensformen wie etwa Homosexualität auf.

Für den Regensburger Bischof Voderholzer wird durch diese Haltung die besondere Schutzwürdigkeit von Ehe und Familie in Frage gestellt. In seiner Predigt zur Eröffnung der Wolfgangswoche sprach das katholische Oberhaupt des Bistums von einer „Abkehr der evangelischen Kirche von der biblischen Sicht von Mann und Frau“. Dieser Kurswechsel stelle eine Gefahr für die Ökumene dar.

Regionalbischof Weiss, der sich bis gestern zu dem Positionspapier nicht öffentlich geäußert hatte, nannte die EKD-Schrift „eher von politischer als kirchlicher“ Denkweise geprägt. „Die kritischen Bemerkungen der Denkschrift zur ‚bürgerlichen Ehe‘ finde ich gegenüber denjenigen, die zu ihren Ehepartnern und ihren Familie stehen und immer gestanden sind, zum Teil herabsetzend.“ Die Arbeitsgruppe, die die Positionen verfasst hatte, habe „mit großem Bemühen versucht, den Einklang mit der staatlichen Gesetzgebung“ herzustellen, kritisierte Weiss. Seiner Ansicht nach müsse die Argumentation aber „aus der heiligen Schrift heraus“ geführt werden. Weiss wird das Positionspapier in der kommenden Woche im Landeskirchenrat zur Sprache bringen. „Ich rate jedem evangelischen Christen, dass er seine kritische Position dazu öffentlich macht.“

Mit seiner Haltung wird Weiss im Landeskirchenrat aber nicht auf allgemeine Zustimmung stoßen. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ließ am Dienstag mitteilen, dass er die Sichtweise der Arbeitsgruppe teile. „Die ethischen Standards, die der Ehe ihre bleibende Bedeutung als Leitbild geben, sollten als Orientierung für alle Lebensformen gelten.“ Es müsse niemand fürchten, dass die Ehe durch diese Haltung „entwertet“ werde. Mit der Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler gibt es eine zweite Befürworterin im Gremium. Breit-Keßler arbeitete an dem Positionspapier mit.

Auch Politiker üben Kritik

Bereits vergangene Woche hatte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, davor gewarnt, Ehe und Familie mit anderen Lebensformen gleichzustellen. Das neue EKD-Papier erwecke den Eindruck „Alles ist möglich, und alles ist irgendwie gleichwertig“. Glück betonte: „Wenn die Positionen der Kommission die offizielle Leitlinie der Evangelischen Kirche werden, erschwert dies die Zusammenarbeit bei den anstehenden familienpolitischen Aufgaben und Entscheidungen sehr. Die dringlichste Aufgabe ist gegenwärtig, Artikel 6 des Grundgesetzes, den besonderen Schutz von Ehe und Familie, (...) kreativ und entschieden mit neuem Inhalt zu füllen.“

Auch in der Politik hat das Papier bereits Initiativen hervorgebracht. Der Bundesgeschäftsführer Christian Meißner vom Evangelischen CDU/CSU-Arbeitskreis zur „Welt“: „Die meisten von uns hätten sich wohl gewünscht, dass der Vorrang der Ehe von Mann und Frau klarer formuliert und theologisch so hergeleitet würde, wie es von einer Orientierungshilfe zu erwarten ist.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht