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Bildung

Kulturpreis Bayern für Nachwuchsforscher

Zum elften Mal zeichnete die Bayernwerk AG junge Künstler und Akademiker aus. Preise gingen auch nach Regensburg und Weiden.

Thomas Bauer (rechts) wurde mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Laudatorin in der Kategorie Hochschulen für angewandte Wissenschaft war Anja Reschke.
Thomas Bauer (rechts) wurde mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Laudatorin in der Kategorie Hochschulen für angewandte Wissenschaft war Anja Reschke. Foto: Bayernwerk AG

Regensburg.Zum elften Mal hat die Bayernwerk AG am 18. November in der ESKARA- Kulturarena in Essenbach bei Landshut den Kulturpreis Bayern für herausragende Leistungen in Kunst und Wissenschaft verliehen. Ausgezeichnet werden Künstler in Bayern für ihr bedeutendes künstlerisches Wirken – in diesem Jahr Bruno Jonas, Eugen Gomringer, Brigitte Hobmeier, Christiane Karg, Ingo Maurer und Thomas von Steinaecker – sowie Absolventen und Doktoranden der bayerischen Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und staatlichen Kunsthochschulen. Die Preisträger wurden von ihrer jeweiligen Hochschule ausgewählt und erhalten ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro. Das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst verleiht zusätzlich einen Sonderpreis.

Prof. Dr. Tobias Haupt (l.), der Laudator in der Kategorie Universitäten, und Dr. Michael Porer bei der Preisverleihung
Prof. Dr. Tobias Haupt (l.), der Laudator in der Kategorie Universitäten, und Dr. Michael Porer bei der Preisverleihung Foto: Bayernwerk AG

In der Kategorie Universitäten wurde Dr. Michael Porer von der Universität Regensburg für seine Doktorarbeit zum Thema „Ultraschnelle Niederenergie-Dynamik stark korrelierter Systeme“ ausgezeichnet. In seiner Arbeit lüftete der Kulturpreisträger ein etwa vierzig Jahre altes Geheimnis der Festkörperphysik: Er konnte erstmals zeigen, welcher Mechanismus der Ladungsdichtewelle in Titandiselenid zu Grunde liegt.

Während Elektronenpaare in Supraleitern einen See von widerstandslos verschiebbaren Teilchen bilden, kann man sich eine Ladungsdichtewelle wie eine riesige Welle im Elektronensee vorstellen. Nach bisherigem Wissensstand konkurrieren diese beiden eng verwandten Ordnungsphänomene der Festkörperphysik miteinander.

Mithilfe ultrakurzer Laserimpulse, die nur den millionsten Teil einer Milliardstel Sekunde andauerten, konnte Dr. Porer einen superschnellen Zeitlupenfilm davon anfertigen, wie sowohl die Ladungsdichtewelle als auch eine damit verbundene leichte Verzerrung des Kristallgitters in einer nur wenige Atomlagen dünnen Schicht Titandiselenid auf eine kontrollierte optische Anregung reagieren. Der Femtosekunden-Zeitlupenfilm zeigt erstmals, dass die Wellen im Elektronensee von Titandiselenid durch ein kooperatives Zusammenspiel des Kristallgitters mit den Elektronen verursacht werden. Außerdem dürfte die neue Methode, in superschnellen Zeitlupenfilmen mehrere Ordnungen und deren Dynamik zu beobachten, entscheidend zu einem besseren Verständnis der Supraleitung und anderer Ordnungsphänomene beitragen.

Thomas Bauer (rechts) wurde mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Laudatorin in der Kategorie Hochschulen für angewandte Wissenschaft war Anja Reschke.
Thomas Bauer (rechts) wurde mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Laudatorin in der Kategorie Hochschulen für angewandte Wissenschaft war Anja Reschke. Foto: Bayernwerk AG

Für die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg wurde Thomas Bauer ausgezeichnet. Seine Masterarbeit im Fach Informatik an der OTH Regensburg trägt den Titel „Klassifizierung von Blasenkarzinomerkrankungen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz“. Darin entwickelte der Kulturpreisträger ein computergesteuertes Verfahren, das die Überlebenschancen von Blasenkrebspatienten durch die Eingabe von Daten nach einer Entfernung der Harnblase, einer Zystektomie, voraussagt. In Kooperation mit dem Regensburger Caritas-Krankenhaus St. Josef entstand an der OTH Regensburg ein Forschungsprojekt über dieses Thema, da bei jedem Patienten eine individuelle und umfassende Risikoanalyse durchgeführt werden muss. Anhand dieser Analyse werden die weiteren Schritte bei der Behandlung geplant. Um die Ärzte bei ihren Entscheidungen und Therapieplanungen zu unterstützen, müssen die Überlebens- und Genesungschancen hinsichtlich der Operationstechnik und des Gesundheitszustands des Patienten genau abgewogen werden. Die Chancen hängen von verschiedenen Variablen wie zum Beispiel Tumorstadium oder Begleiterkrankungsindex ab.

Insgesamt verarbeitete Thomas Bauer 14 klinische Parameter mit einem speziellen Maschinen-Lern-Verfahren der Künstlichen Intelligenz, der sogenannten „Support Vektor Maschine“. Dieses mathematische Verfahren geht über normale statistische Ansätze hinaus und kann sehr komplexe Zusammenhänge erfassen. Dadurch ist es dem Laberweintinger gelungen, die Zwei- und die Fünf-Jahres-Mortalität nach einer Zystektomie im Mittel zu 87 Prozent genau vorauszusagen.

Laudatorin Anja Reschke und Kulturpreisträgerin Tanja Kellner von der OTH Amberg-Weiden
Laudatorin Anja Reschke und Kulturpreisträgerin Tanja Kellner von der OTH Amberg-Weiden Foto: Bayernwerk AG

Als beste Absolventin der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden erhielt Tanja Kellner den Kulturpreis Bayern. Die Preisträgerin studierte an der OTH Amberg-Weiden Wirtschaftsingenieurwesen und gehörte bereits im Bachelorstudiengang zu den Besten ihres Jahrgangs. Den anschließenden Masterstudiengang „Interkulturelle Unternehmens- und Technologiemanagement“ (IM) absolvierte sie als Jahrgangsbeste. Kellners Arbeit trägt den Titel „Simulative Untersuchung der Leistungsgrenzen eines Hochregalbediengerätes im Zusammenwirken mit einem Fahrerlosen Transportsystem“. Darin beschäftigte sich die Kulturpreisträgerin mit einer umfangreichen Automatisierungslösung im Bereich der Logistik eines Industriepartners. Sie entwickelte ein Modell, das verschiedene Konzepte der Einlagerung simuliert und deren Effizienz bewertet. Prof. Ulrich Müller, Vizepräsident der OTH Amberg-Weiden und Betreuer von Kellners Masterarbeit, freute sich mit ihr über die Auszeichnung. Kellner habe in ihrer sehr anspruchsvollen Arbeit Lösungen für einen Industriepartner der Hochschule entwickelt und damit Mehrwert für sein Unternehmen geschaffen. „Ihr Beispiel zeigt: Unsere Ausbildung ist nahe an der Praxis – zukünftige Arbeitgeber erhalten mit unseren Absolventen hervorragend ausgebildete Fachkräfte.“

„Der Kulturpreis Bayern verbindet Kulturgenerationen und schlägt eine Brücke zwischen Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bayernwerks, Reimund Gotzel. „Der Kulturpreis Bayern wird immer mehr zur Plattform für Begegnung und Gedankenaustausch. Und da müssen unsere jungen Nachwuchsakademiker und junge Künstlergenerationen ihren festen Platz haben.“

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