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Offene Türen

Kunstliebhaber sahen große Bandbreite

14 Ateliers hatten sich am Galerienabend beteiligt. Der war überschattet vom Unfalltod der Künstlerin Brigitte Berndt.
Von Curd Wunderlich, MZ

  • Besucher in der Schmuckgalerie Brigitte Berndt: Der tragische Unfalltod der Besitzerin überschattete den Galerienabend. Fotos: altrofoto.de
  • Regensburger Galerienabend Galerie konstantin b Foto: altrofoto.de
  • Regensburger Galerienabend Galerie Lesmeister Foto: altrofoto.de
  • Regensburger Galerienabend Galerie Kunstkabinett Foto: altrofoto.de
  • Regensburger Galerienabend Galerie Erdel Foto: altrofoto.de
  • Joachim Wolbergs (mit Sonnenbrille) mischte sich unter die Besucher der Schmuckgalerie Brigitte Berndt Foto: altrofoto.de
  • Regensburger Galerienabend Galerie Artaffair Foto: altrofoto.de
  • Regensburger Galerienabend Galerie Kunstkabinett Foto: altrofoto.de

Regensburg.Der tragische Unfalltod Brigitte Berndts war trauriges Thema in vielen Ausstellungsräumen. Schließlich hatte genau am Tag vor dem Regensburger Galerienabend am Samstag ihre Trauerfeier stattgefunden. Und eigentlich hätte die lebenslustige Frau, die am 3. September bei einem Verkehrsunfall in Oman ums Leben kam, an diesem Galerienabend das 25. Jubiläum ihrer Schmuckgalerie an der Unteren Bachgasse feiern wollen.

So aber nutzten Verwandte, Freunde, Kollegen und Kunden den Galerienabend zum Abschiednehmen – von Brigitte Berndt und ihrer kleinen aber feinen Schmuckgalerie. 22 Künstler und Kunsthandwerker stellten ihre edlen Arbeiten aus, die einen Querschnitt aus 25 Jahren Galeriearbeit Berndts abbildeten. Die Galeristin selbst war auch präsent: Auf einem Bildschirm wurde eine Bilderstrecke abgespielt, die die lebensfrohe und weltoffene Birgit Berndt zeigte.

Vor und in der Schmuckgalerie an der Unteren Bachgasse waren immer viele Menschen präsent, viele müssen ihr Lachen erst wieder suchen, andere haben zumindest ihr Lächeln bereits wiedergefunden. Hier wie in allen anderen 14 beteiligten Galerien, wo die Menschen auch immer wieder auf Berndts tragisches Schicksal zu sprechen kamen, stand aber fest: Der Blick muss nach vorne gerichtet werden.

Gemälde riefen Lachen hervor

Und so gab es auch viele schöne Begegnungen, und einige Gemälde zauberten den Betrachtern ein Lächeln ins Gesicht oder riefen gar herzhaftes Lachen hervor. Im Artspace Erdel beispielsweise waren Arbeiten des chinesischen Künstlers Zhao Bin zu sehen, die bei einigen Besuchern die Lachmuskeln aktivierten. „Das sind schon echt lustige Bilder“, meinte ein junges Paar. „Das ist mal was anderes“, sagte ein älterer Herr zwar weniger euphorisch, aber nicht weniger angetan.

Und Recht hatten sie. Bin, der in München und Changsha, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan mit über sieben Millionen Einwohnern, lebt, erforscht in seinen Bildern die Mechanismen der medialen Selbstdarstellung. Heraus kommen dabei Werke, die mit sehr witzig-ironischen Metaphern den oft unerfüllbaren Wunsch nach Individualität in der Gesellschaft widerspiegeln. Die Figuren auf seinen Malereien setzt Bin in gänzlich unnatürlich aussehende Landschaften und Umgebungen und hält den medialen Selbstdarstellern damit ihre eigene Künstlichkeit vor.

So setzt sich eine Bilderreihe mit einem etwas lüsternen Panda auseinander, der zum Beispiel ganz fotogerecht liegende Bikinigirls mit Weißwurst, Brezen und Bier am Strand ablichtet. Alle derzeit ausgestellten Werke im Artspace Erdel von Zhao Bin sind neueren Datums und noch bis Oktober auf Anfrage zu besichtigen.

Ebenfalls für viel Schmunzeln sorgte die Ausstellung im Kunstkontor Westnerwacht. Dort sind Werke in Erinnerung an den 2015 verstorbenen Karikaturisten Helmut A. Heimmerl zu sehen. Kunsthistoriker Emanuel Schmid zeigt in seiner 1995 gegründeten Galerie für zeitgenössische Kunst deutlich, was Heimmerls kolorierte Zeichnungen ausmacht: Sie sind nämlich gerade nicht, wie viele andere Karikaturen, schnell auf den Punkt gebrachte, oft etwas zynische oder boshafte Scharfsinnigkeiten zu gesellschaftlichen Problemen. Vielmehr blickte Heimmerl verständnisvoll lächelnd auf die Schwächen seiner Mitmenschen.

Und so heißt die Ausstellung passenderweise „Das Leben – Eine seltsame Komödie…“. Eine der Karikaturen zeigt beispielsweise „Die stade Zeit“ und ihren alljährlichen Wahnsinn: Hetzerei nach Geschenken, Gerangel um Christbäume, ungeduldige Kinder und als I-Tüpfelchen auch noch außer Kontrolle geratene Hunde. Oder in der „Nachspielzeit der Schülermannschaft“ streiten sich die Väter am Spielfeldrand mindestens genauso leidenschaftlich wie ihr Fußballernachwuchs beim Stand von eins zu eins auf dem Rasen.

Galerienabend: Eine kleine Auswahl

  • Art Affair:

    Mit „Nur für Personal“ gibt Stefan Bircheneder noch bis zum 21. Oktober Einblicke in Industrieruinen. Seinen Fokus in den Ölgemälden und Bildobjekten der aktuellen Ausstellung legt er dabei auf die Privatsphäre in Sozialräumen wie zum Beispiel Umkleiden oder Pausenräume in stillgelegten Fabriken, in die sich Arbeiter früher zurückziehen konnten.

  • Galerie Andrea Madesta:

    Wie in vielen anderen Galerien kamen auch hier langjährige Kunstsammler zusammen und hielten nach dem nächsten Objekt der Begierde Ausschau. Zu sehen waren amerikanische Pop Arts unter anderem von Andy Warhol. Und während an anderen Werken die Preise zu sehen waren, gab’s die für Warhol-Unikate nur „auf Anfrage“.

  • Panamericanarte Galerie:

    Hier eröffnete Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer den Galerienabend. Sie freute sich, dass die Künstlerin Asia Freeman die 8000 Kilometer lange Anreise aus Alaska zur Ausstellung ihrer Gemälde auf sich genommen hatte. Auch der US-Konsul für Öffentlichkeitsarbeit Stephen Ibelli schaute aus München vorbei.

  • Kunstverein Graz:

    Beim dortigen Artist-in-Residence-Projekt hat die Südkoreanerin Jeong-Eun Lee ihre Erlebnisse in Regensburg verarbeitet. Heraus gekommen ist eine raumfüllende Installation aus Videos, Dia-Projektionen und aus einer Groß-Zeichnung. Die Themen der Schau: Reisen, Flüchtigkeit und Identität. Viele Besucher blieben lange andächtig vor den Installationen stehen.

Angeregter Austausch über Kunst

Während die Besucher die Karikaturen betrachteten, entdeckten sie zufällig unter den anderen Gästen bekannte Gesichter – oft war da dann auch erst einmal das richtige Zuordnen der Gesichter gefragt. Sobald man aber wieder genau wusste, wer sein Gegenüber war, wurde sich angeregt über Kunst und Künstler ausgetauscht. Und genau dafür ist der Galerienabend seit fast zwei Jahrzehnten auch gedacht. Liebhaber sollen aufeinandertreffen und untereinander und mit den Galeristen fachsimpeln.

Und dabei war für jeden Geschmack etwas geboten an diesem Samstagabend. Das Art Affair beispielsweise zog ein stark überdurchschnittlich junges Publikum an. Dort sind noch bis zum 21. Oktober unter dem Titel „Nur für Personal“ Ölgemälde und Bildprojekte von Stefan Bircheneder zu sehen. Die 21-jährige Architekturstudentin Sara war begeistert: „Das sind schon spannende Motive, diese menschenleeren Mitarbeiterräume, die irgendwann dem Verfall überlassen wurden.“

Besonders große Anziehungskraft bewies der Kunst- und Gewerbeverein mit seiner 91. Jahresschau mit Werken von Oberpfälzer und niederbayerischen Künstlern. Das mochte auch daran liegen, dass die gebotene Kunst-Bandbreite dort am größten war. So konnte jeder sicher sein, dass für seinen Geschmack etwas dabei war. Aber auch die heimischen Künstler üben eine besondere Anziehungskraft, bestätigte ein Rentnerehepaar im Gespräch mit unserem Medienhaus: „Hier werden wir uns sicher am längsten aufhalten und schauen, was ‚unsere‘ Künstler so erschaffen.“

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