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Kurioser Camper: Wer ist Parkhaus-Klaus?

Auf Jodel kursiert das Bild eines Zeltes im Uni-Parkhaus Regensburg. Das Foto geht viral und sorgt für einen Polizeieinsatz.
Von Simone Grebler und Micha Matthes

Wer campt da mitten im Parkhaus der Regensburger Universität? Das fragten sich hunderte Studenten und spekulierten wild. Screenshot: bearbeitetes Foto von Daniel P.
Wer campt da mitten im Parkhaus der Regensburger Universität? Das fragten sich hunderte Studenten und spekulierten wild. Screenshot: bearbeitetes Foto von Daniel P.

Regensburg.Plötzlich steht da auf einem Stellplatz im Uni-Parkhaus ein blaues Zelt. Ein junger Mann fotografiert es in der Nacht zum Mittwoch und postet das Foto auf der Online-Plattform Jodel. Dazu schreibt er „Wenn Uni dein Leben komplett vereinnahmt“. Eine Diskussion entbrennt: Wer ist der Unbekannte, der da im Regensburger Parkhaus sein Zelt aufgeschlagen hat? Hunderte Studenten, viele offensichtlich nach Ablenkung im Prüfungsstress suchend, kommentieren das Bild. Schnell häufen sich die Gerüchte: Es handle sich um einen Mann in Frauenkleidern, außerdem liege ein Vibrator in dem Zelt. Die Kommentare reichen von Neugier „War grad live vor Ort, der Typ hat sich da drin rasiert“ bis Mitleid „Schlaf mal auf nem Steinboden... Der hat ja scheinbar net mal a Auto“. Schnell gibt es auch einen Hashtag für das Netzphänomen – #parkhausklaus.

Mann trug ein gelbes Kleid

Der junge Mann, der den Feed auf Jodel gestartet hatte, meldete sich am Mittwoch und erzählte uns noch einmal, wie er die Geschichte erlebt hat: „Wir waren im Uniparkhaus mit dem Auto unterwegs, weil wir dort eine Freundin abholen wollten. Wir sind abgebogen und auf einmal stand dann da ein blaues Zelt.“ Das Netz gegen Moskitos sei geschlossen gewesen. Im Zelt sei aber Licht gewesen, man habe sehen können, dass ein Mann im Zelt sitzt, der sich gerade rasiert. „Wir sind erst noch zweimal vorbeigefahren. Dann hab ich gesagt: ,Ich steig jetzt mal aus und frag, ob es ihm gut geht‘“, erzählt der 20-Jährige, der seit Oktober selbst in Regensburg studiert. Der Mann habe den Kopf aus dem Zelt gesteckt. Er sei wohl Ende 20 gewesen. „Ich habe ihn gefragt, ob er etwas zu essen oder zu trinken braucht.“ Darauf habe der ominöse Camper geantwortet: „Na, na, alles ist gut. Ich hab auch eine Wohnung, aber ich versuch hier mal was.“ Der junge Mann habe das skurril gefunden und eine Nachricht dazu auf Jodel abgesetzt. „Ich dachte, es handelt sich vielleicht um ein Experiment.“

„Aus polizeilicher Sicht ist es einfach nicht normal, dass einer sich nachts im Parkhaus rumtreibt.“

Markus Reitmeier, Polizeisprecher

Die Nachricht erreicht auf Jodel innerhalb von zehn Minuten rund 200 Personen. Als der junge Mann kurze Zeit später wieder in das Forum schaut, hat sich dort bereits eine weitere Gruppe beim Parkhaus verabredet, die sich ebenfalls Sorgen um den Camper macht und nach dem Mann sehen will. Die jungen Leute treffen sich und sprechen sich an einer Bushaltestelle vor dem Parkhaus noch einmal ab, dann gehen die Neuankömmlinge zu dem Camper. „Als sie wieder rauskamen, haben sie erzählt, dass in dem Zelt offenbar ein Vibrator, eine Luftmatratze mit aufgedrucktem Gesicht, ein Laptop und ein Heizstrahler lagen.“ Der Mann habe ein gelbes Frauenkleid getragen. „Er hat aber auch auf die anderen nicht verwirrt oder so gewirkt.“ Trotzdem entscheiden die jungen Leute schließlich, die Polizei zu rufen – aus Angst der Mann könne an den Abgasen ersticken, wenn sich die Garage am nächsten Morgen mit Fahrzeugen von Studierenden füllt. Die Beamten kommen mit zwei Einsatzfahrzeugen. „Wir haben der Polizei gezeigt, wo es ist, und sind dann wieder gefahren.“

„Als sie wieder rauskamen, haben sie erzählt, dass in dem Zelt offenbar ein Vibrator, eine Luftmatratze mit aufgedrucktem Gesicht, ein Laptop und ein Heizstrahler lagen.“

Der junge Mann, der das Zelt-Bild bei Jodel gepostet hat

Am Mittwoch teilt die Polizei dann mit: „Gegen 0.15 Uhr wurde eine Person mit einem Zelt in der Tiefgarage der Universität Regensburg mitgeteilt. Vor Ort konnte ein 31-jähriger Mann angetroffen werden. Er war frauentypisch gekleidet. Die Polizeiinspektion Regensburg Süd hat den Vorgang aufgenommen und überprüft die einschlägigen rechtlichen Bestimmungen. Bislang zeichnen sich keine strafbaren Handlungen ab.“ Auf Nachfrage unseres Medienhauses sagt Polizeisprecher Markus Reitmeier: „Der Mann wurde des Platzes verwiesen und hat dem Folge geleistet.“ Sonst sei nichts vorgefallen. Gegen 1 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen. Die Situation sei rechtlich nicht einfach, da abends kein Verantwortlicher der Uni mehr greifbar gewesen sei. „Aus polizeilicher Sicht ist es einfach nicht normal, dass einer sich nachts im Parkhaus rumtreibt.“

Uni droht mit Hausverbot

Am Mittwoch stand plötzlich ein Zelt zwischen den Fahrzeugen in der Uni-Tiefgarage. Wer war der ominöse Camper? Das fragten sich daraufhin hunderte Studenten und spekulierten wild. Symbolfoto: Archiv/Lex
Am Mittwoch stand plötzlich ein Zelt zwischen den Fahrzeugen in der Uni-Tiefgarage. Wer war der ominöse Camper? Das fragten sich daraufhin hunderte Studenten und spekulierten wild. Symbolfoto: Archiv/Lex

Die Universität habe erst am Vormittag Kenntnis davon erhalten, dass ein Zelt in der Tiefgarage aufgeschlagen wurde, teilte eine Pressesprecherin am Mittwochabend mit. Der Universität seien weder die Person, die das Zelt aufgestellt hat, noch die Hintergründe, die zu der Aktion geführt haben, bekannt. „In der Tiefgarage gelten die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung. Es ist daher nicht gestattet, dort zu zelten.“ Auch aus Sicherheitsgründen könne die Uni ein Übernachten in der Tiefgarage nicht zulassen und untersagt ein solches daher im Rahmen ihres Hausrechts. „Sollte erneut ein Camper in der Tiefgarage sein Zelt aufschlagen, wird der Wachdienst einen Platzverweis aussprechen. Die weiteren Konsequenzen können bis zum Hausverbot reichen.“

Auf die ursprüngliche Nachricht des 20-Jährigen auf Jodel gibt es bis zum Mittwochabend mehrere tausend Kommentare und Reaktionen.

Hier gelangen Sie zum Original-Post auf Jodel und den Kommentaren:

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