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Justiz

Landsmann im Streit schwer verletzt

Ein Somalier ist der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Er soll einen Mann mit einem Stein geschlagen haben.
Von Marion von Boeselager

Anwalt Johannes Büttner mit dem somalischen Angeklagten und der Dolmetscherin Foto: Boeselager
Anwalt Johannes Büttner mit dem somalischen Angeklagten und der Dolmetscherin Foto: Boeselager

Regensburg.Ein 20-jähriger Asylbewerber aus Somalia steht seit Dienstag wegen schwerer Körperverletzung an seinem Mitbewohner in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Zeißstraße vor dem Jugendschöffengericht. Der damals 19-Jährige soll seinen deutlich älteren Landsmann im April letzten Jahres zunächst mit einer abgebrochenen Glasflasche im Gesicht verletzt und ihm Stunden später durch einen Schlag mit einem Stein und Fußtritte schwerste Kopfverletzungen zugefügt haben: Die Anklage führt unter anderem ein offenes Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades, eine Impressionsfraktur an der Stirn, eine Blutung der mittleren Hirnhaut, eine Kopfplatzwunde, eine Jochbogenprellung sowie Schürfwunden auf.

Angeklagter schweigt

Zum Auftakt des Prozesses schwieg der Angeklagte jedoch zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Johannes Büttner teilte mit, sein Mandant werde „zunächst keine Angaben“ machen. Das Opfer und der mutmaßliche Schläger, beide aus Somalia, teilten sich ein Zimmer in Container Nummer 5 der Erstaufnahmeeinrichtung. Beide sollen am Tattag schon reichlich Alkohol konsumiert haben, als zwischen ihnen ein Streit ausbrach. Der Grund ist bisher unklar. Einer fühlte sich offenbar von seinem Mitbewohner bestohlen. Bei der Polizei bezichtigten sich die Männer später gegenseitig des Diebstahls. Der Streit eskalierte: Laut Anklageschrift schlug der Angeklagte seinem Kontrahenten „einen spitzen Gegenstand, vermutlich eine abgebrochene Glasflasche“, ins Gesicht. Der Getroffene erlitt eine stark blutende Wunde unter dem Auge.

Die Security trennte die Streithähne und wies dem Schläger ein anderes Zimmer zu. Spätabends, gegen 22.40 Uhr, wollte der Angeklagte aus seinem früheren Raum einige persönliche Gegenstände holen. Da flammte der Zwist erneut auf: Der 19-Jährige lief seinem Kontrahenten über eine Außentreppe in den Innenhof nach, so die Vorwürfe. Dort soll der Verfolger dem Flüchtenden mit einem Stein einen heftigen Schlag auf den Kopf versetzt haben. Der Geschädigte ging zu Boden. Der Angreifer soll dann noch mehrfach mit den beschuhten Füßen gegen den Kopf des Opfers getreten haben, bis ihn Zeugen und Sicherheitskräfte wegzogen.

Auf Krücken in den Gerichtssall

Auf eine Krücke gestützt betrat der Geschädigte zwar pünktlich den Sitzungssaal. Das Gericht hatte für den inzwischen bei Schwandorf untergebrachten Somalier jedoch einen Dolmetscher für die äthiopische Sprache Amharisch geladen. Eine Verständigung war nicht möglich. Die Vorsitzende Richterin Cornelia Braun ordnete an, für den Zeugen einen zweiten Somalisch-Dolmetscher hinzuzuziehen. Eine Verwendung der Dolmetscherin des Angeklagten für seinen Landsmann lehnte sie ab.

Ein Asylbewerber, der die blutige Auseinandersetzung der Männer beobachtete, wurde inzwischen abgeschoben. Ein weiterer ist vor einigen Monaten abgetaucht. Die Vorsitzende Richterin verlas die Aussagen der beiden Zeugen. Einer von ihnen, ein Äthiopier, gab dem Geschädigten eine Mitschuld an der Eskalation: Er habe nach dem ersten Teil der Streitigkeiten „im Flur herumgeschrien, in der Küche Glas zerbrochen und gedroht, uns zu verletzen.“

Der Geschädigte habe ein Alkoholproblem und schon öfter Streit mit Mitbewohnern gehabt, sagte der Zeuge. Da der Somalier viel Alkohol getrunken hatte, habe er dann draußen auf der Treppe das Gleichgewicht verloren und sei gestürzt. Das hätten ihm andere erzählt. Mit eigenen Augen will er aber gesehen haben, wie der 19-Jährige dann mit Fäusten auf das am Boden liegende Opfer einschlug.

„Er hat nur noch geröchelt“

Ein weiterer Zeuge aus Moldawien belastete den Angeklagten: Der 19-Jährige habe mit seinen Füßen auf den am Boden liegenden Mann eingetreten und sei sogar „auf seinen Kopf gesprungen“. „Wir schrien, er soll aufhören. Wir dachten, der andere ist schon tot. Er lag da wie ein Schwein. Sein Gesicht war voll Blut. Er hat nur noch geröchelt.“ Danach sei der Angeklagte zur Security gelaufen. „Er zeigte auf eine kleinere Wunde in seinem Nacken und sagte, der andere hätte ihn mit einem Stein geschlagen.“ Beide Männer hätten zuvor Schnaps getrunken, „der Geschädigte aber mehr.“ Der eine habe den anderen bespuckt. Worum es in dem Streit ging, wisse er aber nicht, so der Zeuge. Es würde oft Alkohol getrunken: „Bei uns geht es immer hoch her.“ Der Prozess ist auf drei Verhandlungstage angesetzt.

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