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Freizeit

Limeswanderer holt Lorbeerkranz


Von Helmut Wanner, MZ

„Wer Ziele hat, altert nicht.“ Wenn man Werner Lang so ansieht, kauft man ihm das sofort ab. Lang setzt sich auch noch besonders schöne Ziele, die ihm erlauben, Natur zu erleben und dabei Geschichte zu erwandern. Bis zu seinem 70. Geburtstag wollte er den gesamten deutschen Limeswanderweg bis Regensburg abgehen und damit auch in seinem Leben etwas zum Abschluss bringen (die MZ berichtete). Er hat es mit einem geradezu eisernen Willen geschafft.

Einmarsch in Castra Regina

In der Christliebstraße in Regensburg ist Werner Lang aufgewachsen, am Domplatz war er später einer der letzten Präsidenten der Oberpostdirektion. Nun hat sich der passionierte Fernwanderer mit eigener Homepage (http://www.limeswanderweg.info) seinen Jugendtraum verwirklicht, den er schon als Mitglied der Jugendgruppe „Neudeutschland“ in den 50-er Jahren geträumt hatte, nämlich den gesamten Limes, die zum Welterbe erhobene Nordgrenze des Römischen Reiches, zu Fuß abzugehen.

Nach den Stationen Ruffenhofen, Gunzenhausen, Weissenburg, Kipfenberg, Altmannstein, Eining, Kelheim und Bad Abbach war er am 9. Mai wie verabredet um 15 Uhr in Begleitung eines Legionärs an den Stufen der Porta Praetoria zum „Habe fertig!“-Appell angetreten. Am Vatertag, seinem 70. Geburtstag, schritt er die Stufen der Porta Praetoria hinauf.

Lorbeer aus eigenem Garten

Die Glückshormone ließen ihn die Schmerzen vergessen. Oben wartete seine Frau mit dem Siegeskranz, handgeflochten aus Lorbeer aus dem eigenen Garten. Die folgende Nacht in der Marc-Aurel-Suite des Hotels Bischofshof (zwei Wohnzimmer, ein Schlafzimmer mit Blick auf die Domtürme) entschädigte ihn für die Strapazen eines zwölftägigen Fußmarsches auf der letzten Etappe seines ambitionierten Vierjahresprojekts, das in Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz begann.

Der letzte Abschnitt seiner Limes-wanderung wurde überschattet. Unglücklicherweise konnte er ab dem dritten Tag nur unter Einsatz von Schmerzmitteln weitergehen. Der Grund war Leichtsinn: Beim Fotografieren im Wald war er über Wurzeln gestolpert und schwer gestürzt. Alle anderen hätten da das Unternehmen abgebrochen. Werner Lang biss die Zähne zusammen und hatschte unter Schmerzen weiter. Seinen 70. Geburtstag wollte der Siegertyp in Regensburg verbringen. Außerdem: Die Marc-Aurel-Suite war gebucht. Dabei hätte ihn jeder Arzt krank geschrieben: Zu Hause in Meckenheim attestierten jetzt die Mediziner eine angebrochene Hand und eine Stauchung am Knie mit Knorpelschaden.

Wenn es nach Michael Körner ginge, Wanderbeauftragter des Tourismusverband Ostbayern oder schlicht „Mr. Goldsteig“, bekäme Werner Lang einen Preis für seinen Einsatz für den Limeswanderweg. Körner kennt Lang schon lange. „Was der Werner für diesen Wanderweg getan hat, ist grandios. Er hat diesen Limeswanderweg bekannt gemacht, extra eine Homepage gebaut“, lobt Wanderwege-Experte Körner (http://www.der-pilgerbegleiter.eu). Deswegen begleitete er den Limeswanderer auf den letzten Kilometern ab Pentling, Weichselmühle.

Schwer wie zweieinhalb Bierkistl

„Mr. Goldsteig“ war nicht der einzige Gefährte auf den letzten Metern. Mit ihm ging ein vollständig ausgerüsteter Legionär. Modernes Wandern traf auf Historie. Den Legionär fand Werner in Josef Geisberger von der Gruppe Monumentum (Vividum http://www.monumentum-vividum.de).

Josef Geisberger hat die Weggenossen beeindruckt. „Spektakulär wie er die Strecke, mit seinen eisenbeschlagenen Lederschuhen mit uns zurücklegte. Unvorstellbar, welchen Strapazen die Römer ausgesetzt sein mussten, als sie sich von Rom über die Alpen zu uns auf den Weg machten.“

Geisberger marschierte mit dem Ballast von zweieinhalb Bierträgern. Das Motto von Monumentum vividum: „Geschichte selbst erleben“ sei so für Körner und Lang hautnah erleb- und greifbar geworden. Die selbstgefertigte Ausrüstung wog 25 Kilogramm. Weil sie zu früh an der Steinernen Brücke angekommen waren, ließen sich Werner Lang und seine Weggenossen in der „Alten Linde“ noch eine Infusion in Form eines Weizens verabreichen.

Moderne Wanderer haben’s leichter

So schön haben es Wanderer auf den attraktiven Fernwanderrouten. „Gut, dass sie nicht mehr als Römer unterwegs sein müssen“, resümiert Wander-Experte Körner. Die Römer schleppten Ausrüstungen schwer wie Bierträger durch die Gegend und hatten kein Wirtshaus am Wegesrand.

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