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Tourismus

Literarisch durch die Stadt

Studentinnen der Uni Regensburg haben einen literarischen Altstadt-Rundgang für das Smartphone entworfen.
Jan-Lennart Loeffler

Regensburg.Per Audio-Guide führt die App zu bekannten und unbekannten Orten rund um Bücher und Autoren in der Regensburger Altstadt.

Dichter aus dem Gymnasium Poeticum

Poetengässchen. Vom Start am Alten Rathaus geht es zur ersten Station des Audioguide-Rundgangs „Literaten in Regensburg“: das Poetengäßchen. Anders als in einer Weber- oder Schustergasse gingen hier nicht mittelalterliche Poeten ihrem Dichterhandwerk nach. Die Gasse erinnert mit ihrem Namen an das Gymnasium Poeticum, das hier ab dem frühen 16. Jahrhundert stand. Heute ist dort die Staatliche Bibliothek.

Das Gymnasium Poeticum bereitete als Lateinschule auf den Besuch einer Universität vor. Unterrichtssprache war Latein. Zwei Schriftsteller, die heute noch von Begriff sind, besuchten im 17. Jahrhundert das Gymnasium Poeticum: Georg Greflinger und Johann Beer. Greflinger schrieb eine Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs; Beer verfasste Romane und war als Komponist tätig.

Hier geht es zum Video: Literarischer Stadtrundgang mit dem Smartphone

Beers Schilderungen seiner Jugenderlebnisse in der Stadt werden im Audioguide von Professor Ernst Rohmer eingesprochen. Der Literaturprofessor hat gemeinsam mit vier Studentinnen das Angebot im Rahmen einer Lehrveranstaltung zu Literatur und Tourismus entwickelt.

Das Kabinett des Jacob Christian Schaeffer

Pfarrergasse. Seine Forschungsarbeiten zur Papierherstellung geben dem Pfarrer und Naturforscher Jacob Christian Schaeffer seinen Platz in diesem literarischen Rundgang. Schaeffer hatte auch ein umfangreiches und zu seiner Zeit weit bekanntes Naturalienkabinett eingerichtet. Schon lange vorbei sind heute die Zeiten, in denen nur auf Papier geschrieben wurde und nur auf diesem Wege Informationen weitergegeben wurden. So konnten die Studentinnen andere Kommunikationsmedien für ihre Literaturvermittlung in Betracht ziehen.

„Die Idee zum Audioguide hat sich erst im Laufe des Seminars entwickelt“, sagt Germanistikstudentin Eva Reitberger. Die Studentinnen haben sich verschiedene App-Anbieter angeschaut. Die Entscheidung fiel auf die Audioguide-App Izi Travel. Jede Studentin hat eine Station übernommen, Hintergründe recherchiert und die Texte eingesprochen. Auf professionelle Sprecher hat man verzichtet, was man dem Audioguide zum Teil auch anhört.

Einst populär, heute vergessen: Franz Bonn

Schwarze-Bären-Straße. Durch die Standorterkennung weiß die App, wo sich der Nutzer auf seinem Rundgang durch die Altstadt gerade befindet und bietet automatisch die richtigen Erläuterungen an. Beim Einbiegen in die Schwarze-Bären-Gasse erzählt der Audioguide über Franz Bonn, einen Schriftsteller, der heute fast unbekannt ist. Er hatte hier sein erstes Wohnhaus. Bonn war zu seiner Zeit sehr erfolgreich und ein typischer Vertreter für die Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

„Die eine oder andere Überraschung sollte dabei sein.“

Eva Reitberger, Germanistikstudentin

Er verfasste Unterhaltungsliteratur, humoristische Texte, Kinderbücher und Romane. Den Germanistikstudentinnen und ihrem Professor war es wichtig, ihren Literatur-Rundgang nicht nur aus Bekanntem, sondern auch eher Unbekanntem zusammenzustellen. Für alle Interessierten, die sich intensiver mit der Literatur in Regensburg beschäftigen möchten, empfiehlt Professor Rohmer das Buch Kleine Regensburger Literaturgeschichte von Rainer Barbey und Erwin Petzi.

Ohne den großen Goethe geht es nicht

Weisse-Lamm-Gasse. Gewirkt hat er nicht in Regensburg, nur genächtigt: Johann Wolfgang von Goethe. Aber ein literarischer Rundgang darf ihn trotzdem nicht übergehen. Auf seiner Reise nach Italien machte er 1786 in Regensburg Station. Er besuchte auch das Kabinett von Jacob Schaeffer und eine Buchhandlung, in der er – obwohl inkognito unter einem Pseudonym reisend – zu seinem Ärger von einem Angestellten erkannt wurde. Details wie dieses machen den Rundgang lebendig, es soll nicht nur um Literaturwissenschaft gehen.

„Wir wollen eine gute Mischung anbieten“, sagt Reitberger. „Es soll etwas für die breite Öffentlichkeit sein und auch die eine oder andere Überraschung dabei sein.“ Auch sie hat nicht nur ihr literarisches Wissen erweitert, sondern auch praktische Literaturvermittlung in Kombination mit anspruchsvollen touristischen Angeboten gelernt. Ein mögliches Arbeitsfeld nach dem Studium.

Der Expressionist blickt auf die Stadt

Unter den Schwibbögen. Auch der Regensburger Schriftsteller Georg Britting gehört zu den erwartbaren Personen, die dem Besucher auf dem Rundgang begegnen. Als Universitätsprojekt braucht der literarische Rundgang natürlich auch seinen theoretischen Unterbau. In diesem Fall ist es das Konzept der „shared heritage“, ein gemeinsames kulturelles Gedächtnis der Gesellschaft. Professor Rohmer sagt dazu: „Der Gedanke dahinter ist, dass Erinnerungen lebendig erhalten werden, indem Leute über Orte sprechen.“ Der Rundgang soll ein Beitrag zum kulturellen Geschichtsbewusstsein der Stadt sein

An der schönen blauen Donau

Gareis-Insel. Für seinen im Jahr 1945 auf Englisch erschienenen Roman „The Blue Danube“ griff Ludwig Bemelmans auch auf seine Erlebnisse zurück, die er in den 1930er Jahren auf einer Reise in die Geburtsstadt seiner Mutter gemacht hatte. Der damals in New York lebende Schriftsteller schildert in diesem Roman das Alltagsleben in der Zeit des Nationalsozialismus.

Erst seit 2007 ist der Roman auch auf Deutsch unter dem Titel „An der schönen blauen Donau“ erhältlich. Der literarische Rundgang endet hier mit Blick auf die Steinerne Brücke und den naheliegenden Biergarten und schlägt so wieder den Bogen zu seinen touristischen Aspekten.

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