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Leichtathletik

Maren Kock muss weiter auf Norm warten

Die Regensburger Läuferin von der LG Telis Finanz kann den Heimvorteil bei der Sparkassen-Gala nicht nutzen.

Trotz der Tempoarbeit von Telis-Klubkollegin Corinna Harrer (Nummer 12) reichte es für Maren Kock (links) nicht zur Wunschzeit.
Trotz der Tempoarbeit von Telis-Klubkollegin Corinna Harrer (Nummer 12) reichte es für Maren Kock (links) nicht zur Wunschzeit. Foto: Brüssel

Regensburg.Zwei Meter hinter der Ziellinie plumpste Maren Kock entkräftet in den Rasen. Die 25-jährige Läuferin von der LG Telis Finanz, die sonst oft über 1500 Meter im Endspurt die Konkurrenz niedermacht, absolvierte die letzten Meter nur noch im Joggingschritt. In 4:13,72 Minuten verpasste Kock als Dritte trotz der perfekten Tempodienste ihrer Klubkollegin Corinna Harrer hinter der Polin Danuta Urbanik (4:08,25) und Denise Krebs aus Wattenscheid (4:09,21) die angestrebten Normenziele (4:09 Europameisterschaft, 4:07 Olympia) klar.

„Vielleicht war es am Anfang doch ein, zwei Sekunden zu schnell. Aber irgendwann mussten wir es mal so herum versuchen“, sagte Kock, die sich nun bis zur deutschen Meisterschaft in Kassel sammeln will, wo sie als Titelverteidigerin antritt. „Und danach bleiben auch noch zwei Wochen Zeit, um die Zeit zu laufen“, sucht sie die Entspannung, die Corinna Harrer schon gefunden hat, die noch vor Lebenspartner Florian Orth zum Trost zu Kock geeilt war, „Ich gehe auf alles oder nichts. Momentan brauche ich noch viel Training“, sagt Harrer, die 2012 bei Olympia in London dabei gewesen war und im Vorjahr durch eine Achillessehnenverletzung die Saison verpasst hatte.

Ein 200-Meter-Loch bei 800 Metern

„Vielleicht war es am Anfang doch ein, zwei Sekunden zu schnell. Aber irgendwann mussten wir es mal so herum versuchen.“

Maren Kock

„Bis 800 Meter habe ich mich ganz gut gefühlt“, sagte Kock. Telis-Teamchef Kurt Ring hatte von da an für die nächsten 200 Meter „ein Loch“ erkannt. Und dennoch: „Bei 1200 war es auch noch passend“, analysierte die Läuferin ihre Strecke. „Wenn du da 48 Sekunden draufläufst, dann wären wir bei einer 4:06 gewesen.“ Es blieb beim Konjunktiv, auch wenn Denise Krebs, die 21 Hundertstel an der EM-Norm vorbeischrammte, und Kock sich gegenseitig antrieben. „Gefühlt bin ich am Ende ins Ziel spaziert. Ich habe die Beine nicht mehr hochgekriegt.“

„Der Druck war sehr hoch“, hatte auch Kurt Ring gespürt. Maren Kock kämpfte mehr als sonst gegen die Nervosität. „Es war extrem. Ich habe meinen Herzschlag sehr genau gespürt und musste mir selbst gut zureden.“

„Willkommen auf den 5000 Metern“

Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass sich die (sportlichen) Umstände mit Lebenspartner Orth am vergangenen Wochenende gerade umgekehrt hatten. Lange sah es so aus, als käme Maren Kock besser in die Saison als Florian Orth, dann nutzte Orth im belgischen Ordegem im erst dritten 5000-Meter-Bahnrennen seiner Karriere die auch hier gesenkten Normansprüche und lief sich wohl nach Rio de Janeiro zu den Olympischen Spielen. „Willkommen bei den 5000 Metern“, sagte Telis-Teamchef und Meeting-Direktor im Ziel mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen.

Kommentar

Die Gala ist ein Denkmal

Es ist traurig. Exakt in dem Jahr, in dem Regensburg so stark wie selten, vielleicht nie erst auf der kontinentalen Bühne bei der Europameisterschaft in...

Florian Orth, dessen Plan es eigentlich gewesen war, die 5000 Meter bei der Europameisterschaft zu laufen und für Rio auch die Qualifikation auf seiner Spezialstrecke 1500 Meter zu schaffen, kann es noch nicht so ganz glauben und war zuletzt hin- und hergerissen – auch im für diese beiden Strecken doch unterschiedlichen Training. Einerseits weiß Orth, dass „in diesem Jahrzehnt überhaupt erst vier, fünf Leute meine Zeit gelaufen sind. Also warum sollten gerade jetzt noch zwei kommen.“ Andererseits sieht er sich noch nicht fix nominiert. „Flo, glaub mir, du bist durch“, beruhigte ihn Kurt Ring.

Orthsches Grübeln für die DM

Die neue Orthsche Konstellation wirft auch neue Fragen auf für die deutsche Meisterschaft: 5000 Meter oder doch 1500 Meter? „Eigentlich habe ich einen Titel zu verteidigen.“ Orth weiß es nicht. „Aber in meiner derzeitigen 1500er-Verfassung ist das vielleicht auch nicht so gut.“ In Regensburg war der Mittelstreckler, der auf dem Weg zum Langstreckler ist, entschuldigt für einen Auftritt, der „trotz knapper Saisonbestzeit vom eigenen Anspruch weit entfernt“ lag. Orth ging nach schwachem Start („Den habe ich verschlafen“), zwar als Führender in die Schlussrunde, zollte dort jedoch der Olympiaqualifikation Tribut, die erst eine Woche her war, und wurde bis auf Rang sechs (3:42,91) durchgereicht.

Am liebsten wäre ihm, wenn sich eine ihm sehr nahe stehende Mitfahrerin fünde. „Ich bin überzeugt, dass es Maren draufhat“, startet Florian Orth das Aufbauprogramm für seine Freundin. „Maren und ich, wir trainieren beide für die Olympischen Spiele. Wir greifen beide an und hoffen, dass es klappt“, formulierte auch Konkurrentin Denise Krebs die Hoffnung.

Corinna Harrer bleibt locker

So richtig locker aber gibt sich derzeit nur Corinna Harrer, die froh ist nicht mittendrin in der Normenhatz zu stecken. „Ich setze alles auf eine Karte und eine Last-Minute-Qualifikation.“ Vielleicht fährt das Telis-Quartett Harrer/Kock/Pflieger/Orth am Ende wieder gemeinsam – so wie schon einmal vor vier Jahren zur Europameisterschaft in Helsinki.

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