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Veranstaltungen

Marina-Forum: Kritik hält an

Die Auslastung ist schlecht, klagen einige. Die Chefin des Regensburger Hauses bestreitet das. Doch sie muss Preise senken.
Von Julia Ried

Das Foyer des Marina-Forums am ersten Tag der Eröffnungswoche im April: Damals konnten sich potenzielle Veranstalter umsehen. Foto:/Lex
Das Foyer des Marina-Forums am ersten Tag der Eröffnungswoche im April: Damals konnten sich potenzielle Veranstalter umsehen. Foto:/Lex

Regensburg.Seit Monaten hält die Kritik am Tagungs- und Veranstaltungshaus der Stadttochter Regensburg Tourismus GmbH (RTG) an. Lautstark verweisen Kritiker darauf, dass dort kaum öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Hinter vorgehaltener Hand wird selbst im Rathaus beklagt, dass die Auslastung zu schlecht sei. Potenzielle Kunden kritisieren, das Haus sei zu teuer. RTG-Chefin Sabine Thiele weist die Kritik rundweg zurück.

Achim Hubel, emeritierter Professor für Denkmalpflege und in der Bürgerinitiative „Kein RKK auf dem Kepler-Areal“ engagiert, interessiert sich vor allem für die Auslastung des großen Saals mit bis zu 750 Sitzplätzen – lasse die doch auch Rückschlüsse zu auf eine mögliche Auslastung eines künftigen Kultur- und Kongresszentrums mit größeren Räumen. Auf Nachfrage im Marina-Forum im Juli seien ihm nur drei öffentliche Veranstaltungen dort 2018 und Anfang 2019 genannt worden, beklagt er. Das sei viel zu wenig. „Nur für private Veranstaltungen kann doch die Stadt kein solches Veranstaltungszentrum bauen“, kritisiert er. Dass er sich überhaupt erkundigen musste, stößt ihm sauer auf. „Es gibt kein Kongresszentrum weit und breit, bei dem man nicht einsehen kann, was da stattfindet.“ Anfangs habe das Marina-Forum auf seiner Internetseite die Bürger über Termine auf dem Laufenden gehalten – die entsprechende Rubrik sei nun offenbar abgeschafft.

Für 100 Termine fest gebucht

Der Mittelbayerischen nannte Thiele nun Zahlen. Seit der Eröffnung im April bis Ende des Jahres sei das Marina-Forum für 100 Veranstaltungen fest gebucht worden. Unter den Buchungen seien 53 für den großen Saal, womit dieser 92 Belegungstage aufweist, und zwölf öffentliche Termine. Sie gehe davon aus, dass sich die Zahl von 100 bis zum Ende des Jahres auf 120 bis 130 erhöht. In ihrer Mail schreibt sie: „Die Aussage, das Marina-Forum ist schlecht ausgelastet, ist falsch.“ Richtig sei, dass es wenige Veranstaltungen für die Öffentlichkeit gebe. Darauf liege aber auch nicht der Hauptfokus ihres Hauses. „Es ist hauptsächlich für Tagungen und Kongresse gebaut worden und Tagungen und Kongresse finden hauptsächlich statt.“ Ein starker Wirtschafts- und Wissenschaftstandort komme auch direkt dem Bürger zugute. Insgesamt sei sie „für das erste Jahr sehr zufrieden“. Zur Zielvorgabe, auf der auch die Berechnung des erwarteten Defizits – 500 000 Euro für das Jahr 2018 – basiert, erläutert sie: „Wir haben damals für das Marina-Forum 184 Veranstaltungstage in einem ,normalen‘ Veranstaltungsjahr zugrundegelegt.“ Das sei der Durchschnittswert für Deutschland aus dem Jahr 2012. „Da wir erst im April eröffnet haben, war es kein normales Veranstaltungsjahr.“ Rechnet man die Zahl 100 hoch auf das ganze Jahr, kommt man auf 133 Veranstaltungen; zum Teil sind die Termine mehrtägig.

Einen 360-Grad-Blick in die erste Etage erhalten Sie hier:

Das Marina-Forum - Spherical Image - RICOH THETA

Dass der Betrieb nach der verspäteten Eröffnung im April eher zäh anlief, räumte Thiele im Frühjahr selbst ein. Doch einige potenzielle Kunden hat das Haus auch danach vergrault.

Hier erhalten Sie Einblicke in das Marina-Forum, die wir kurz vor der Eröffnung festgehalten haben.

Aus zwei Schulen auf der Suche nach einem Saal für die Abifeier hörte die Mittelbayerische, dass die Organisatoren abgeschreckt waren von den Preisen. Knapp 5000 Euro hätte die RTG nach Angaben einer angehenden Regensburger Abiturientin verlangt – ohne Catering. Die Schüler feiern ihr Abi 2019 nun in einer Gaststätte – für 20 Euro pro Menü.

Kritik: Teuer und unflexibel

Ein Verbandsvertreter, der regelmäßig Veranstaltungen organisiert, entschied sich nach seiner Anfrage ebenfalls gegen das Haus der Stadttochter. Es sei im Vergleich mit Mitbewerbern deutlich teurer, dazu sei die Zusammenarbeit kompliziert und unflexibel. Zur Miete kämen diverse Provisionen für die Partner des Tagungszentrums, nicht nur für Essen und Getränke, sondern auch für Tische und Stühle. „Es war so, dass man gesagt hat, das rentiert sich hinten und vorne nicht.“

Ein 360-Grad-Foto der ersten Etage sehen Sie hier:

Das Foyer des Marina-Forums - Spherical Image - RICOH THETA

Thiele entgegnet: Das Nutzungsentgelt orientiere sich am Markt. Das Haus sei eine „nagelneue, moderne Location“, nach Nachhaltigkeitsaspekten ausgestattet. „Es ist damit völlig begründbar, dass das Marina-Forum nicht so günstig zu mieten ist wie andere, in die Jahre gekommene Veranstaltungsorte.“

Einen Videokommentar von Mittelbayerische-Redakteurin Julia Ried sehen Sie hier.

Von der örtlichen Wirtschaft sei diesbezüglich noch keine Kritik bei ihr angekommen – und überhaupt sei die „Gesamtzufriedenheit“ der Kunden hoch. Dennoch muss sie Preise senken: Der Aufsichtsrat änderte in seiner jüngsten Sitzung die Preisliste für öffentliche Veranstaltungen. Diese können ab 1. Oktober günstiger angeboten werden. Das jeweilige Entgelt werde sich am Preis für das Ticket orientieren, sagt Thiele – konkrete Beispiele könne sie noch nicht nennen.

Was den von Hubel gewünschten öffentlichen Veranstaltungskalender angeht, kündigt Thiele an: „Nach der Sommerpause prüfen wir, wie wir das verbessern können. Allerdings gilt auch für die RTG das Datenschutzgesetz, wir können nicht so ohne Weiteres unsere Kunden ,veröffentlichen‘.“

Marina-Forum: Mehr Transparenz ist Pflicht

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