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Soziales

Mehr Jobs für Regensburger Asylbewerber

Sie helfen bei Regensburger Einrichtungen, doch die Nachfrage übersteigt das Angebot. So sucht Veda Erös nun neue Jobs.
Von Martina Groh-Schad

Asylbewerber helfen in der Seniorenbegegnungsstätte „Gustav-Adolf-Wiener-Haus“ der Leiterin Stephanie Schreiner (links) bei der Betreuung.  Foto: MGS
Asylbewerber helfen in der Seniorenbegegnungsstätte „Gustav-Adolf-Wiener-Haus“ der Leiterin Stephanie Schreiner (links) bei der Betreuung. Foto: MGS

Regensburg.Monika Huber, Leiterin der Sozialen Dienste der Diakonie, hat einen persönlichen Feind: Es ist der Efeu, der im Garten der Seniorenbegegnungsstätte des Gustav-Adolf-Wiener-Hauses wuchert und ihn für die rund 100 Senioren lange unbrauchbar machte. Keiner hatte Zeit, sich darum zu kümmern. Bis Herr Awil kam. Ahmed Hussen Awil aus Somalia ist seit Juli 2018 Asylbewerber in Deutschland. Er ist etwa 1,85 Meter groß und lacht viel. Seit einigen Monaten hilft er bei der Diakonie.

Mit ganz anderen – richtigen – Feinden kennt sich Herr Awil auch aus. „In Somalia gibt es Terroristen“, erzählt er den Seniorinnen im Treff, die sich zum Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Spielen verabredet haben. Alle lauschen seinem Bericht. „Sie wollten, dass ich bei ihnen mitmache.“ Aber Herr Awil wollte nicht kämpfen. Daher musste er gehen. Fliehen, aber das mag nicht jeder in Deutschland hören. In Regensburg kämpft er nun erfolgreich gegen den Efeu.

Kampf gegen Langeweile

Oft auch gegen die Langeweile, wenn er in seine Unterkunft sitzt und nichts tun darf. Noch öfters gegen die Gedanken, die ihm so kommen, wenn er einfach nur da sitzt.

Über die Arbeitsgelegenheit bei der Diakonie, die sich ihm bot, war er froh. „Rauskommen aus dem Camp“, sagt er. Das Camp ist für die Asylbewerber das Ankerzentrum. Irgendwas tun da draußen. „Wir dachten, er braucht zwei Wochen, um den Weg frei zu legen, damit die Senioren im Garten spazieren gehen können“, sagt Huber. Hussen Awil brauchte einen Vormittag.

Für 80 Cent in der Stunde hackte er den Efeu entzwei und plant nun, den Garten neu anzulegen, damit die Senioren im nächsten Jahr draußen Kaffee trinken können. Seit ein paar Tagen hat er Unterstützung. Zwei junge Männer aus Äthiopien haben ihren Dienst angetreten und helfen 20 Stunden in der Woche mit. Gemeinsam spielen, die Kurse vorbereiten, Kaffee kochen, den Senioren beim Treppensteigen helfen und alles, was so anfällt. Die Reaktionen von den Senioren sind positiv. „Wir finden das toll“, sagt Helga Schunda. „Man erfährt etwas übereinander.“

Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber

  • Jobs:

    Etwa 520 Asylbewerber im Ankerzentrum und den Anschlussunterbringungen sind im Bereich der Regierung der Oberpfalz in Arbeitsgelegenheiten tätig. Sie helfen in der Küche, der Kleiderkammer, als Übersetzer beim Arzt und als Hausmeister.

  • Tätigkeiten:

    Seit einigen Monaten versucht die Regierung verstärkt, Arbeitsgelegenheiten bei kommunalen und sozialen Einrichtungen zu finden. Asylbewerber arbeiten für das Stadtgartenamt und sammeln im Ostpark, im Villapark, am Grieser Spitz und in der Burgunderstraße Müll.

  • Diakonie:

    Hier helfen Asylbewerber in der Seniorenbetreuung. Sie spielen mit den Senioren, reichen Getränke, helfen im Garten und beim Treppensteigen. Weiteres Einsatzfeld ist ein Mittagstreff für Senioren in der Kirchengemeinde St. Markus.

  • Suche:

    Da es aktuell viel mehr Asylbewerber gibt, die arbeiten wollen, als Arbeitsgelegenheiten, ist Ombudsfrau Veda Erös auf der Suche nach weiteren Einsatzgebieten. Pro Stunde erhalten die Asylbewerber 80 Cent. Maximal 20 Stunden pro Woche dürfen sie arbeiten.

Veda Erös, Ombudsfrau bei der Regierung der Oberpfalz und zuständig für die Organisation der Arbeitsgelegenheiten, lächelt, wenn sie die Senioren von den Asylbewerbern schwärmen hört. Rund 150 Arbeitsgelegenheiten bietet die Bezirksregierung an. 370 weitere Stellen sind im Umland entstanden. Die meisten von ihnen sind innerhalb der Einrichtungen für Asylbewerber tätig und arbeiten dort in der Küche, als Übersetzer, im Hausmeisterdienst und in der Kleiderkammer.

Seit einigen Monaten versucht die Regierung unter der Federführung von Erös vermehrt außerhalb des Ankerzentrums Arbeitsgelegenheiten zu finden. „Wir wollen, dass die Leute sichtbar werden“, sagt sie. „Wir haben mehr Anfragen von Asylbewerbern als Jobs, die wir vergeben können. Die Leute brennen darauf, etwas zu tun.“

Es ist noch nicht mal sechs Uhr am Morgen, als John Thompson und Amachi Okide bepackt mit Greifzangen und Mülltüten vom Ankerzentrum in Richtung Ostpark losziehen. Die beiden Asylbewerber aus Nigeria unterstützen das Stadtgartenamt und sammeln den Müll ein. In der Burgunderstraße sind derweil Abdulfeta Nuri und Ali Vebre aus Äthiopien unterwegs. Der Asylantrag von Ali Vebre wurde kürzlich abgelehnt. Er hofft auf seinen Widerspruch vor dem Verwaltungsgericht. Warum sammelt er trotzdem Müll in dem Land, das ihn nicht haben will? „Ich muss etwas zu tun haben“, sagt er. „Das hält man sonst nicht aus.“

16 Euro für 20 Stunden

Auch am Grieser Spitz und im Villapark sind Asylbewerber am Werk. Maximal 20 Stunden in der Woche dürfen sie im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit leisten, sieht es das Asylbewerbergesetz vor. Das macht ein finanzielles Zubrot von 16 Euro in der Woche. Das ist viel, wenn man im Monat nur 100 Euro erhält.

Den Asylbewerbern geht es nicht ums Geld. „Wichtig ist vielen, dass sie etwas zurückgeben können von der Hilfe, die sie in Regensburg erfahren“, sagt Erös. „Ich will nicht die ganze Zeit nur in meinem Zimmer sitzen und schlafen“, betont Ali Vebre. Die Arbeitsgelegenheit schafft Tagesstruktur. Es zerstreut die Gedanken, lässt Sorgen vergessen.

Das Stadtgartenamt lobt die Asylbewerber. „Die Mithilfe bringt uns viel“, sagt Heike Ismer. Die Zusammenarbeit sei unkompliziert. Die Asylbewerber sammeln den Müll ein und bringen die Tüten zu vereinbarten Abholstellen, wo die Städtischen Mitarbeiter das Sammelgut übernehmen.

Ein großer Gewinn für die Stadt, die so gerade in Urlaubs- und Krankheitszeiten Unterstützung erhält, aber auch insgesamt dadurch mehr Zeit für die Pflege der städtischen Grünanlagen hat, sagt sie. Der Efeu wächst überall weiter. Die Feinde sowieso.

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