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Verkehr

Mehr Kontrollen statt Geisterräder

Der ADFC musste das weiße Fahrrad von der DEZ-Kreuzung entfernen. Stadt und Polizei planen andere Aktionen.
von Tim Guggenberger

Auf Anordnung der Stadtverwaltung hat der ADFC das Regensburger Ghostbike wieder abgebaut. Foto: Guggenberger
Auf Anordnung der Stadtverwaltung hat der ADFC das Regensburger Ghostbike wieder abgebaut. Foto: Guggenberger

Regensburg.Nachdem sich im Herbst ein tödlicher Fahrradunfall an der DEZ-Kreuzung ereignet hat, platzierte der ADFC Regensburg dort ein weißes Geisterrad. Es sollte helfen, Verkehrsteilnehmer für Gefahren zu sensibilisieren. Seit Mittwochabend ist das Mahnmal jedoch wieder verschwunden. Der ADFC hat es abgebaut – auf Anweisung der Stadtverwaltung.Diese hatte vor allem befürchtet, dass das Rad die Aufmerksamkeit der Autofahrer vom Verkehrsgeschehen wegzieht und auf sich lenkt.

Diese Befürchtung teilen auch die Beamten der Polizeiinspektion Nord. „Wir sehen die Aktion als sehr kritisch“, erklärt Inspektionsleiter Ludwig Stegerer. „Das Fahrrad steht unübersehbar in der Mitte der beiden Fahrspuren. Daran ist auch ein Schild befestigt. Vorbeifahrende Personen schauen selbstverständlich darauf und wollen es lesen.“ Die Polizeiinspektion will vermeiden, dass dort durch die Ablenkung weitere Unfälle passieren. „Es gibt andere Wege, sowohl Radler als auch Autofahrer für die Gefahr zu sensibilisieren.“

Die Ghostbikes

  • Die Idee:

    Ursprünglich stammt die Aktion aus den USA, wo die weiß lackierten Fahrräder als Geisterräder bekannt sind. Sie werden an Straßenlaternen, Schildern oder Bäumen in der Nähe von Stellen befestigt, an denen Fahrradfahrer verunglückt sind. Sie sollen einerseits eine Erinnerung an die Verstorbenen, andererseits auch ein Mahnmal sein, besonders achtsam zu fahren.

  • Weltweit:

    Mittlerweile hat sich die Idee auch international verbreitet. Es gibt bereits mehrere hundert Mahnmale in zahlreichen Städten. Auch in Berlin, Köln, Hamburg oder Osnabrück werden die weißen Geisterräder seit einigen Jahren befestigt. In München hat der ADFC sieben der Fahrräder platziert.

Anstatt für Ghostbikes spricht sich die Polizei beispielsweise für Lkw-Abbiegeassistenten aus. Außerdem möchte sie an der DEZ-Kreuzung verstärkt Kontrollen durchführen. Auch Dr. Patrick Veit vom Amt für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr schließt sich der Einschätzung der Polizei an. Die Stadt setze statt auf Geisterräder auf die Aktion „Augenblick bitte“, die mit Schildern und Plakaten daran erinnert, im Straßenverkehr achtsam zu sein. „Wir planen jetzt, diese Aktion weiter auszubauen“, versichert der Amtsleiter.

„Ich bin enttäuscht.“

Dr. Klaus Wörle, ADFC

Bei den Mitgliedern des ADFC stößt die Entscheidung der Stadt auf Unverständnis. „Ich bin enttäuscht“, sagt Dr. Klaus Wörle. Der ADFC-Vorsitzende bewertet das Argument der Stadt als äußerst schwach. „Sehen sie nur die vielen Werbeplakate, Reklamen und Schriftzüge. Sie werden gezielt angebracht, um von Vorbeifahrenden gelesen zu werden.“ Auch digitale Reklameanzeigen oder Wahlwerbung fordern die Aufmerksamkeit. Für Wörle stellen diese Schilder eine wesentlich größere Gefahr da. Seiner Meinung nach sei die Mahnung, rücksichtsvoll zu fahren, an Kreuzungen wie der am DEZ sehr wichtig. Durch die stark abgerundeten Kurven dort könnten die Autos schneller abbiegen, Fehler würden leichter passieren. „Das Kreuzungsdesign optimiert den Kfz-Durchsatz – auf Kosten der Sicherheit“, kritisiert Wörle.

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