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Ausstellung

Melodienwunder im Naturkundemuseum

Auf der „Liedtreppe“ von Hans Georg Nägelsbach und Klaus Wenk erzeugt seine Holzkugel das „Innsbruck-Lied“.
Von Flora Jädicke, MZ

Sänger Klaus Wenk (links) und Holzgestalter Hans Georg Nägelsbach sind die Väter der „Liedtreppe“.
Sänger Klaus Wenk (links) und Holzgestalter Hans Georg Nägelsbach sind die Väter der „Liedtreppe“. Foto: Jädicke

Regensburg.„Innsbruck, ich muss dich lassen....“ Diese wehe Abschiedsklage Kaiser Maximilians I. aus Heinrich Isaacs berühmten „Innsbruck-Lied“ sollte ein neues „Klanggewand“ bekommen. Ein ungewöhnliches zudem, wünschte sich der Sänger und Initiator der Stimmwerktage auf dem Adlersberg für das Jubiläumsfestival im August. Inzwischen ist das außergewöhnliche Instrument, das zu den sogenannten Idiophonen, den selbstklingenden Klangkörpern gehört im Naturkunde-Museum zu sehen.

Über 60 fein aufeinander abgestimmte Klangstäbe aus Fichtenholz rollt eine Holzkugel und erzeugt auf ihrem gut neun Meter langen Weg abwärts exakt die Tonfolge der Melodie. Der musikalische Bogen des Liedes und die Pausen hat Holzgestalter Hans-Georg Nägelsbach so gestaltet, wie sie auch ein Sänger anlegen würde. Am Ende jeder Etage verlangsamt eine kleine Anhebung den Lauf der Kugel. Bliebe das Gefälle gleich, würde sie unter den Kräften der Schwerkraft beschleunigen. „Das kurze Zögern der Kugel, bevor sie auf die nächst tiefere Ebene fällt, entspricht in etwa dem Luftholen eines Sängers“, erklärt der Musiker und Ideengeber Klaus Wenk. Über sieben Etagen und im Zickzack-Kurs sucht sich die Kugel in einer leicht angedeuteten Laufrinne ihren musikalischen Weg. Tonwert und Klang des Instrumentes hat Nägelsbach durch die Länge der Klanghölzchen festgelegt. Die Feinstimmung regelte er über Breite und Tiefe einer Mulde auf der Rückseite der Hölzer. Die gesamte Liedtreppe ist in einen Holzrahmen integriert. „Dieses Instrument muss man mit der Wasserwaage aufstellen“, sagt Nägelsbach. Jede Unebenheit kann den Lauf der Kugel beeinflussen und damit das Klangergebnis.

„Auch Luftfeuchtigkeit- und Temperatur spielen eine wesentliche Rolle“, berichtet Museumsdirektor Dr. Hansjörg Wunderer. In den vergangenen Tagen war die Kugel mehrfach aus der Bahn gehüpft oder nicht bis zum Ende ausgerollt, weil sich die Hölzchen zusammengezogen oder ausgedehnt hatten. Ist alles genau justiert dann folgt die Kugel ihrem Weg und entlockt, abwärts hüpfend der Klangtreppe die Melodie zu Kaiser Maximilian Text „..ich far dohin mein straßen, in fremde Land dohin...“. Ein warmer Klang erfüllt den klassizistischen Saal des Naturkundemuseums.

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