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Regensburg
Sonntag, 23. September 2018 24° 7

Schadstoff

Messstelle sorgt für dicke Luft

Die Stadt Regensburg, ein Arzt und der Bund Naturschutz wollen eine weitere Station für Stickoxid. Das Landesamt winkt ab.
Von Heike Haala

Hier wird die Stickoxidbelastung der Regensburger Luft gemessen. Eine unpassende Stelle, findet der BN. Foto: Lex
Hier wird die Stickoxidbelastung der Regensburger Luft gemessen. Eine unpassende Stelle, findet der BN. Foto: Lex

Regensburg.Regensburger, die ihrem Wunsch nach besserer Luft in ihrer Heimatstadt Ausdruck verleihen wollen, können das auch auf der Homepage www.openpetition.de tun. Das Thema bewegt die Menschen: 782 haben diese Petition seit März unterzeichnet. Sie fordern damit von der Stadtspitze, der Verwaltung und vom Stadtrat etwa eine neue Brennstoffverordnung, eine rasche Verkehrswende und die Ausweitung der Umweltzone. Jetzt verleiht der Bund Naturschutz (BN) mit der Forderung nach einer weiteren Messstelle für Stickoxide diesem Wunsch nach einer besseren Luft neuen Ausdruck.

Prof. Michael Pfeifer ist Lungenexperte. Foto: Hueber-Lutz
Prof. Michael Pfeifer ist Lungenexperte. Foto: Hueber-Lutz

Der Grund: Stickoxide gelten als Reizgas. Prof. Michael Pfeifer, Chefarzt der Pneumologie in der Klinik Donaustauf, sagt, dass es zu entzündlichen Veränderungen der Atemwege führen kann, wenn eine entsprechende Dosis über viele Jahre auf die Betroffenen einwirkt. Weiterhin steige das Risiko für Herzkreislauf- oder Atemwegserkrankungen sowie Lungenkrebs bei Menschen an, die nahe belasteter Straßen wohnen. Weiterhin sind Stickoxide für den Lungenexperten ein Indiz für die Feinstaubbelastung der Luft. Wo die Stickoxidwerte hoch sind, gebe es in der Regel auch viel gefährlichen Feinstaub in der Luft. Schon deswegen hält er es für durchaus für sinnvoll, dass die festgelegten Grenzwerte eingehalten werden.

Messungen

  • Aktion:

    Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) rief im Rahmen ihrer Aktion „Abgasalarm“ deutschlandweit ehrenamtliche Bürger dazu auf, Schadstoffe in der Luft zu messen. Der Regensburger Bund Naturschutz (BN) beteiligte sich an dieser Aktion.

  • Bund Naturschutz:

    Der Regensburger Bund Naturschutz baute eine Messstation für Stickoxid im Bereich der Landshuter Straße zwischen Pestalozzi-Grundschule und St.-Josef-Krankenhaus auf. Dort wurde das Stickoxid gemessen.

  • Ergebnis:

    Der Mittelwert im Juni dieses Jahres an dieser Stelle betrug laut BN 36 µg/m3. Das Bundesumweltamt bezeichnet allerdings schon die dauerhafte durchschnittliche Belastung mit einem Wert ab 20 µg/m3 als schwierig.

Aktuell wird die Stickoxidbelastung in Regensburg ausschließlich an der Messstation in der D.-Martin-Luther-Straße gemessen. Im Jahresmittel werden die Grenzwerte regelmäßig gerissen. Der über ein Kalenderjahr gemittelte Emissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid beträgt 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft, gibt Dagmar Obermeier-Kundel, Pressesprecherin der Stadt, Auskunft. Der an der Messstation gemessene Wert habe im Jahr 2014 bei 38, 2015 bei 41, 2016 bei 42 und 2017 bei 41 gelegen. Alleine in den vergangenen drei Tagen lag der Stundenmittelwert zwei Mal in einem Bereich, den das Landesamt für Umweltschutz in Füssen als „ausreichend“ einstuft: Am Dienstag zwischen 19 und 20 Uhr bei über 100 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft und am Montag zwischen 19 und 21 Uhr sogar bei über 120. Das entspricht der Note Vier auf einer Notenskala von Eins bis Sechs.

So baut man einen Schadstoffsensor selbst.

Bund Naturschutz alarmiert

Dabei werde eine stark verkehrsbelastete Straße in Regensburg noch gar nicht gemessen, klagt BN-Geschäftsführerin Tina Dorner in einer Pressemitteilung. Sie ist auch deswegen alarmiert, weil die Luft schon an dieser Messstelle vom zuständigen Landesamt für Umwelt an vielen Tagen mit „befriedigend“ und an einigen sogar lediglich mit „ausreichend“ oder „schlecht“ bewertet würde.

Als weiteres Argument für eine zweite Messstation führt sie ins Feld, dass sogar das kleinere Würzburg über zwei Messstellen verfügt – allerdings wird dort laut Umweltamt lediglich an einer Station auch die Stickoxid-Belastung gemessen.

Hier sehen Sie ein Video über die Aktion der Umwelthilfe

Umwelthilfe will Stickoxid-Belastung mit Messungen

Beim Landesamt für Umwelt – diese Stelle ist für die Standortauswahl und die Installation dieser Messstellen zuständig – biss der BN mit dieser Forderung bereits mehrmals auf Granit. Ein Sprecher des Landesamts begründet diese Absage mit drei Argumenten. Für das Landesamt zählt Regensburg nicht als Ballungsraum wie etwa München oder Nürnberg, sondern zum Regierungsbezirk Oberpfalz. Und in diesem Gebiet gebe es bereits die erforderlichen fünf Messstationen. Zudem gehe es dem Landesamt um den Erhalt von langjährigen Messzeitreihen zur Beurteilung der Schadstoffentwicklung über lange Zeiträume. Der sei mit dem momentanen Standort nach dessen Verlegung im Jahr 2015 vom Schwanenplatz aus gegeben.

Messtationen sollen überprüft werden.

Weiterhin erfülle der Stadtort an der D.-Martin-Luther-Straße seinen Zweck, weil er die höchste Schadstoffbelastung abdecke, der die Bevölkerung direkt oder indirekt ausgesetzt sei. Dicht bebaute Innenstadtstraßen wiesen normalerweise eine höhere Schadstoffbelastung auf als etwa Autobahnen außerhalb von Ortschaften, da die Luftschadstoffe an solchen Standorten aufgrund der umgebenden Bebauung schlechter abtransportiert werden können.

Ein Korb für die Stadt

Der Bund Naturschutz ist nicht die einzige Institution, die sich mit dem Wunsch nach einer weiteren Messstation bereits eine Absage aus Ausgburg geholt hat. Auch die Stadt hat nach eigenen Angaben schon eine kassiert. So schreibt Pressesprecherin Obermeier-Kundel: „Im Rahmen der Einführung der Umweltzone hat die Stadt Regensburg gemeinsam mit der Regierung der Oberpfalz wegen einer weiteren Messstelle nachgefragt. Diese Nachfrage wurde negativ beantwortet.“

Stadt und Bund Naturschutz stehen mit dem Wunsch nach einer weiteren Messstation für Stickoxid in Regensburg aber nicht alleine da. Auch Prof. Pfeifer von der Klinik Donaustauf sagt, dass die Größe der Stadt durchaus einen Grund für eine weitere Messstation liefere.

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