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Diskussion

„Mia san wer“, Herr Söder?

Selbstbewusst, eigen, widerspenstig – so wird der Bayer dargestellt. Ein Regensburger Gespräch mit dem Ministerpräsidenten.
Von Manfred Sauerer und Jana Wolf

Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, diskutiert bei den Regensburger Gesprächen über das „Mia san mia“. Foto: Peter Kneffel/dpa
Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, diskutiert bei den Regensburger Gesprächen über das „Mia san mia“. Foto: Peter Kneffel/dpa

Regenburg.Die Bayern sind Meister darin, Dinge auf den Punkt zu bringen. Böse Zungen behaupten auch, sie seien Meister der Schlichtheit. Denn, mal Hand aufs Herz, mehr als eine simple Wahrheit ist das bayerische Lieblingsmotto „Mia san mia“ beileibe nicht. Und sie lässt sich variieren: Schuhplattler is‘ Schuhplattler. Dult is’ Dult. Dirndl san Dirndl. Kurzum: Das Bayern-Motto strotzt nicht nur vor Selbstbewusstsein, sondern auch vor Banalität. Aber Obacht! Wer allzu leichtfertig über den Freistaat frotzelt, der verkennt, dass „Mia san mia“ tiefer rührt. Es ist Ausdruck von Eigenständigkeit, selbsterklärter Einzigartigkeit und soll zugleich Ehrfurcht einflößen. So einfach ist die bayerische Identität eben doch nicht zu durchschauen.

Was bedeutet es heute, ein Bayer zu sein? Braucht es dazu Dult, Dirndl und Lederhose? Wie hat sich dieses Selbstverständnis historisch entwickelt? Und welche Zu- und Abneigungen löst der Freistaat jenseits des Weißwurstäquators aus? In einer Zeit, in der Landesvater Markus Söder als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt wird, lohnt es sich, das „Mia san mia“ kritisch zu hinterfragen. „Mia san wer?“ lautet deshalb der Titel des anstehenden Regensburger Gesprächs.

10. Auflage der Regensburger Gespräche

  • Die Diskussion:

    „Mia san wer?“ – diese Frage stellen die Regensburger Gespräche in ihrer zehnten Auflage. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder und die TV-Journalistin Caro Matzko werden sich der Diskussion stellen. Manfred Sauerer, Chefredakteur der Mittelbayerischen Zeitung, wird das Gespräch moderieren.

  • Ort, Zeit und Tickets:

    Die Veranstaltung wird am Dienstag, 31. März, im Velodrom, der größten Spielstätte des Theaters Regensburg, stattfinden. Die Veranstaltung beginnt bereits um 17.30 Uhr, um nicht mit dem Fußball-Länderspiel Deutschland – Italien zu kollidieren. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Einlasstickets können ab jetzt an der Theaterkasse abgeholt werden.

Söder kommt, aber Matzko auch!

Die Diskussionsreihe, die die Mittelbayerische Zeitung in Kooperation mit dem Theater Regensburg veranstaltet, hat sich als fester Bestandteil in der Regensburger Debattenkultur etabliert. In ihrer zehnten Auflage wird sich Markus Söder, der gebürtiger Mittelfranke und qua Amt der Ober-Bayer ist, der Frage nach Kern und Kritik bayerischer Identität stellen.

Mitdiskutieren – und sicherlich auch sticheln – wird die Journalistin und Moderatorin Caro Matzko. Foto: Gerald von Foris
Mitdiskutieren – und sicherlich auch sticheln – wird die Journalistin und Moderatorin Caro Matzko. Foto: Gerald von Foris

Mitdiskutieren – und hoffentlich auch sticheln – wird die Journalistin und Moderatorin Caro Matzko. Sie ist als Partnerin des Kabarettisten Hannes Ringlstetter in dessen TV-Sendung bekannt. Geboren im württembergischen Ulm bringt Matzko eine grenzüberschreitende Perspektive mit. Manfred Sauerer, Chefredakteur der Mittelbayerischen, wird zwischen Söder und Matzko moderieren.

Debatte

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Söders Vorgänger Horst Seehofer sagte der Mittelbayerischen einmal: „Zum Start meiner Regierungszeit war Bayern die Vorstufe zum Paradies. Und bei der Verabschiedung konnte ich sagen: Bayern ist das Paradies.“ Dem heutigen Amtsinhaber wird die Einschätzung sicherlich gefallen, dass er das Paradies regiert. Immerhin lässt Söder selbst keine Gelegenheit aus, zu betonen, dass Bayern sein Traumort sei. So begründet er auch, warum er nicht für die Kanzlerschaft kandidieren wolle. „Mia san mia“ lässt sich frei nach Söder also übersetzen in „Ich bleib‘ hier“.

Das Motto des FC Bayern

„Mia das mia“ ist das Vereinslogo des FC Bayern München. Doch der Spruch weist weit über den Sport hinaus und verrät viel über die bayerische Seele. Foto: Peter Kneffel/dpa
„Mia das mia“ ist das Vereinslogo des FC Bayern München. Doch der Spruch weist weit über den Sport hinaus und verrät viel über die bayerische Seele. Foto: Peter Kneffel/dpa

Auch im Sport hat das „Mia san mia“ seine Bestimmung gefunden. Der FC Bayern München, einer der erfolgreichsten Fußballclubs der Welt, hat den Spruch zum Vereinsmotto erhoben. Seine weltweit eingekauften Spieler werden in einem Bus transportiert, auf dem das Motto groß prangt. Eine TV-Dokumentation über die Erfolgsgeschichte des FC Bayern trägt sogar den Titel „Das ‚Mia san mia‘-Phänomen“.

Zur Ironie der Geschichte gehört, dass der Bayern-Spruch ausgerechnet ins Österreichische wurzelt. Er soll auf eine Losung der gemeinsamen Armee der österreichisch-ungarischen Monarchie, der K.-u.-k.-Armee, unter Kaiser Franz Joseph zurückgehen. Wie genau das „Mia san mia“ seinen Weg nach Bayern fand, ist schwer nachzuverfolgen, ebenso wie die Frage, wie das bajuwarische Selbstbewusstsein zu heutiger Größe anwachsen konnte. Schließlich war der wirtschaftlich kraftstrotzende Freistaat lange ein Territorium der Bauern und Handwerker. Die Entwicklungen und Widersprüche der bayerischen Seele wird das anstehende Regensburger Gespräch ausloten.

Meinung

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