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Prozesse

Milde Strafe für den Polizisten-Prügler

Den Vorwurf der versuchten Tötung lässt ein Regensburger Gericht im Prozess gegen einen 17-jährigen Afghanen fallen.
Von Wolfgang Ziegler

Tatort Arcaden: Hier wurden die Polizisten niedergeschlagen. Foto: Lex
Tatort Arcaden: Hier wurden die Polizisten niedergeschlagen. Foto: Lex

Regensburg.Der 17-jährige Flüchtling aus Afghanistan, der am 13. Januar vergangenen Jahres, einem Samstag, vor den Arcaden mehrfach auf den Kopf eines auf dem Boden liegenden Polizisten eintrat, ist vorerst mit einem blauen Auge davongekommen. Wie erst jetzt bekannt wurde, verurteilte ihn die Jugendkammer des Landgerichts Regensburg bereits am 22. November in nicht-öffentlicher Sitzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Der Prozess gegen seinen Komplizen steht noch aus.

Wie der Sprecher des Landgerichts, Richter Thomas Polnik, auf Anfrage bestätigte, erging das Urteil wegen „gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte“. Angeklagt hatte die Staatsanwaltschaft ursprünglich versuchten Totschlag. Diesen massiven Vorwurf hatte das Gericht nach der Beweisaufnahme fallen gelassen.

Die Polizisten hatten an jenem Samstag gegen 21 Uhr vor den Arcaden drei Jugendliche kontrolliert, wogegen eine Gruppe von etwa 15 Personen lautstark protestierte und versuchte, die Kontrolle zu stören. Dann zog diese Gruppe grölend und schreiend weiter in Richtung Innenstadt und war dabei so auffällig, dass die beiden Polizeibeamten auch ihre Personalien überprüfen wollten. Das ließen einige Jugendliche nicht zu. Laut Polizei kam es schließlich zu einem Handgemenge, bei dem ein 17-jähriger Afghane einen Polizisten gegen den Körper trat, der durch diesen Tritt stürzte. Der Hauptaggressor, ein ebenfalls 17-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan, trat daraufhin mehrfach gegen den Kopf des auf dem Boden liegenden Polizisten. Der 26-jährige Beamte erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Schädelprellung sowie eine Platzwunde. Er musste stationär in einem Krankenhaus behandelt werden, das er erst zwei Tage später verlassen konnte.

Nachdem der Antrag der beiden Afghanen auf Asyl vom BAMF abgelehnt worden war, haben die Flüchtlinge Berufung zum Verwaltungsgericht Regensburg eingelegt, das ihre Anerkennung ebenfalls negativ verbeschied. Seit Mitte vergangenen Jahres läuft nun ein neuerlicher Antrag der Männer beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, über den noch nicht entschieden ist. Bis dahin können sie nicht in ihre Heimat abgeschoben werden.

Die beiden Täter stehen bei der Zentralen Ausländerbehörde der Regierung der Oberpfalz allerdings im Fokus, wie Sprecher Markus Roth unserer Zeitung sagte. Nach seinen Worten sollen sie priorisiert abgeschoben werden, wenn in beiden Fällen das Asylverfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. „Wir bereiten die notwendigen Schritte für die Abschiebung jedoch schon vor“, so Roth.

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