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Serie

Mit dem Rollstuhl durch die Altstadt

„Sag’s-einfach-Reporter“ ohne Körperbehinderung erkundeten die Stadt aus der Rolli-Perspektive. Sie erzählen, wie es war.
Sandra Zimmermann und

  • Die „sag’s-einfach-Reporter“ machten einen Altstadtbummel mit ihren Rollstühlen. Foto: altrofoto.de
  • Wer in Regensburg mit dem Rollstuhl unterwegs ist, stößt bisweilen auch auf Hindernisse. Foto: altrofoto.de
  • Hindernistest: Sags einfach-Reporter mit Rollstuhl in der Regensburg Altstadt. Foto: altrofoto.de
  • Hindernistest Sags einfach-Reporter mit Rollstuhl Regensburg Altstadt Foto: altrofoto.de

Regensburg.Vor Kurzem hat das „Sag’s-einfach-Reporterteam“ einen Ausflug durch Regensburg gemacht. Wir, zwei Reporterinnen ohne Körperbehinderung, wollten mal ausprobieren: Wie ist es, im Rollstuhl zu sitzen? Deshalb haben wir uns extra Rollstühle ausgeliehen. Begleitet wurden wir von unseren Kollegen Simon und Sven und von unserer Kollegin Steffi, die alle geübte Rollstuhlfahrer sind. Außerdem hatten wir noch zwei Begleiterinnen dabei: Sie sollten uns im Notfall schieben, wenn wir nicht mehr weiter konnten.

Wir wollten testen, wie gut man in Regensburg mit dem Rollstuhl vorankommt. Da gibt es ja Kopfsteinpflaster, viele alte Gebäude und am Samstag auch sehr viele Menschen auf der Straße. Es war sehr aufregend, das erste Mal im Rollstuhl zu sitzen und alles von unten zu sehen. Eine ungewohnte Perspektive. Mit der Zeit haben wir uns ein bisschen daran gewöhnt, aber es blieb bis zum Schluss spannend. Wir hatten ein bisschen Angst davor, dass wir Bekannte treffen – das wäre uns dann peinlich gewesen. Die Leute kennen uns ja anders und hätten das bestimmt komisch gefunden, wenn wir plötzlich im Rollstuhl sitzen. Ungewohnt für uns war auch, dass man auf dem Kopfsteinpflaster so durchgeschüttelt wird.

Rütteln auf dem Kopfsteinpflaster

Es ist sehr anstrengend, so einen Rollstuhl selbst in Bewegung zu halten. Da braucht man ordentlich Muskeln in den Armen. Zwischendrin mussten wir uns immer mal wieder ausruhen und uns von unseren Begleiterinnen schieben lassen. Das Lenken hingegen war gar nicht so schwierig, das haben wir uns von den anderen Rollstuhlfahrern abgeschaut. Natürlich hat es nicht immer reibungslos geklappt, die Richtung zu halten, aber wir hatten viel Spaß dabei. Eine interessante Erfahrung war auch, eine Baustelle zu durchqueren. Das hat noch mehr gehoppelt als auf dem Kopfsteinpflaster und im Bauch gekitzelt. Und ohne Hilfe wären wir da nicht durchgekommen. Nachher haben wir noch mit unseren Begleiterinnen getauscht und durften selbst mal schieben. Da kommt man auch ordentlich ins Schwitzen. Beeindruckend war für uns, dass Simon und Sven mit ihren Rollstühlen ganz ohne Hilfe über die ganzen Hindernisse gekommen sind und dass es bei den beiden so leicht aussah. Sie haben natürlich viel mehr Übung und auch moderne Rollstühle – unsere waren ein bisschen schwer und ungelenkig.

Alle Menschen, die wir unterwegs getroffen haben, waren sehr freundlich zu uns. Eine Frau hat uns allen extra die Tür aufgehalten. Und im Laden mit den Süßigkeiten-Automaten hat uns ein Angestellter sehr geholfen und sich viel Zeit für uns genommen. Die Leute benehmen sich irgendwie ganz anders, wenn man im Rollstuhl sitzt Schade, dass sie nicht immer so nett sind. Wir wollten auch testen, ob man als Rollstuhlfahrer in den Kaufhäusern ins oberste Stockwerk kommt. Das hat gut funktioniert, es gab Aufzüge und die Leute sind aus dem Weg gegangen, wenn sie uns gesehen haben.

Das Wetter hielt

Am Schluss haben wir unseren Ausflug bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen lassen. Wir fanden es sehr schön, dass das Lokal – der Biergarten von der Neuen Filmbühne am Bismarckplatz – barrierefrei erreichbar war und wir problemlos zu den Tischen rollen konnten. Es war ein schönes und interessantes Erlebnis, aber wir beide waren froh, dass wir die Rollstühle wieder abgeben konnten. Es tut uns leid für die Leute im Rollstuhl, dass sie nicht wie wir einfach aufstehen können, wenn sie Lust haben. Und wir waren sehr froh, dass es nicht geregnet hat. Es wäre nämlich schwierig gewesen, im Rollstuhl auch noch einen Schirm zu halten.

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