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Schule

Mit der „Giraffensprache“ zum Erfolg

Wie ein Konflikt endet, entscheidet oft die Kommunikation. Simone Straub erklärte Schülern, was ein gutes Gespräch ist und wie man ans Ziel kommt.
Von Flora Jädicke, MZ

  • Daumen rauf oder runter: Wie kommt das Gesagte beim Zuhörer an? Die Schüler machen die Übung an Beispielen aus dem eigenen Alltag. Fotos: Jädicke
  • Simone Straub erklärt ein gutes Gespräch.

Regensburg.Gewaltfreie Kommunikation führt schneller aus Konflikten und zu gemeinsamen Lösungen.

Simone Straub hat Plüsch-Ohren auf dem Kopf. Mal die einer Giraffe und mal die eines Wolfes. Die Symbole sollen die Pindl-Gymnasiasten mit zwei unterschiedlichen Kommunikationsarten vertraut machen. Mit der „Giraffensprache“ und der „Wolfssprache“. „Giraffenohren hören keine Vorwürfe“, sagt Straub. „Sie hören Bedürfnisse“. Die eigenen Bedürfnisse und die der Anderen zu erkennen und zu respektieren, sei der Kern einer gelungenen Kommunikation.

Aus dem Herzen sprechen

Den witzigen Namen verdankt der Sprachansatz der Giraffe. Sie sei das Landtier mit dem größten Herzen. „Giraffensprache spricht also aus dem Herzen“, sagt Straub. Anders die Wolfssprache: Sie geht aggressiv und mit Vorwürfen auf das Gegenüber zu.

Zunächst will die Kommunikationstrainerin von den Schülern wissen, was ein angenehmes Gespräch ausmacht. Und wie man auch in Konfliktsituationen ein angenehmes Gespräch führen kann. Die vielen richtigen Antworten zeigen: Jeder kennt die Zutaten für eine gute Kommunikation. Und dennoch scheinen gute Gespräche schwierig zu sein.

„Die Alltagssprache ist voll mit gewalttätiger Wolfssprache“, erklärt die Kommunikationsexpertin. Und auch das Gesicht der Gewalt entlarvt sie. „Gewalt ist der Versuch andere Menschen zu bestrafen. Das geschehe immer auf der Basis einer Bewertung von richtig oder falsch. Gewalt sei auch der Versuch, die eigenen Bedürfnisse, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse Andere zu erfüllen. Straub geht noch einen Schritt weiter. „Schon ein Urteil über jemanden zu haben, ist der Beginn einer Gewalthaltung“, sagt sie.

Vier Schritte seien notwendig, um mit gewaltfreier Sprache aus Konflikten zu gemeinsamen Lösungen zu finden. Anhand von Beispielen aus dem eigenen Alltag gehen die Schüler die einzelnen Kommunikations-Phasen durch. Von der Wahrnehmung, die sich an Fakten orientiere und nicht an Interpretation, über Gefühle, die beschreiben, wie es einem geht, bis zu den Bedürfnissen, die Werte und das was einem wichtig ist benennen. Erst ganz zum Schluss wird die Bitte formuliert. Sie fasst die Strategie und das gemeinsame handeln zusammen. Einige Schüler tun sich schwer in dem Workshop, den Anna Matt und Andrea Hahn, bekannt als „Evas-Toechter“ ehrenamtlich für Schulen anbieten. Gerade die Jungen finden nur langsam in eine kompromissorientierte Sprache. Einige denken: Klare Ansagen wirken nur mit Druck. „So weiß ich was ich zu tun habe“, sagt ein Junge.

Gewaltfrei reden will gelernt sein

„Die gewaltfreie Sprache ist wie eine Fremdsprache“, sagt Straub. Beispiel Zimmer aufräumen: „Was ist das denn für ein Saustall? Räum das auf!“. Statt Fakten - drei T-Shirts liegen auf dem Boden- kommt Interpretation „Saustall“. „Nö, keine Lust!“ Statt offener Antwort, kommt ein „Nein“.

Simone Straub erklärt, warum Druck nur Gegendruck erzeugt und wie „Giraffenohren aus solchen Sätzen Bedürfnisse heraushören. „Die Mutter möchte Ordnung. Das Kind will selbst entscheiden, wann es aufgeräumt“. „Jedes Gespräch lässt sich in die vier Schritte übersetzen“, erklärt Straub. Das will gelernt sein. Häufig werden Bedürfnisse und Strategie verwechselt. „Wir bekommen oft nicht, was wir brauchen“, sagt Straub, „weil wir es nicht klar sagen.“ Auch Gefühle sollten ehrlich sein, betont sie. Denn gewaltfreie Kommunikation sei kein Mittel zur Manipulation.

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