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Natur

Mit der Wärme kommen die Plagegeister

Jogger kämpfen mit Insektenwolken an der Donau. Der Regensburger Biologe Martin Geier rechnet mit einer ersten Mückenwelle.
Von Micha Matthes, MZ

  • Viele freuen sich, dass es endlich wieder wärmer wird. Doch das schöne Wetter hat nicht nur Vorteile. Auch unliebsame Tierchen wie Mücken schwärmen aus – und piesacken mit Stichen. Foto: Armin Weigel/ dpa
  • 18 Mitarbeiter sind bei der Regensburger Biogents AG beschäftigt. Foto: Lex
  • Eine Mückenlarve ist in einem Wassertropfen zu sehen. Foto: dpa
  • Dr. Martin Geier (li.) und Dr. Andreas Rose haben ihre Firma aus der Universität Regensburg ausgegründet.Foto: Lex

Regensburg. Regensburg. Die Menschen reagieren an diesem Dienstagabend auffällig: Jogger, die bei der Schillerwiese auf dem Weg entlang der Donau laufen, wischen sich permanent mit den Händen über ihre Gesichter. Ungewöhnlich wirkt ein Radfahrer, der Richtung Stadtwesten unterwegs ist und sich kurzerhand komplett mit einem Tuch vermummt hat. Sie alle schützen sich vor den Insekten, die in großer Anzahl durch die Luft schwirren und so fast ununterbrochen auf sie einprasseln. Doch ist die Menge für diese Jahreszeit tatsächlich ungewöhnlich? Während viele Regensburger schon von einer Mückenplage sprechen, bleibt der Biologe Dr. Martin Geier „ein bisschen skeptisch“. Dass es im beginnenden Frühjahr viele Insekten gebe, sei normal, sagt er. „Das müssen nicht immer nur Mücken sein.“ Nichtsdestotrotz rechnet Geier in den nächsten drei Wochen mit einer „Mückenwelle“.

Ihm sei ebenfalls schon berichtet worden, dass in Stadtamhof derzeit besonders viele Mücken unterwegs sind, sagt Geier. „Das muss in den vergangenen Tagen sehr plötzlich passiert sein.“ Die Umstände seien für Mücken momentan förderlich. Durch starke Niederschläge ist es in Flussnähe in den vergangenen Tagen zu leichten Überschwemmungen gekommen. In den Randgebieten gibt es viele Pfützen. Außerdem dringt in den sogenannten Druckwassergebieten das Grundwasser in höhere Bodenschichten. „Diese Witterungsbedingungen sind gut geeignet, um Stechmücken hervorzubringen“, sagt Geier. „Es wäre nicht überraschend, wenn es in nächster Zeit ein erhöhtes Mückenaufkommen in Regensburg gibt.“ Der Biologe rechnet damit, dass „die nächste Mückenwelle“ innerhalb von drei Wochen einsetzen müsste.

Regensburger jagen Mücken

Geier führt das Unternehmen Biogents AG, das sich aus der Universität entwickelt hat. Es ist auf Fallen spezialisiert, mit denen sich die Populationsdichte von Stechmücken an einem bestimmten Ort bestimmen lässt. Die Fallen werden in erster Linie an Forschungslabore in der ganzen Welt verkauft. „Wir haben auch ein paar Gebiete in Regensburg, in denen wir monitoren. Normalerweise fangen wir damit Ende Mai an. Dann werden wir auch Konkretes zur Menge der Mücken sagen können.“

Eine Prognose darüber, ob es in Regensburg in diesem Jahr besonders viele Mücken geben wird, sei schwierig. „Das hängt noch komplett vom Wetter ab“, sagt Geier. Generell lasse sich sagen, dass Regensburg weniger von Mücken heimgesucht wird als beispielsweise Regionen wie Plattling, Weltenburg oder Neustadt an der Donau. „Dort gibt es wesentlich mehr Mücken“, sagt Geier. „Das ist eine ganz andere Hausnummer.“ Aber natürlich werde die Belastung manchmal subjektiv anders wahrgenommen.

Eine sehr aggressive Gruppe

Besonders viele verschiedene Arten gebe es in Regensburg nicht. „Es sind ungefähr sieben bis zehn Arten, die sich grob in drei Gruppen einteilen lassen“, sagt Geier. Am bekanntesten sind hier die Hausmücken. „Sie leben vor allem in Siedlungsbereichen, in denen Gießkannen oder Regentonnen in Gärten stehen. In diesen Biotopen brüten sie.“

Neben der Hausmücke gebe es hier hauptsächlich noch die sogenannte Überschwemmungsmücke. Sie lebt in Flussnähe oder Gebieten, in denen es häufiger Regenfälle gibt – dort, wo sich Pfützen bilden. „Die Besonderheit bei diesen Mücken ist, dass sie ihre Eier nicht im Wasser, sondern im Boden ablegen. Diese können dort Jahre überdauern. Gibt es dann nach langer Zeit wieder eine Überschwemmung, schlüpfen die Larven gleich mehrerer Jahre.“ Dadurch komme es dann zu einer Mückenplage.

Die Gruppen unterscheiden sich auch in ihrem Verhalten. Die Hausmücke sticht hauptsächlich zum Zeitpunkt der Dämmerung und in der Nacht. „Das sind die Mücken, die ins Schlafzimmer kommen und da nerven“, sagt Greiner. Überschwemmungsmücken stechen tagsüber und bei Dämmerung, aber nicht nachts. „Sie fliegen nicht ins Haus, können aber besonders penetrant nerven, weil sie einen im Prinzip anfallen. Sie sind sehr aggressiv und kommen in größeren Mengen vor.“

Die sogenannte Waldmücke spielt in Regensburg keine so bedeutende Rolle. Normalerweise haben nur Menschen, die am Waldrand leben, mit ihr zu tun. Ihre Brutstellen befinden sich, wie der Name schon sagt, in kleinen Pfützen im Wald.

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Tipps zum Schutz vor Mücken

  • Das schöne Wetter

    hat nicht nur Vorteile. Auch unliebsame Tierchen wie Mücken schwärmen nun aus. Martin Geier, Biologe aus Regensburg, der seit vielen Jahren zum Verhalten von Stechmücken forscht, hat Tipps, wie man sich vor Mücken – und damit vor Stichen – schützen kann.

  • Bei der Mückenbekämpfung

    gebe es nicht ein Wunder- oder Allheilmittel, sagt er. Die Larven leben im Wasser, adulte Insekten hingegen in der Luft. „Da muss man verschiedene Sachen machen.“

  • Helle Kleidung:

    Dunkle Kleidung zieht Mücken eher an als helle. Wer sich also schützen will, sollte Schwarz von Kopf bis Fuß eher vermeiden. Sinnvoll ist natürlich auch lange Kleidung – dann haben die Mücken weniger Angriffsfläche.

  • Mückenschutzmittel:

    Es gibt viele unterschiedliche Mückenschutzmittel, die auf die Haut aufgetragen werden. Häufig kommt der Wirkstoff DEET zum Einsatz, der einem Test von Stiftung Warentest zufolge am längsten hält. Auch Mittel mit dem Wirkstoff Icaridin haben gut abgeschnitten.

  • Regentonnen abdecken:

    Stehendes Wasser ist Brutstätte für Mücken. Sinnvoll ist es daher, Regentonnen im Garten regelmäßig zu leeren und abzudecken.

  • Neben Mückengittern

    können auch sogenannte Elektorverdampfer, die Insektizide verdampfen effektiv sein. „Für eine kurzfristige Nutzung ist das sicher sinnvoll“, sagt Geier. Längerfristig könnten bei empfindlichen Menschen aber eventuell Nebenwirkungen auftreten.

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