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Jubiläum

Mit „Doktor IHK“ durch die Geschichte

In jedem Stein des Handelszentrums spürt Dr. Martin Kammerer den Atem der Vergangenheit. Jetzt gibt er sein Wissen weiter.
Von Heike Haala

Dr. Martin Kammerer, Geschäftsführer des Industrie- und Handelskammergremiums, steht vor der Römermauer im Untergeschoss des Empfangsbereichs in der Handelszentrale. Fotos: Lex
Dr. Martin Kammerer, Geschäftsführer des Industrie- und Handelskammergremiums, steht vor der Römermauer im Untergeschoss des Empfangsbereichs in der Handelszentrale. Fotos: Lex

Regensburg.Ob es die elfenbeinfarbenen Platten aus Kelheimer Naturstein im Boden der Niederlassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind, über die Dr. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums, strammen Schrittes in sein Büro marschiert oder das Treppengeländer aus den 1950er-Jahren, an dem seine Hand entlanggleitet – das Gebäude in der D.-Martin-Luther-Straße teilt Kammerer seine Geheimnisse an jedem nur erdenklichen Detail mit. Und sollte das Haus tatsächlich einmal schweigen: Kammerer weiß schon, wo er schürfen muss, um seinen Draht in die Geschichte des Hauses und der Handelszentrale wieder zum Glühen zu bringen. Und so kann es schon einmal passieren, dass der Wirtschaftsexperte mit einem Maßband in den Türrahmen der Büros, Sekretariate oder Besprechungszimmer steht, um die Wandstärken zu messen. Denn Kammerer weiß: Die dickeren davon sind ältere Wände aus dem Vorgängerbau. Das war eine ansehnliche Villa, die wie der Regensburger Hauptbahnhof auf dem Reißbrett des Architekten Heinrich von Hügel entstand. „Die dünneren Wände sind jünger“, sagt Geschichtsexperte Kammerer.

Tag der offenen Tür

  • Öffnungszeiten:

    Zwischen 9 und 16 Uhr gibt es bei der IHK am Donnerstag Führungen, Ausstellungen, Vorträge und auch ein Festzelt.

  • Führungen:

    IHK-Geschichtsexperte Dr. Martin Kammerer erläutert in seinen Führungen (10 bis 11 Uhr, 11.30 bis 12.30 Uhr, 13 bis 14 Uhr und 15 bis 16 Uhr) die Historie des IHK-Gebäudes in der D.-Martin-Luther-Straße. Beginn und Ende sind im Römerhof, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Ausstellungen und Führungen

Am Donnerstag können alle an seinem Wissen teilhaben. Die IHK wird in diesem Jahr 175 Jahre alt und feiert das am Donnerstag mit einem Tag der offenen Tür. Jeder kann kommen und hinter die Kulissen der Handelszentrale blicken. Es gibt ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Führungen und Ausstellungen. Kammerer wird mit vier Rundgängen zum Gelingen dieses Tages beitragen.

Zeigen wird er dann beispielsweise eine alte Kramerordnung aus dem Jahr 1392. Im Jahr 1311 hatten sich die Regensburger Einzelhändler als Bruderschaft zusammengeschlossen, um sich vor ihrer gegenseitigen Konkurrenz zu schützen. Kammerer beschreibt die Vorzüge, die die Mitglieder dafür genossen. „Etwa eine frühe Form der Hinterbliebenenvorsorge“, sagt er. Starb ein Bruder unvorhergesehen, kümmerte sich der Rest um seine Witwe und sorgte auch dafür, dass die Kinder dieser Familien in Lohn und Brot kamen.

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Kammerer tut sich leicht, in diesem Gebäude noch einen weiteren Schritt zurück in Regensburgs Geschichte zu tun: Im Untergeschoss des Empfangsbereichs ist ein Stück echte Römermauer aus riesigen Quadern zu sehen.

Nicht immer war der Sitz der Industrie- und Handelskammer sowie der ihrer Vorgängerorganisationen in der D.-Martin-Luther Straße. Im Laufe der Geschichte wanderte die Vereinigung einmal quer durch die Altstadt. Kammerer zählt auf: Zunächst hatte der Handels- und Gewerbeverein ein Verwaltungszimmer im Alten Rathaus. Als dieses zu eng wurde, zogen die Mitglieder in das Thon-Dittmer-Palais um. Es folgten weitere Stationen – etwa in der Unteren Bachgasse oder in der Residenzstraße. In den 1950er-Jahren ging es an den heutigen Standort.

Sehen Sie hier ein Video über die IHK

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Dieser Umzug ist untrennbar mit dem dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Gebäudes verbunden. Kammerer berichtet: „Bis 1935 gehörte es der jüdischen Familie Schwarzhaupt, die ein Modewarenhaus am Watmarkt betrieb.“ Den Nationalsozialisten aber gefiel die repräsentative Villa so gut, dass sie sich das Haus 1935 mit Hilfe einer so genannten „Zwangsarisierung“ unter den Nagel rissen. Laut Kammerer sollte hier eine regelrechte Parteiburg entstehen, vor der auch große Militäreinheiten aufmarschieren konnten. Aber schnell erschien den Nazis der Platz dafür zu klein und sie ließen von den Plänen ab. Nach dem Krieg bekam die Familie das Haus zurück, konnte aber nichts mehr damit anfangen: „Nach der Flucht vor den Nazis im Jahr 1938 hatte sich ihr Lebensmittelpunkt nach Südamerika verlagert“, sagt Kammerer. Die IHK erwarb das Gebäude, baute um und zog ein.

Peithner lieferte den Clou

Zuletzt war es das Regensburger Architekturbüro Peithner, das Hand an die Niederlassung anlegte. Es war eine Tüftelarbeit, aber letzten Endes ist es dem Team gelungen, Verwaltungsräume und einen Empfangsbereich so in das durch zwei Bestandsgebäude verwinkelte Grundstück an der D-Martin-Luther-Straße hineinzuplanen, dass es den Regensburger Architekturwächtern auch zusagte. Zuvor hatte ein anderes Planungsteam eine Art Pavillon im Hof präsentiert, der im Architekturbeirat aber krachend durchfiel. Das Büro Peithner lieferte den Clou: Zwischen der Zentrale und dem Schulungsgebäude bildeten die Architekten mit einer Glaskonstruktion eine Art Vitrine für die Römermauer aus. Das zog. So steht das Gebäude seit 2008 da.

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