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Regensburg
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Training

Mit Leckerli geht das Lernen leichter

Hundetrainer Rodrigue Funke zeigte MZ-Lesern, wie sie Hunden etwas lernen können. Motivation und Belohnung sind wichtig.
Von Angelika Lukesch

  • Hundetrainer Rodrigue Funke versteht die Sprache der Hunde und nutzt das natürliche Verhalten der Tiere, um ihnen etwas zu lernen. Fotos: Lukesch
  • Rodrigue Funke (rechts) zeigt Vroni Judex und ihrem Vater, wie sie ihrem Labradoodle Tobi etwas beibringen können.

Regensburg.Hundetrainingstermin mit Rodrigue Funke im Zirkuszelt des Regensburger Weihnachtszirkus: Fünf äußerst aufgeregte Hunde in verschiedenen Größen und Rassen ziehen ungeduldig an den Leinen und können die Vielzahl der Gerüche, die im Zirkus wahrzunehmen sind, kaum fassen. Der Labradoodle Tobi ist erst acht Monate alt und schon ziemlich groß. Er ist mit seiner ganzen Menschenfamilie gekommen, um bei Rodrigue Funke zu lernen, wie man lernt. Außerdem erkundet aufgeregt eine kleine Langhaar Chihuahua-Hündin mit dem putzigen Namen Lilli die Zirkuswelt. Die sechsjährige bedächtige Hovawarth-Hündin Uli lässt sich hingegen nicht aus der Ruhe bringen. Ihre „Schwester“ Linda (beide leben in einer Familie) ist wesentlich jünger, erst zehn Monate alt, und sie weiß nicht ein noch aus vor erwartungsvoller Aufregung. Auch Ines Sahliger ist mit ihrem Australian Shepherd gekommen, um am Hundetraining mit Funke teilzunehmen.

Rodrigue Funke ist der Regisseur des 3. Regensburger Weihnachtszirkus – und ein Hundeflüsterer. In der Zirkusvorstellung tritt er mit seiner Foxterrier Hündin Loulou bei einer Hundedressur auf, die den Zuschauer immer wieder staunen lässt ob der Klugheit und Geschicklichkeit der Hündin.

Den Hund nicht überfordern

Sarah Marx und Lili, eine Langhaar-Chihuahua-Hündin (5 Jahre): „Die Lilli kann schon einiges. Sie kann eine Rolle, sie kann auch Sitz und Platz machen. Sie kann auch Kreise drehen, aber nur in eine Richtung.“

„Jede Vorstellung, in der ich mit Loulou auftrete, ist anders. Ich richte mich nach ihr, bei dem, was wir zeigen. Sie kann zwar 65 Signale sehen, aber ich will sie auch nicht überfordern. Sie soll Spaß an der ganzen Sache haben. Ich denke, das ist eine zeitgemäße Art, Tiere zu präsentieren“, erklärt Funke. Alle Besucher mit ihren vierbeinigen Freunden hatten in den Logen Platz genommen. Funke beginnt mit dem Hundetraining bereits im Alter der Welpen von acht Wochen. Dabei gehe es zuerst um grundlegende Dinge.

Video: Angelika Lukesch

Zuerst trainiere er seine Hand darauf, dass sich die Hunde in ihren Boxen wohlfühlen und diese als Ort der Ruhe assoziieren. „Mit dem Zirkus reise ich sehr viel herum und wohne in Hotels oder Wohnwägen. Aber die Hunde wissen immer, wenn ich die Box hinstelle, das ist ihr Zuhause“, erklärt Funke. Dann lehrt er sie, sich an öffentliche Verkehrsmittel zu gewöhnen, an die Gegenwart von vielen Menschen und an die Lichter im Zirkus. Erst später beginnt er mit dem Trainieren von Signalen. Viele Kunststücke, die Funke in der Manege mit Loulou zeigt, basieren auf ganz einfachen Signalen, die jedoch in Verbindung mit dem, was Funke selbst präsentiert, interessant aussehen und oftmals beim Zuschauer eine andere Assoziation hervorrufen.

Vroni Judex und Hund Tobi (10 Monate): „Tobi kann zwar keine Tricks, aber alle Dinge, die er können muss, wie Sitz oder Platz. Mir würde es gefallen, wenn er eine Rolle könnte.“

Der Hundeflüsterer erklärt den Hundebesitzern, dass ein System von Belohnung und Motivation bei Hunden am besten wirke. „Strafen können oft danebengehen, wenn der Hund die Strafe mit etwas anderem assoziiert, als vom Herrchen beabsichtigt war“, warnt Funke. Ein Hund lerne nur, wenn er Spaß daran habe und positiv motiviert werde.

An Funkes Gürtel hängt stets eine kleine Tasche, gefüllt mit Hundeleckerli. Das Lernziel teilt der Hundetrainer in ganz kleine Happen auf und für jedes bisschen, dass der Hund „richtig“ gemacht habe, gibt es ein Leckerli und viel verbales Lob und Geknuddel.

Jeder hat ein anderes Problem

Dieser Australian Shephard lernt von Hundetrainer Funke, dass er nicht mehr an der Leine zieht.

Schließlich darf ein Hund nach dem anderen in die Manege. Jeder Hundebesitzer kommt mit einem anderen Problem, das er mit Hilfe von Funkes Wissen lösen möchte. So hat der Australien Shepherd die Angewohnheit, an der Leine zu ziehen, wenn ihn etwas interessiert. Die kleine Chihuahua Hündin Lilli hat ein Problem mit größeren Hunden – und das sind fast alle. Vroni hätte gerne, dass Tobi eine Rolle lernt.

Jedes einzelne Problem geht Rodrigue Funke mit den Hundebesitzern an. Er rät der Besitzerin des Australien Shepherd, immer dann stehenzubleiben, wenn der Hund beginne, an der Leine zu ziehen, weil er irgendwo etwas sieht, das ihn interessiert. Erst wenn er aufhört zu ziehen, geht das Frauchen wieder weiter – das Weitergehen wird als Belohnung eingesetzt.

Rodrigue Funke zeigt Hundebesitzerin Sarah Marx, wie sie ihrer Chihuahua-Hündin Lili etwas beibringen kann.

Der zehnjährigen Vroni aus Lanquaid zeigt Funke, wie sie mit der gezielten Gabe von Leckerli ihren Hund Tobi dazu bringt, sich auf die Seite zu legen und auf die andere Seite zu rollen. Eine Sache legt Funke den Hundebesitzern besonders ans Herzen: „Ihr Hund bezieht die Belohnung beziehungsweise ihre Reaktion auf sein Verhalten nur auf die letzte Sekunde. Deswegen muss man genau aufpassen, dass man ein gutes Verhalten sofort lobt beziehungsweise ein schlechtes sofort kritisiert. Eine Bestrafung für etwas, das länger als eine Sekunde her ist, kann der Hund nicht verstehen.“

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