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Verkehr

Mit Taktik in den Dauerstau

Regensburger werden mehr Zeit im Auto verbringen, sagt Gutachter Kurzak. Wir haben Tipps gegen den Frust in der Blechlawine.
Von Heike Haala

Ab dem Frühjahr soll die Autobahn zwischen Rosenhof und Autobahnkreuz sechsspurig ausgebaut werden. Dann brauchen Fahrer gute Nerven. Foto: Lex
Ab dem Frühjahr soll die Autobahn zwischen Rosenhof und Autobahnkreuz sechsspurig ausgebaut werden. Dann brauchen Fahrer gute Nerven. Foto: Lex

Regensburg.Pendlern in und um Regensburg steht eine harte Zeit ins Haus. Im Frühjahr soll der sechsspurige Ausbau der Autobahn A3 zwischen Rosenhof und Autobahnkreuz starten und das geplagte Regensburger Verkehrsystem auf lange Sicht entlasten. Die Baustelle für diesen so dringend benötigten Bypass aber wird die Verkehrsprobleme in Regensburg erst einmal fünf Jahre lang verschärfen. Laut Verkehrsgutachter Prof. Harald Kurzak bleiben den Regensburgern jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Autofahrer könnten versuchen, auf den Öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen oder sich mit dem Gedanken anfreunden, in Zukunft noch mehr Zeit in ihrem Auto zu verbringen. Deswegen haben wir Experten um Tipps gebeten, die den Frust im Stau verkleinern.

Der Dampf muss vom Kessel

Ruth Wagner und Andreas Posel sind Psychologen am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Sie skizzieren die emotionale Gemengelage eines Staugeplagten: „Der Straßenverkehr ist eine komplexe Aufgabe für das menschliche Gehirn“, sagt Posel. Die Teilnehmer müssen auf kleinste Reize achten und entsprechend darauf reagieren. Das fordert die Konzentration. Entsprechend schnell kann der Verkehr den Fahrer körperlich und psychisch erschöpfen. Ein Stau wirkt sich verschärfend auf den Stresspegel aus.

Im Stau Dampf abzulassen, ist schwer, aber wichtig. Laut Wagner müssen Fahrer den Frust hinter lassen, um sich auf den Verkehr konzentrieren zu können und sicher zu fahren. Dafür gibt es mehrere Strategien: Bei manchen mag es schon helfen, kurz durchzuatmen oder das Fenster zu öffnen. Andere benötigen drastischere Methoden. Dafür sollten die Fenster aber geschlossen sein: Ein kurzer Schrei, eine wutentbrannte Schimpftirade oder ein ordentlicher Schlag auf das Lenkrad können wahre Wunder tun. Weiterhin gibt es laut Wagner Übungen aus dem Bereich der progressiven Muskelentspannung, die auch im Auto angewandt werden können. Gestresste Fahrer könnten die Stirn in Falten legen und sie bewusst wieder entspannen. Ebenso rät Wagner Fahrern die Faust kurz ballen und sie wieder lösen. Achtung: Die komplette Faust und nicht lediglich den Mittelfinger.

Was ist 2017 in Regensburg passiert? Klicken Sie sich durch unsere Chronologie:

Wer die Zeit im Stau als Zeitgeschenk begreift, kann sich vor Frust schützen: Wagner rät zu Hörbüchern oder Lieblingsmusik. „So gibt man dem vermeintlich Sinnlosen einen Sinn“, sagt sie. Von Entspannungsmusik im Auto aber rät sie ab. Denn die Fahrer müssen sich auf den Verkehr konzentrieren. Meditative Klänge könnten genau das Gegenteil bewirken.

Was im Stau erlaubt ist und was nicht, weiß Josef Bachmaier von der Kreisverkehrswacht. So langweilig so eine Blechlawine auch sein mag: Aussteigen, um sich die Beine zu vertreten ist verboten. Denn so kann der Autofahrer nicht mehr auf sein Fahrzeug einwirken und bringt sich zudem unnötig in Gefahr. So lange der Motor läuft, ist auch das Handy tabu. Zwar erlaube die Straßenverkehrsordnung den Fahrern, zum Handy zu greifen, wenn der Motor des Fahrzeugs nicht läuft. Das ist laut Bachmaier jedoch wenig sinnvoll, weil der Fahrer auch dann nicht auf den Verkehr achten könne. Autofahrer tun gut daran, sich auf einen eventuellen Stau vorzubereiten. So sollten stets genügend Getränke im Auto vorhanden sein. Eine Decke im Winter empfiehlt Bachmaier ebenfalls.

„Stadteinwärts ist es zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr am schlimmsten, stadtauswärts die zwischen 16.30 und 17.30 Uhr.“ Alfons Peter Hemauer, Fahrlehrer

„Jede Stunde, die ein Fahrer mehr in seinem Auto verbringt, bedeutet auch eine Stunde mehr Gefahr für sich und andere“, verdeutlicht Fahrlehrer Alfons Peter Hemauer die Bedeutung von Kurzaks Aussage. Auch auf ihn hat das hohe Verkehrsaufkommen Auswirkungen. Fahrstunden verlegt er gerne in den ruhigeren Stadtnorden. Mit seinen Schülern meidet er Hauptverkehrsadern wie die Nibelungenbrücke zu Stoßzeiten. „Das kann ich höchstens in den ersten beiden Fahrstunden hin, wenn wir das Anfahren üben,“ sagt Hemauer. Er hat eine Faustregel, um nicht in den Stau zu geraten: „Stadteinwärts ist es zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr am schlimmsten, stadtauswärts die zwischen 16.30 und 17.30 Uhr.“

Umwege statt Staustehen

Wer sich auf eine lange Fahrt einstellt, muss sich vorher Gedanken machen, sagt Hemauer: Das geht beim Essen und Trinken los. Vor dem Fahrtantritt empfiehlt Hemauer etwa Obst und wenig fette Kost. Auf keinen Fall sollen Autofahrer zu wenig trinken, damit sie sich die Konzentration erhalten. Und sie sollten zur Sicherheit noch einmal auf die Toilette gehen. Sollte sich ein entsprechendes Bedürfnis nämlich erst im Stau bemerkbar machen, kennt auch Hemauer kein Geheimrezept.

Jeder geht mit Stau anders um. Welcher Stau-Typ Sie sind, können Sie uns auf unserer Facebook-Seite schreiben:

Der Fahrlehrer sagt zudem, dass kleine Umwege zu Stoßzeiten unter Umständen schneller ans Ziel führen, als der direkte Weg. Wenn er beispielsweise von Neutraubling nach Regensburg fährt, nimmt er die drei Minuten mehr Fahrzeit über Donaustauf in Kauf, um die Hauptstrecken dafür zu meiden. Die Regensburger sollen das auf jeden Fall machen, wenn der Verkehrsfunk im Radio einen Stau ansagt.

Alle Teile des Regensburger Jahresrückblicks finden Sie hier!

Wer jetzt darüber nachdenkt, das Auto gleich stehen zu lassen, für den hat RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein ein paar Tipps für den Umstieg auf die Öffentlichen parat: Betroffene müssen sich über die besten Haltestellen, Buslinien und den Tarif informieren. Das ist sowohl im persönlichen Gespräch mit der RVV-Geschäftsstelle oder am Telefon, als auch per RVV-App möglich. Außerdem könnten Pendler auch ihren Arbeitgeber um Rat fragen. Unter Umständen bezuschusst der das Job-Ticket. Auf diese Weise können sich die Pendler Geld sparen.

Weitere Nachrichten aus Regensburg finden Sie hier.

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Die wichtigsten Projekte

  • Ausbau der Ostumfahrung:

    Stadt, Landkreis und Bauamt haben eine Verkehrsuntersuchung Regensburg-Nord in Auftrag gegeben, nachdem die Anbindung der Osttangente (Pilsen-Allee) an die B 16 gute Verkehrszahlen ergeben hat. Das Ergebnis kommt im Frühjahr.

  • Sallerner Regensbrücke:

    Auch weiterhin ist die Regierung damit beschäftigt, die Unterlagen für eine vom Oberlandesgerichts angeforderte Umweltverträglichkeitsprüfung zusammenzustellen. Die Brücke lässt also auf sich warten.

  • Ausbau der A3:

    Im Oktober gab es die Baufreigabe des Bundes. Seither gilt der sechsstreifige Ausbau als gesichert. Der Bau wird fünf Jahre dauern und im Frühjahr beginnen. 2018 wird mit den Erhebungen und Prüfungen für die Erneuerung der Sinzinger Autobahnbrücke begonnen.

  • Donaubrücke im Nordwesten:

    Nicht absehbar ist außerdem die Kneitinger Brücke . Die Stadt und der Landkreis können sich bei diesem Thema auch weiterhin nicht einigen. Die Stadt hat sich grundsätzlich dagegen entschieden.

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