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Monologe für künftige Arbeitgeber


Von Wolfgang Spornraft

Die Absolventen sind flügge geworden. Jetzt geht es hinaus in die Welt.
              Foto: Spornraft
Die Absolventen sind flügge geworden. Jetzt geht es hinaus in die Welt. Foto: Spornraft

RegensburgAuf den Samstag hatte die Abschlussklasse der Akademie für Darstellende Kunst lange hingearbeitet. Jeder für sich. Denn dieses Mal war nicht das über die Jahre zusammengewachsene Ensemble gefragt. Beim Absolventenvorsprechen standen die jungen Schauspieler allein im Scheinwerferlicht auf der kleinen Probenbühne in der Kreuzgasse. 13 Monologe vor einem sehr speziellen Publikum. Die Einladungen gingen an Agenturen, Schauspielhäuser und Presse. Angesprochen war in erster Linie der künftige Arbeitgeber.

Wie eine inszenierte Kurzgeschichtensammlung reihte sich Shakespeare an Dürrenmatt. Hauptmann, Sartre und Schimmelpfennig schrieben die intonierten Worte. Es war, so geballt und mit aller zur Verfügung stehenden darstellerischen Wucht über die Rampe geschleudert, anstrengend auch für den Betrachter, fast eine Zumutung.

Bei all dem gebotenen Furioso setzte Uzun Buraks Bello aus „Hundeherz“ von Bulgakow einen angenehmen Kontrapunkt. Probenklamotten in Braun und Beige, barfuß ohne Kostüm und Maske, aber in der Darstellung im gesprochenen Tierdenken, im Gang und Haltung – verblüffend – ein Hund. So herrlich schamlos, so frech kann einer auch seine Visitenkarte abgeben.

Interessanter fast als der Inhalt selbst: Wer mit welchem Text auftrat. „Romeo, mein holder Herr“: Christina Micelli richtete ihren Pferdeschwanz zurecht und schmachtete selig, tanzte Shakespeares Julia als moderne Teenagerin. Bis zu Kollegin Olivia Hussey in Zeffirellis legendärer Inszenierung der tragischsten Liebe der Theatergeschichte ist es noch ein Stück hin. Aber es war gut. Und hier steht jemand am Start, der hungrig ist auf das Spiel.

So düster wie herausragend an diesem Tag war die Pauline von Stephanie Liebl. In gebrochenem Deutsch stammelt sie die geschundene Kreatur zusammen, die ihr Kind verkauft hat. Hauptmanns „Die Ratten“ sind schwer verdaulich. Die Worte bleiben erst hängen, wenn man sich ihnen nicht entziehen kann. Wie bei Liebl.

Den Schlusspaukenschlag des Vormittags gab Linda Prinz mit Sartre. Ihre Elektra aus „Die Fliegen“ war ein unschuldiges Rotkäppchen, das zum Zombie mutiert. „Der frische Duft meines Fleisches.“ Kurz und knackig. Mehr davon. Mehr von allem.

Es gab Hänger. Es war fahrige Aufregung in den Bewegungen, wie es nur natürlich ist in einer Bewerbung. Und doch waren vielleicht gerade die Makel das, was dieses Spiel so besonders machte.

Hier spielten junge Menschen um nichts weniger als ihr Leben, um das Weiter. Es wurde geschrien, es wurde gebettelt, gelacht, verdammt und geflucht. Es war ein grellbunter Theater-Reigen, der zeigte, wie groß eine auch ganz kleine Bühne sein kann, der zeigte: Hier stehen Schauspieler, die einen Job verdient haben.

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