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Prozesse

Mord an Prostituierter kommt vor Gericht

Ein Asylbewerber (22) aus Mali muss sich vor der Regensburger Schwurgerichtskammer verantworten. Er hat bereits gestanden.
Von Marion von Boeselager

In diesem Haus in der Landshuter Straße wurde die Prostituierte ermordet. Foto: altrofoto.de
In diesem Haus in der Landshuter Straße wurde die Prostituierte ermordet. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Eine 33-jährige Prostituierte aus Regensburg starb am späten Abend des 29. August letzten Jahres einen qualvollen Tod: Ein Freier versetzte der aus Rumänien stammenden Frau nach geleisteten Liebesdiensten in ihrer Wohnung in der Alemannenstraße einen Schlag in den Nacken. Als sie laut schrie, hielt er ihr mit einer Hand den Mund zu und würgte sie mit der anderen so lange, bis sie tot war – so die Angaben der Staatsanwaltschaft. Dann flüchtete der zunächst unbekannte Täter mit den von ihm bezahlten 50 Euro, dem Handy der Getöteten und weiteren 100 Euro aus der Geldbörse des Opfers.

Ab Freitag, 11. August, muss sich der mutmaßliche Täter, ein 22-jähriger ausreisepflichtiger Asylbewerber aus Mali, wegen Mordes aus Habgier und Raubes mit Todesfolge vor dem Schwurgericht verantworten. Nach seiner Festnahme nur eine Woche nach der Tat hatte der Mann die Gewalttat gestanden, „aufgrund der erdrückenden Beweislast“, wie die Polizei damals mitteilte.

Die getötete Rumänin lebte seit 2013 in der Bundesrepublik und ging in der Prostituierten-Wohnung in einem Wohn- und Geschäftshaus in der Landshuter Straße an der Abzweigung zur Alemannenstraße ihrem Geschäft nach. Am 30. August gegen 3 Uhr morgens ging jedoch bei der Polizei die Meldung ein, dass der leblose Körper der von Nachbarn als „sehr hübsch und unglaublich höflichen“ jungen Frau aufgefunden worden sei.

Durchbruch durch Handy-Ortung

Die Polizei richtete daraufhin eine eigene Soko „Alemannen“ ein. Die Beamten ermittelten auf Hochtouren. Das Umfeld des Opfers wurde überprüft sowie Personen, die sich in der Tatnacht im Haus aufhielten. Zeugenaussagen und Kommunikationsdaten wurden ausgewertet. Hinweise ergaben weiter, dass eine Gruppe Asylbewerber zwei Tage nach dem Fund der Leiche in eine Unterkunft im Raum Tirschenreuth verlegt worden waren.

Eine Woche später gelang den Fahndern der Durchbruch: Im Weidener Stadtgebiet wurde ein 21-jähriger Mann aus Mali festgenommen. Bei ihm wurde das Mobiltelefon des Opfers sichergestellt, das der Mann wohl auch benutzt hatte. Die Ermittler konnten das Handy in einer Weidener Funkzelle orten. Am Tatort fand sich zudem die DNA des jungen Maliers. Der 21-jährige Verdächtige legte daraufhin ein Geständnis ab.

Nach Überzeugung der Anklagebehörde hatte der Angeschuldigte bereits beim Betreten des von der Prostituierte angemieteten Apartments im 1. Stock des Hauses den Plan, die Frau bewusstlos zu schlagen und anschließend zu berauben.

Nach dem Geschlechtsverkehr waren er und sie offenbar bereits wieder angezogen und tauschten ihre Handynummern aus. Da schlug der Mann der 33-Jährigen plötzlich mit der rechten Hand in den Nacken, so die Vorwürfe.

Als die 33-Jährige wider Erwarten durch den Hieb nicht ohnmächtig wurde, sondern zu schreien begann, drückte ihr der Täter erst seine Hand, dann ein Kissen auf den Mund. Als sie ruhig blieb, ließ er kurz von ihr ab. Doch die Prostituierte begann erneut zu schreien.

Das war wohl ihr Todesurteil: Der Mann soll sie nun mit einer Hand 30 bis 40 Sekunden lang so massiv am Hals gewürgt haben, dass das Zungenbein und Teile des Schildknorpels brachen, so die Anklagebehörde. Das Opfer starb an zentraler Lähmung. Der Mann ließ die tote Frau mit einem Kissen auf dem Gesicht zurück.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass bei dem Gewaltverbrechen gleich drei Mordmerkmale vorliegen:

Der Täter soll das Opfer aus Habgier getötet haben, um eine andere Straftat zu ermöglichen und um eine andere Straftat zu verdecken. Er habe den Widerstand der Frau brechen wollen, um sie zu berauben, und die Aufdeckung seiner Übergriffe verhindern. Ihm sei es darauf angekommen, die Frau um jeden Preis ruhig zu stellen, auch wenn der Preis ihren Tod bedeutete.

Schleppende Abschiebepraxis

Die Tat löste in den Medien Diskussionen um die Abschiebepraxis abgelehnter Asylbewerber aus. Denn eigentlich hätte der junge Malier gar nicht mehr in Deutschland sein dürfen. Er war erst im März letzten Jahres nach Deutschland eingereist. Im April hatte er einen Asylantrag gestellt, der jedoch abgelehnt wurde. Der Regierung der Oberpfalz als zentrale Ausländerbehörde, die zuständig für seine Abschiebung war, waren jedoch die Hände gebunden. Denn der 21-Jährige hatte keinen Pass bei sich. Und ohne Ausweispapiere konnte er nicht in seine afrikanische Heimat abgeschoben werden. Nun war die Bundespolizei am Zug: Sie sollte gemeinsam mit den Behörden des afrikanischen Staates klären, ob der Mann tatsächlich malischer Staatsbürger ist. Doch dies war offenbar in dem kurzen Zeitraum bis zu dem Mord an der Prostituierten nicht gelungen. Der Angeschuldigte lebte zuletzt als geduldeter Asylbewerber in einer Unterkunft im Raum Tirschenreuth. Er soll nach Angaben der Polizei in der Regensburger Erstaufnahmeeinrichtung bereits einmal wegen Körperverletzung in Erscheinung getreten sein. Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt.

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