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Regensburg
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Landgericht

Mordversuch: Angeklagter ist schizophren

Ein Iraker stach in Regensburg mit einem Messer auf einen Landsmann ein. Der Beschuldigte gab 30 verschiedene Personalien an.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (Mitte) mit seinem Dolmetscher und seinem Verteidiger Mathias Klose Foto: Boeselager
Der Angeklagte (Mitte) mit seinem Dolmetscher und seinem Verteidiger Mathias Klose Foto: Boeselager

Regensburg.Erst grüßte der junge Iraker seinen Landsmann freundlich. Dann stach er von hinten mit einem Messer zu. Die Attacke ging für das Opfer (23) zum Glück glimpflich aus. Der mutmaßliche Täter, ein 20-jähriger Asylbewerber, steht seit Mittwoch wegen Mordversuchs vor der Jugendkammer des Landgerichts. Dem psychisch kranken Beschuldigten droht als Ergebnis des Verfahrens jedoch keine Strafe, sondern die dauerhafte Unterbringung in der Forensik. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann damals „nicht in der Lage war, das Unrecht seiner Tat einzusehen und danach zu handeln“. Er leidet an Schizophrenie.

Zum Auftakt des Prozesses schwieg der Beschuldigte. „Mein Mandant wird keine Angaben machen“, sagte sein Verteidiger Mathias Klose.

30 verschiedene Personalien

Nach Angaben der Ermittler wollte der 20-Jährige am 2. Oktober 2017 in die Asylbewerberunterkunft in der Bajuwarenstraße gelassen werden. Er hatte dort aber Hausverbot und kassierte eine Absage. Da verließen gerade ein paar Leute über das Drehkreuz die Einrichtung. Ein Mann (23), den er kannte, war dabei. Nach kurzer Begrüßung ging dieser weiter. Da zückte der Jüngere ein Cuttermesser mit ausgefahrener Klinge und stieß es dem anderen „heimtückisch“ von hinten in Richtung Hals – „um ihn zu töten“, so die Staatsanwaltschaft. Er traf jedoch, fünf Zentimeter höher, den Hinterkopf. Die Klinge brach am Schädelknochen ab. Der 20-Jährige wollte erneut angreifen. Da packte der verletzte 23-Jährige seinen Arm, verpasste ihm einen Faustschlag und stieß ihn weg. Die Security konnte den Angreifer überwältigen.

„Ihr könnt mich ruhig abschieben. Ich werde ihn auf jeden Fall irgendwann töten.“

Der Angeklagte bei der Vernehmung durch die Kripo

Die Sachbearbeiterin der Kripo berichtete im Zeugenstand, der Beschuldigte habe bisher „30 verschiedene Personalien und Geburtsdaten“ angegeben. Er sei mehrfach registriert, habe mehrere Geburtsurkunden. Sein Asylantrag wurde durch das Verwaltungsgericht Regensburg abgelehnt. „Eigentlich wäre er abzuschieben gewesen.“ Wegen der unterschiedlichen Personalien sei das Verfahren aber „noch in der Schwebe“. Auch das genaue Alter sei unsicher.

Wegen Unbotmäßigkeiten war der Mann schon vor der Attacke öfters verlegt worden. Auch wurde er bereits im Bezirkskrankenhaus behandelt. Dort soll er eine Mitpatientin vergewaltigt haben, sagte die Zeugin von der Kripo. Die Frau erstattete Anzeige. Der 20-Jährige ließ sich jedoch nicht begutachten. Er wurde wieder auf freien Fuß gesetzt und kam erneut in die Erstaufnahmeeinrichtung in der Zeißstraße. Laut Polizeiangaben wurde er auch schon bei einem Diebstahl erwischt und leistete danach Widerstand. Der 20-Jährige, der nicht lesen und schreiben kann, sagte bei seiner Vernehmung durch die Kripo immer wieder, er habe das Opfer töten wollen. „Ihr könnt mich ruhig abschieben. Ich werde ihn auf jeden Fall irgendwann töten. Es ist mir egal, wenn ich dafür lange ins Gefängnis muss.“ Dabei habe er oft vor sich hin gelächelt.

Seltsames Motiv

Zum Motiv gab er nach Worten der Kripobeamtin an, das Opfer sei „ein unwürdiger Mensch“. „Er kocht mit viel Fett und zupft sich die Augenbrauen. Dabei trägt er den Namen des Propheten. Ein Mann mit diesem Namen macht so etwas nicht.“ Gegenüber den Security-Leuten hatte der Beschuldigte zunächst erklärt, er wolle eine Frau besuchen. Dies bestritt er bei der Polizei.

Der Geschädigte konnte bei seiner Vernehmung keine Angaben zu einem möglichen Motiv machen: Er kenne den anderen Mann „nur vom Sehen“. Als er damals an ihm vorbei gegangen war, habe er hinten „einen Schlag“ verspürt und dann erst das Messer gesehen. Er wurde im Krankenhaus notärztlich versorgt und die Wunde genäht.

Der Prozess dauert an.

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