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Partnerprojekt

Mozart trifft das Herz Afrikas

„Hoffnung durch Musik“: Der Container mit 500 Instrumenten kam an. Joseph Wasswa brachte erste Bilder von der Baustelle mit.
Von Helmut Wanner

Sophia Schaaf, Joseph Wasswa und ihre Tochter Benita auf der Baustelle Foto: wasswa
Sophia Schaaf, Joseph Wasswa und ihre Tochter Benita auf der Baustelle Foto: wasswa

Regensburg.Der Container mit den gespendeten Musikinstrumenten aus Regensburg ist am Donnerstag vergangener Woche endlich am Zielort Massaka angekommen. Sieben Wochen war er am Zoll festgehalten worden. „Ich bin sprachlos“, sagt Projekt-Organisator Joseph Wasswa. „Das Pianohaus Metz hat allein einen Flügel und zwei Klaviere gestiftet. Die Tastatur wurde sogar neu lackiert.“

Es ist nun das Gebet von Joseph Wasswa, dass bis zum nächsten Musikworkshop der Sing- und Musikschule Regensburg im Herbst das erste Stockwerk der Musikschule vollendet ist. Dazu werden erstmals auch Instrumentenbauer wie Geigenbauer Goldfuß mitreisen, um den Handwerkern vor Ort Knowhow zu vermitteln. 43 Keyboards, 64 Gitarren, 100 Blockflöten vier Saxophone, zwei Contrabässe, ungezählte Blasinstrumente und ein gesamtes Veranstaltungsequipment (Mischpult und 12 Boxen) warten auf ihren Einsatz. „Die Jugendlichen wollen alle Instrumente lernen.“

Eine Drohnen-Aufnahme gewäjhrt diesen Blick auf die Baustelle. Foto: Wasswa
Eine Drohnen-Aufnahme gewäjhrt diesen Blick auf die Baustelle. Foto: Wasswa

Der Organisator des Partnerschaftsprojekts „Hoffnung durch Musik“ war gerade mit seiner Frau Sophia Schaaf und seiner kleinen Tochter Benita vor Ort. Er hat Fotos von der Groß-Baustelle mitgebracht. Er ist froh, zu berichten: Die „Nama-Agency“, eine staatlich anerkannte Baufirma, hat den Bau begonnen. In Masaka war der verstorbene Vater Wasswas Bürgermeister.

„Für die junge Bevölkerung ist Musik ein Sprungbrett für die Zukunft“

Joseph Wasswa

Zurück in Regensburg, entwickelt der Doktorand und Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung im Gespräch mit der Mittelbayerischen eine Vision, wie der IMLS-Campus in zehn Jahren aussehen wird. IMLS steht für „international school of music, languages and studio production“. Aufgrund der auf 900 gestiegenen Anzahl von Schülern wird das Gebäude in mehreren Phasen gebaut. Es wird aus drei Stockwerken bestehen, die u.a. Konzert-, Konferenz-, Büro-, Aufnahme-, Übungs-, Unterrichts- und Schlafräume enthalten. Um das auf 350 000 Euro Baukosten veranschlagte Projekt der Berufsschule zu stemmen, sucht „Hoffnung durch Musik“ Raum-Paten. Für 8000 Euro kann man einen Raum stiften, der den Namen des Sponsors tragen wird.

Mit so viel Freude wurde der Container aus Regensburg begrüßt.  Foto: Wasswa
Mit so viel Freude wurde der Container aus Regensburg begrüßt. Foto: Wasswa

Musik soll Hoffnung nach Afrika bringen: In der Musik sieht Wasswa viel Potenzial. Er sieht deswegen die IMLS auch als Zentrum für Musikproduktion. „Für die junge Bevölkerung ist Musik ein Sprungbrett für die Zukunft. Ihr Idol ist der Landsmann Bobi Wine (36), ehemaliger Musikstudent an der ugandischen Uni Makerere, weltweit bekannter afrikanischer Popstar, Ghetto-Präsident und gerade demokratisch gewählter Abgeordneter.“

Nach der Vision von Wasswa soll das Schulprojekt den Erwerb von Sprache fördern. „Um weltweit ein Stipendium zu erlangen, sind Sprachkenntnisse eine wichtige Voraussetzung“, weiß Wasswa. Den Wissenstransfer soll auch ein Freiwilligendienst fördern. Die Regensburger OTH Studentin Nicola Hudelmayer macht gerade ihr Praxissemester in Form eines Freiwilligendienstes vor Ort.

Die Jugendlichen von Masaka bejubeln die Ankunft des Instrumenten-Containers aus Regensburg. Foto: wasswa
Die Jugendlichen von Masaka bejubeln die Ankunft des Instrumenten-Containers aus Regensburg. Foto: wasswa

Ganz praktisch orientiert möchte die IMLS auch eine Ausbildungsnäheinrichtung errichten. „Mit den schönen afrikanischen Stoffen kann man einen internen und internationalen Markt gewinnen.“ Weitere Berufschancen sollen ermöglicht werden durch Ausbildungen in Architektur, Schreinerlehre, Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Verwaltungswesen, Journalismus, Tourismus um einige zu nennen. So kann die IMLS als Berufsschule ausgebaut werden.

Computervorkenntnisse, die bei vielen ugandischen Bildungseinrichtungen und später auch bei den meisten potenziellen Arbeitsgeber als Voraussetzungen gelten, stellen in Uganda eine große Lücke dar. Die IMLS möchte dementsprechend jungen Leute in diesem Bereich unterstützen.

Der Container ist da. Foto: Wasswa
Der Container ist da. Foto: Wasswa

Die IMLS möchte eine Werkstatt in Kooperation mit freiwilligen deutschen Geigenbauern und Klavierbaumeister einrichten, um junge talentierte Menschen auszubilden und die Wartung der gespendeten Instrumente nachhaltig sicherzustellen. Wasswa schwebt vor, dass Streichinstrumente vor Ort produziert werden. „Die Geige als eines der bekannten und beliebtesten Instrumente Ostafrikas bietet automatisch einen großen Markt.“

Eine große Open Air Konzertbühne ist geplant, um überregionales Interesse zu wecken. Sie wird mit multifunktionalen Möglichkeiten eingerichtet und an große Veranstaltungsfirmen für internationale Popkonzerte vermietet. Die IMLS selbst will zukünftig Konzerte aller Stillrichtungen anbieten. „Die Einnahmen daraus sollen helfen, die Fixkosten auszugleichen.“

Das Herz des Partnerschaftsprojekts: Wasswa und Wolfgang Graef
Das Herz des Partnerschaftsprojekts: Wasswa und Wolfgang Graef

Der Nachhaltigkeitsaspekt der Einrichtung spiegelt sich auch in der Ernährung wider. Eine Fläche soll zukünftig angeschafft werden, an der unter anderem Bananenplantagen, Mais, Kartoffeln, Manioc, Bohnen, Mangos, Avocados und andere Feldfrüchten in erster Linie für die Versorgung der Schule angebaut werden. Der Verkauf der Produkte soll eine Einnahmequelle für die IMLS schaffen.

Es ist ein Ziel von Joseph Wasswa, dass Musik vom Bildungsministerium als Pflichtfach eingeführt wird. IMLS möchte sich bewusst verpflichten, Lehrer auszubilden und dadurch die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. IMLS hat inzwischen zwölf Leute angestellt und trägt dadurch stark dazu bei die Lebendstandards der Menschen zu verbessern. 92 Prozent der Lehrergehälter übernimmt zurzeit der Förderverein für Musik und Kultur Uganda e.V.

Seit 2012 sammelt der Förderverein Gelder für das Pilotprojekt in Masaka. In Erinnerung ist vielen das Konzert „Mozart sucht Afrika.“ Joseph Wasswa meint: „Mozart und Afrika haben sich gefunden.“

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