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Debatte

Museumsdepot wird „keine grindige Halle“

Teure Pläne in Regensburg: „Hilflose“ Stadträte fordern Aufklärung über hohe Kosten für „Schmuckkästchen“ an der Autobahn.
Von Norbert Lösch

Auf dem Grundstück im Vordergrund wird das Museumsdepot gebaut, Nachbar ist ein Autohaus. Im Hintergrund sind die Continental Arena und das Uniklinikum zu sehen. Foto: Lex
Auf dem Grundstück im Vordergrund wird das Museumsdepot gebaut, Nachbar ist ein Autohaus. Im Hintergrund sind die Continental Arena und das Uniklinikum zu sehen. Foto: Lex

Regensburg.Die erneut stark gestiegenen Baukosten für ein neues Museumsdepot der Stadt haben jetzt zu einer Debatte im Rathaus geführt. Stadträte aller im Bauausschuss vertretenen Parteien forderten am Dienstagabend Informationen darüber ein, warum für das Projekt mittlerweile mit Kosten von mehr als 23 Millionen Euro gerechnet wird. In der Sitzung ging es auch um die Frage, ob die geplante künstlerisch gestaltete Fassade zu weiteren Mehrkosten führt, und um mögliche Zuschüsse.

Bürgermeister verteidigt Kosten

Bürgermeister Jürgen Huber verteidigte das Projekt auch gegen den Vorwurf, es sprenge jeden bisher genannten Kostenrahmen. Am Standort an der Franz-Josef-Strauß-Allee entstehe schließlich „keine grindige Lagerhalle, sondern unser Schmuckkästchen“.

Bauen

Museumsdepot wird nochmal teurer

Das Zentraldepot für die Museen Regensburgs und das Archiv soll nun mehr als 23 Millionen Euro kosten – und Ende 2021 stehen.

Michael Hermann, Leiter des städtischen Hochbauamts, machte deutlich, dass zum einen vom Stadtrat zusätzlich gewünschte Funktionen und hohe technische Anforderungen, aber etwa auch der zunächst nicht vorgesehene Bau eines Regenrückhaltebeckens auf dem Grundstück zu den höheren Kosten führten. Die jetzt berechnete Summe von rund 23,4 Millionen Euro sei insofern fix, als sie alle zusätzlichen Posten einschließlich der zu erwartenden Baukostensteigerung und des Fassaden-Wettbewerbs beinhalte.

„Das wird keine grindige Lagerhalle, sondern unser Schmuckkästchen.“

Jürgen Huber, Bürgermeister

Wie berichtet, wird das neue Lager für Regensburgs nicht öffentlich gezeigte Kunst- und Kulturschätze auch deswegen teurer, weil es erst 2021 und damit letztlich drei Jahre später fertig werden soll als ursprünglich geplant. Einen – durchaus realistischen – Baukostenindex von fünf Prozent jährlich zugrundegelegt, bedeutet ein Jahr Verzögerung rund eine Million an Mehrkosten. Und allein für die Technik des Gebäudes mit einer Fassadenlänge von rund 100 Metern sind mehr als fünf Millionen Euro veranschlagt.

„Eine gewisse Hilflosigkeit“

Auch sakrale Kunstwerke schlummern in den Depots der städtischen Museen. Alle Schätze sollen samt dem Stadt-Archiv unter ein Dach. Foto: Lex
Auch sakrale Kunstwerke schlummern in den Depots der städtischen Museen. Alle Schätze sollen samt dem Stadt-Archiv unter ein Dach. Foto: Lex

Trotz teils vehementer Kritik stimmten alle Ausschussmitglieder für die Vorlage der Verwaltung und akzeptierten damit auch die Gesamtkosten. Der Grundsatzbeschluss für den Neubau wurde schon vor Jahren gefasst, die Pläne sind mittlerweile eingabereif. Weil es in diesem Stadium kein Zurück mehr gibt, sah Margit Kunc (Grüne) „eine gewisse Hilflosigkeit“ des Stadtrats. Erstaunlich sei allerdings, „wie lange manche Dinge dauern“, was ein wesentlicher Grund für die erhebliche Kostenüberschreitung sei.

Benedikt Suttner (ÖDP) konnte nicht nachvollziehen, dass es 2015 angeblich sehr sorgfältige Vorarbeiten und eine Exkursion nach Freiburg zum dortigen Museumsdepot gegeben habe und die Kosten im Vergleich zu damals jetzt satte zehn Millionen Euro höher sind. Es sei „unbefriedigend“, dass sich die Planungen so lange hingezogen haben und das Ergebnis eine finanzielle Dimension hat, die so nicht zu erwarten war. Suttner und Richard Spieß (Linke) befürchteten auch, dass angesichts der ausgelasteten Bauwirtschaft und der noch vagen Fassadengestaltung das Ende der Fahnenstange noch gar nicht erreicht sein könnte.

Dr. Thomas Burger (SPD) findet die Entwicklung nur noch „ärgerlich“, und Dr. Josef Zimmermann (CSU) hat den Eindruck gewonnen, „das wird immer mehr ein Wunschkonzert“. Er stellte auch die Frage in den Raum, ob das Bauwerk in einem gewerblichen Umfeld wirklich eine künstlerisch gestaltete Fassade braucht: „Wir reden hier von einem Lager, wenn auch für hochwertige Kulturgüter.“

Die Ansprüche sind gewachsen

Hochbauamtsleiter Michael Hermann widersprach insofern, als er darstellte, dass Funktion und Konzept auf Wunsch des Stadtrats zuletzt 2018 deutlich erweitert wurden. Das Gebäude sollte eben nicht mehr nur als Lager dienen, sondern auch Werkstätten, Verwaltung und Räume für die Forschung aufnehmen. Mehrkosten seien zudem wegen des hohen Sicherheitsstandards und einer zentralen Staubabsauganlage entstanden. Die aktuelle Kostenberechnung sei „auf einem sehr genauen Stand“.

Zuschüsse von maximal vier Millionen Euro möglich

Laut Stadtkämmerer Maximilian Mittermaier sind für das Gebäude an der A3, das Zentraldepot der städtischen Museen und neues Stadtarchiv werden soll, aus verschiedenen Töpfen Zuschüsse von maximal vier Millionen Euro zu erwarten. Die Anträge seien gestellt, es gebe zwar Signale, aber noch keine festen Zusagen.

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