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Regensburg
Mittwoch, 19. September 2018 28° 1

Volksmusik.

Musikantenstadl ist Balsam für das Gemüt

Auch wenn der Sinn in den Texten völlige Nebensache ist: Andy Borg und seine Stars verzaubern das Publikum in der Donau-Arena.
Von Angelika Lukesch, MZ

  • Andy Borg moderiert den Musikantenstadl. Alle Fotos: Jens Niering
  • Die Falkensteiner Blaskapelle hatte den MZ-Videowettbewerb gewonnen und durfte den Musikantenstadl eröffnen.

Regensburg.Am Freitagabend um halb acht Uhr ist es endlich soweit. Die Musikantenstadl-Zeit bricht an und die erwartungsvolle, freudige Atmosphäre, die bei den mehr als 2000 Besuchern in der Donau-Arena herrscht, wird abgelöst durch die gute Laune, die sich schon bei den ersten musikalischen Klängen an diesem Abend breitmacht. Mit dem Marsch „Grüße aus dem Egerland“ ziehen die „Falkensteiner Musikanten“ in die Donauarena ein. Sie sind das Lokalelement der Tournee-Show des „Stadls“. Stolz führt Dirigent Eduard Ablyakimov-Maier seine Blaskapelle bis ganz nach vorne und es zeigt sich, dass die Blasmusik in der Region keine Nachwuchssorgen hat. Lauter junge Gesichter sind zu sehen, der Lohn der Jugendarbeit, der dem Vorstand der Falkensteiner Musikanten, Reinhard Greiml, besonders am Herzen liegt. Gefiebert hätten sie vor dem Auftritt, berichtet der Dirigent der MZ, und es sei eine „ganz tolle Erfahrung“, beim Musikantenstadl mitmachen zu dürfen.

Der Borg hat nur Spaß

Dann erscheint Moderator Andy Borg auf der Bühne, begrüßt die Falkensteiner Musikanten, freut sich an den jungen Menschen und hat sein Publikum sofort im Griff. Borg moderiert den „Stadl“ schon seit zehn Jahren und vermittelt den Zuschauern dennoch die Gewissheit, dass er selbst jede Minute der Show genießt. Mit seiner kraftvollen Stimme, der Quicklebendigkeit und offenen Art findet er sofort Kontakt zum Publikum. Vor allem die kleinen Witzchen, mit denen er sich selbst auf die Schippe nimmt, nehmen seine Fans für ihn ein, denn die Botschaft ist klar: Ich bin gerne hier bei euch und ich habe Spaß!

Routinier Borg hält sein Tempo und die Aura der ansteckend guten Laune die vollen drei Stunden „Stadl“-Zeit durch und wirkt am Ende immer noch so, als könnte die Show nochmal solange weitergehen. Gleich zu Beginn stellt er alle Künstler vor, mit denen er den Musikantenstadl 2015 „aufbaut“. Zusammen mit dem Moderator nehmen die Schweizer Schlagersängerin Monique, die Volksmusikantin Melissa, die „Dorfrocker“ und Patrick Lindner die Bühne zusammen mit dem Deutschen Showballett Berlin und dem Orchester Otti Bauer ein, um die gemeinsame Musikantenstadl-Hymne zu singen: „Heut ist Stadl-Zeit…“. Dieser Einstieg in die Show hat Tradition und wird bei jedem Stadl so zelebriert - ein geschickt eingebauter Wiedererkennungseffekt, der ein Gefühl von Vertrautheit vermittelt. Hier gibt es keine Irritationen durch bombastische Showeffekte, hier wird Gemütlichkeit zelebriert und gute Laune zielstrebig aufgebaut.

Zicke-Zacke hoi, hoi, hoi ...

Nach dem gemeinsamen Intro zeigen die einzelnen Künstler, was sie dem Publikum mitgebracht haben. Schlagersängerin Monique schlägt die Zuschauer mit eingängigen Schlagern, wie „Einmal so, einmal so, einmal so lala“ und „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ schnell in ihren Bann. Das Duett mit Andy Borg „Freunde fürs Leben“ rundet ihren Auftritt gemütvoll ab. Mit den „Dorfrockern“, drei Brüdern aus Franken, erlebt das Publikum einen Auffrischungskurs in Sachen Jugendlichkeit. Die jungen Musiker mischen die Donauarena mit Stimmungsliedern auf, deren Refrain schon mal heißt „… Der teuerste Wald ist der Rechtsanwalt… „ oder „Zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi!“.

Der Sinn ist Nebensache

Mit dem Song „Die Tiefkühlpizza“ beweisen die Dorfrocker außerdem, dass für sie die Sinnhaftigkeit eines Textes völlige Nebensache ist. Als Newcomerin bezeichnet Andy Borg die junge Akkordeonspielerin Melissa, die in knackigen Lederhosen auf die Bühne springt und mit ihren Künsten auf dem steirischen Akkordeon brilliert. „Für euch gebe ich alles!“ verspricht sie und beschreibt in ihrem Song „Das Gänsehautgefühl“ die Freude, die sie beim Auftritt in Regensburg verspüre.

Es rauscht der Böhmerwald

Mit Patrick Lindner betritt ein langjähriger Star der Volksmusikszene die Bühne. Lindner, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert, singt sich mit Liedern wie „Dann kamst du“, „Die kleinen Dinge des Lebens“ und einem ganzen Potpourri aus Böhmerlandliedern, wie „Aus Böhmen kommt Musik“ oder „Es war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand“ in die Herzen vor allem des älteren Publikums. Viele grauhaarige Damen und Herren singen mit und die Freude über die vertrauten Klänge ist den Senioren ins Gesicht geschrieben. Neben all den harmonischen Rhythmen, dem Charme der Künstler und den virtuosen Fähigkeiten des Orchesters ziehen die vier Tänzer des Showballetts Berlin die Augen mit sehenswerten Tanzeinlagen auf sich.

Auch das Amtsgericht ist dabei

Als Schmankerl für das Publikum gibt es im zweiten Teil der Show eine Szene aus dem „Königlich bayerischen Amtsgericht“ zu sehen – ebenfalls ein Tribut an die Zuschauer jenseits der 50. Aus dem Publikum wählt Andy Borg einen Mitspieler, den „Harald aus Sattelbogen“, der den Amtsdiener spielt. Die Gerichtsverhandlung dreht sich um einen Heiratsschwindler (Andy Borg), zwei betrogene Frauen (Monique und Melissa), Amtsrichter ist Patrick Lindner. Nutznießer sind drei junge Burschen alias die „Dorfrocker“. Die Dialoge werden in Liedform dargebracht und geben noch einmal Gelegenheit den Künstlern, Hits zu intonieren, die die ganze Donauarena kennt, angefangen bei „Ich will der Knopf an deiner Bluse sein“ bis hin zu „So schön kann doch kein Mann sein“. Viele Oldies erklingen bei Musikantenstadl 2015 und garantieren den Zuschauern einen Abend des Mitsingens und Schunkelns. Auch Andy Borg greift zurück auf seine eigene Schlagerkarriere und sinkt zum Entzücken seiner Fans mit den „Fischern von San Juan“ seinen größten Hit. Nach einem ganzen Abend unbeschwerter Unterhaltung wirkt das Publikum heiter und gesättigt vom Wohlgefühl, das entsteht, wenn man das bekommen hat, worauf man sich schon so lange gefreut hat. Andy Borg und seine Künstler haben den Fans des Musikantenstadls volle Leistung abgeliefert.

Bildergalerie Musikantenstadl
Falkensteiner Musikanten beim Musikantenstadl

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