MyMz
Anzeige

Muttertagsmarathon: Die Torte kam danach

Der Regensburg-Marathon begeisterte 4800 Läufer. Kinder schrieben Durchhalteparolen und Besen-Tom kehrte alle zusammen.
Von Heinz Klein, MZ

  • Zwei halten zusammen. Foto: altrofoto.de
  • Die hungrigen Teilnehmer futterten insgesamt 1,2 Tonnen Nudeln. Foto: altrofoto.de
  • Die Maskottchen Mara und Thoni feuerten die Läufer an. Foto: altrofoto.de
  • Der Lohn der Mühen Foto: altrofoto.de

Regensburg.Jean-Mary Martel macht kurz vorm Lauf noch „Büroarbeit“ und schreibt sich als Drei-Stunden-Läufer mit Kugelschreiber die Zeiten auf den Unterarm, die er an den Kontrollstationen exakt einzuhalten hat. Und Tom Schröder schwingt gut gelaunt den Besen. Als Schlussläufer muss er die letzten Kämpfer auf der Strecke zusammenkehren. Vergangenes Jahr brachte er das Schlusslicht nach 5 Stunden 40 Minuten ins Ziel. „Hoffentlich geht’s diesmal schneller“, grinst der Ultra-Läufer, der schon 166 Kilometer um den Mont Blanc gelaufen ist und heute seinen 78. Marathon trabt. „Ich rede ihnen gut zu und erzähle ihnen von meinen Leiden“, verrät Tom seine Motivationstricks. Am härtesten war es mit einem Griechen, der schon draußen bei Continental aufgeben wollte.

Tom Schröder „kehrte“ ihn bis zum Ostentor, wo ihn Landsleute wieder aufrichteten. Was die ihm auf Griechisch zuriefen, blieb allerdings ein Geheimnis.

Reiner aus Schwandorf trägt etliche kleine Fläschchen am Gürtel. Nein, kein Sprenggürtel, gesteht er: „Ist Cola mit Salz drin – für die letzten zehn Kilometer.“ Auch musikalisch hat er den Lauf durchkomponiert. Der Knopf im Ohr liefert für die erste Hälfte Schlagermusik, für die zweiten 21 Kilometer Techno.

Bei herrlichem Frühlingswetter gingen in Regensburg 4800 Freizeitsportler über die verschiedenen Distanzen an den Start. Video: D&G Media

Motivation für Papa

Ein bestens gelaunter Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gesteht, dass er am Vortag beim Ostwind-Marathon schon nach 300 Metern von 200 Kindern überholt wurde und natürlich sofort aufgegeben hat. Den Läufern gibt er nun beim Start viele gute Wünsche mit auf den langen Weg. Schnell werden noch letzte Selfies gemacht, die Uhren gedrückt und los geht’s: in einer fein duftenden Wolke von Duschgels aller Geschmacksrichtungen traben an die 4000 Läufer los.

Musik machte an 18 „Erlebnisnestern“ müde Beine wieder munter. Foto: altrofoto.de
Musik machte an 18 „Erlebnisnestern“ müde Beine wieder munter. Foto: altrofoto.de

Die zwölfjährige Emma und ihre kleine Schwester Pauline (8) vollenden wenige Minuten später am Arnulfsplatz gerade ihre Straßenmalerei, die der Motivation von Papa Gregor dient. Papas Startnummer 414 steht auf dem Asphalt und dazu haben Emma und Pauline mit Kreide einen Weihnachtsbaum gemalt. „Er will aber schon vor Weihnachten im Ziel sein“, sagt Mama Katja mit einem schelmischen Grinsen. An mindestens zehn Stellen haben die Töchter Botschaften für Papi aufgemalt. Auch „Quäl dich, du Sau!“ steht dort. Das hat sich Papa unbedingt gewünscht. Es ist der legendäre Satz, der Jan Ulrich 1997 auf der Tour de France zugerufen wurde und bei ihm allerletzte Reserven mobilisiert hat.

In Straßencafés genießen Frühaufsteher ihren Cappuccino genüsslich in der Morgensonne und feueren die Läufer mit guten Wünschen an. Vorm Hofbräuhaus lässt sich ein Passant das erste Weißbier schmecken und prostet den Unbeirrbaren zu, die tapfer weiter traben und wenige Meter später für ihre Willensstärke von einer bildschönen Feuerwehrlerin mit einem bezaubernden Lächeln gedopt werden.

Im Video sehen Sie, welche Strecke die Läufer zurücklegen mussten:

Sehen Sie die Strecke im virtuellen Rundlfug Video: Rieder

Die Agnes- Bernauer wartet

Derweil scharen sich am Zieleinlauf Familienmitglieder, um auf die ersten ankommenden Halbmarathonläufer zu warten. Die Oberpfälzer Bierkönigin Julia und ihre assistierende Bierprinzessin Lisa hängen den schnellsten eintreffenden Läufern Medaillen um und bekommen dabei so manchen Schweißtropfen ab. „Macht aber nix“, sagen sie freundlich lächelnd. Bischofshof-Brauereidirektor Hermann Goß drückt seiner ankommenden Mitarbeiterin Christine gleich nach dem Ziel anerkennend einen Becher Bier in die Hand. Dagegen haben die beiden Kinder Lena und Ben für ihre schnelle und sowieso allerbeste Mama eine Muttertags-Rose parat. Und diese Mama hat nach 31,2 Kilometern und einem 170 Minuten-Lauf einen Riesen-Eisbecher und ein superdickes Stück Agnes-Bernauer verdient.

Geschafft: Viele Mütter gönnten sich zum Muttertag einen Viertel-, Halb oder Dreiviertel-Marathon. 118 Frauen liefen auch die 42,2 Kilometer. Foto: altrofoto.de
Geschafft: Viele Mütter gönnten sich zum Muttertag einen Viertel-, Halb oder Dreiviertel-Marathon. 118 Frauen liefen auch die 42,2 Kilometer. Foto: altrofoto.de

Lesen Sie mehr zum Regensburg Marathon: Beste Stimmung, viele Schweißtropfen, keine Unfälle – das war der Jubiläumsmarathon. Und: Wunder-Wondi und der große Unbekannte – ein blutjunger Äthiopier schlägtsofort ein Höllentempo an und siegt im Halbmarathon.

Den Muttertag feieren übrigens viele Mütter „laufend“. Beispielsweise neun Frauen aus Augsburg, die sich den Regensburg Marathon als Muttertagsgeschenk gewünscht haben. Sie kamen am Freitag, genossen Regensburg am Samstag, laufen am Sonntag ihren Viertel-Marathon und schlemmen danach noch eine extragroße Pizza in der Altstadt, ehe sie medaillenbeladen nach Hause fahren.

Tina Fischl vom WSV Otterskirchen hat den Dreiviertel-Marathon schon hinter sich und war die erste Frau im Ziel. Jetzt steht sie im Einkaufszelt und begutachtet das Sortiment. All die Smoothies, Energizer und Power-Gels braucht sie ja nicht mehr, probiert aber schnell noch schnelle Schuhe. „Die Stimmung unterwegs war genial“, schwärmt sie. Dann geht’s nach Hause, Muttertag feiern.

Windhunde nicht zugelassen

Die 10,5 Kilometer hat auch Stephan aus Landshut noch vor sich. Vicki würde gerne mitlaufen, aber sie darf nicht, was Stephan sehr bedauert. „Sie wäre sowieso viel schneller als ich“, gesteht er. Aber Vicki ist ein Windhund und Hunde dürfen beim Regensburg Marathon nicht mitlaufen. Nicht mal ein Dackel darf das.

In unserem NewsBlog bekommen Sie einen Eindruck, was auf und neben der Strecke los war:

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht