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Regensburg
Montag, 23. April 2018 22° 8

Projekt

Nach 34 Kilometern folgte der Knall

Spannender Versuch: Ein Regensburger Schüler ließ einen Ballon in die Stratosphäre steigen, wo dieser platzte.
Von Daniel Geradtz, MZ

  • Schüler Karim Belkacem (r.) ist die treibende Kraft hinter dem Ballon-Projekt. Foto: Geradtz
  • Gleich geht es los: Der Ballon wird startklar gemacht. Foto: Geradtz

Regensburg.Je mehr sich der große Ballon mit Helium füllt, desto intensiver spielt der Wind mit ihm. Immer heftiger schlägt er von der einen zur anderen Seite aus. Der Helfer benötigt viel Kraft, um ihn in Position zu halten, schließlich dauert es rund 30 Minuten, bis der Ballon voll ist. Er darf ihn lediglich mit Handschuhen anfassen. Schon die kleinste Berührung könnte das Material beschädigen.

Für das Ballon-Projekt ist Karim Belkacem verantwortlich. Er ist Schüler der Beruflichen Oberschule Regensburg. „Ich möchte herausfinden, wie sich der Luftdruck und die Temperatur in Relation zur Höhe verhalten“, erklärte er beim „Launch“ am Dienstag. Denn physikalische Formeln lieferten nur Annäherungen.

Amateurfunker helfen aus

Belkacem ließ den Ballon bis in die Stratosphäre aufsteigen. Bei einer Geschwindigkeit von etwa zwölf km/h und in einer Höhe von 34 Kilometern kam es zum großen Knall. Wegen des geringen Luftdrucks in der Umgebung platzte der Ballon. Auf dem Weg sammelte die Technik, die mit dem Ballon in die Höhe geschickt wird, wertvolle Daten. Sie wiegt gute 1,5 Kilogramm. Trotz seines Durchmessers kann der Ballon nur maximal zwei Kilogramm tragen.

Die Technik wird vorbereitet. Foto: Geradtz

Die Geräte hängen an einer Styroporkiste am Ballon. Sie ist gut isoliert, damit die Technik auch in der Höhe noch arbeiten kann. Denn die Außentemperatur kühlte auf bis zu minus 20 Grad Celsius ab. Damit die Box die Rückkehr auf den Erdboden übersteht, bremst ein Fallschirm sie während des Falls ab.

Schüler Karim Belkacem ist Funkamateur. Einige Vereinskollegen des Deutschen Amateur Radio Club (DARC) unterstützten ihn in seinem Vorhaben. Sie empfingen die Daten, die der Ballon auf die Erde funkte und stellten sie in Echtzeit ins Internet. So konnten User die Position jederzeit abrufen. „In der Höhe hat man wie im Flugzeug keinen Handyempfang. Da muss man funken“, erklärte Tobias Christoph, Vorsitzender des DARC-Ortsverbands Regensburg (U13).

Die Technik gibt es in der verwendeten Konfiguration nicht zu kaufen. Belkacem musste sie selber zusammenstellen und bis zur letzten Sekunde programmieren. Das dauerte etwa ein halbes Jahr. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 1200 Euro.

Ballon reist nach Niederbayern

Karim Belkacem und seine Lehrer verfolgen den Flug des Ballons. Foto: Geradtz

Schulleiterin Angela Hendschke-Lug bekräftigte, dass das Projekt nur mit Hilfe der Sponsoren durchgeführt werden konnte. Neben der Regensburger Niederlassung von Infineon unterstützten auch die Maschinenfabrik Reinhausen, der Bundestagsabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld und der Rotary Club Regensburg-Porta Praetoria mit Dr. Harro Lührmann und Walter Fetzer die Idee.

Während des Steigflugs wurde der Ballon Richtung Südosten bis ins niederbayerische Rottaumühle getragen, ehe ihn Westwinde wieder einige Kilometer in die Herkunftsrichtung bliesen. Bei Hengersberg platzte der Ballon. Die Blackbox segelte in Fürstenstein langsam auf den Boden zurück.

Die Technik

  • Sensoren:

    Mit den Sensoren konnten jederzeit Daten wie die Außentemperatur, die Innentemperatur und der Luftdruck gemessen werden.

  • Kameras:

    Zwei Kameras filmten den Flug. Eine funkte in regelmäßigen Abständen Fotos an den Empfänger, der sie ins Internet stellte. Die andere Kamera zeichnete die Daten intern auf.

  • GPS:

    Der GPS-Sender zeigte die aktuelle Position des Ballons. So konnten auch die Steiggeschwindigkeit oder die Höhe ermittelt werden.

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