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Wechsel

Nach sieben Jahren endet die Ära Ball

Dr. Rafael Ball leitet ab März die Bibliothek der ETH Zürich. In Regensburg hat er Open Access und Datenmanagement ausgebaut.
Von Louisa Knobloch, MZ

Seit 2008 leitet Dr. Rafael Ball die Universitätsbibliothek Regensburg. Zum 1. März 2015 wechselt er an die ETH Zürich.
Seit 2008 leitet Dr. Rafael Ball die Universitätsbibliothek Regensburg. Zum 1. März 2015 wechselt er an die ETH Zürich. Foto: Knobloch

Regensburg.Der Allgemeine Lesesaal der Regensburger Universitätsbibliothek ist an diesem Nachmittag gut besucht. Neben Büchern, Notizblöcken und Stiften stehen auf vielen Tischen auch Wasserflaschen. Dass in den Lesesälen getrunken werden darf, ist eine der Änderungen, die Dr. Rafael Ball als Direktor der Bibliothek eingeführt hat. „Die Arbeitsbedingungen für die Studierenden sollten entspannt sein“, sagt er. Ihm ist es wichtig, dass die Bibliothek als Lernraum wahrgenommen wird, in dem man sich gerne aufhält.

Seit Oktober 2008 steht der promovierte Biologe Ball an der Spitze der Universitätsbibliothek Regensburg. In wenigen Monaten, zum 1. März 2015, wird er die Leitung der Bibliothek der ETH Zürich übernehmen. Die Eidgenössische Technische Hochschule gehört Rankings zufolge zu den besten Hochschulen Europas. „Die ETH spielt in einer ganz anderen Liga, auch was die Bibliothek betrifft“, sagt der 50-Jährige. Er freue sich auf die neuen Herausforderungen. Beispielsweise möchte er das Thema Bibliometrie – also die Messung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen – an der ETH stärker etablieren, Synergien im IT-Bereich schaffen und die Sammlungen der Hochschule für Forscher und Öffentlichkeit besser zugänglich machen.

Dienstleistungen für die Forschung

Zürich sei zudem eine „wunderbare Stadt“ – ebenso wie Regensburg. „Meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl und haben viele Freunde“, sagt Ball. Nach Regensburg werde er daher immer gerne zurückkommen.

Die Universitätsbibliothek sieht er gut für die Zukunft aufgestellt. Zum einen wurde unter seiner Leitung der Bereich Open Access ausgebaut. Dabei stellen Wissenschaftler ihre Arbeiten frei zur Verfügung. „Wir haben unseren Server auf eine moderne Software umgestellt und den sogenannten ,Goldenen Open-Access-Weg‘ etabliert“, erläutert Ball. Dabei bezahlt die Bibliothek nicht mehr das Abo für eine Fachzeitschrift beim Verlag, sondern für die Publikation des Autors. Die Elektronische Zeitschrift steht dann weltweit kostenlos zur Verfügung.

Seit etwa anderthalb Jahren steht auch das Thema Datenmanagement stärker im Fokus. Hier geht es darum, Forschungsdaten – etwa aus wissenschaftlichen Experimenten oder Umfragen – zu strukturieren, zu archivieren und sie so der wissenschaftlichen Community zur Verfügung zu stellen. „So können Experimente überprüft oder Daten für andere Fragestellungen genutzt werden“, sagt Ball. An den meisten Universitäten stecke dieser Bereich noch in den Kinderschuhen. „In Regensburg haben wir das Datenmanagement als eine weitere wichtige Dienstleistung für Wissenschaft und Forschung etabliert.“

24-Stunden-Bibliothek blieb Traum

Als Sprecher des Regensburger Bibliotheksverbunds (RBV) macht Ball sich seit 2009 für die Vernetzung der regionalen Bibliotheken und Archive stark. „Ziel ist es, die Dienstleistungen für die Nutzer von bibliothekarischen Angeboten in Regensburg zu vereinfachen“, sagt er. Das gilt auch für die Universitätsbibliothek: Hier wurden Scanner angeschafft, an denen Studierende die eingescannten Seiten direkt auf USB-Sticks speichern können. In sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter sind Balls Kollegen ebenfalls aktiv: „Wir müssen als Bibliothek alle verfügbaren Kanäle nutzen, um die Studierenden anzusprechen.“

Manche Ziele konnte Ball allerdings nicht verwirklichen: „Ich wollte eine 24-Stunden-Öffnung in allen Lesesälen umsetzen“, sagt er. Doch das Projekt scheiterte aus Kostengründen. „Das ist schade, aber man muss auch realistisch sein“, so Ball. Dennoch seien die Öffnungszeiten der Lesesäle in den vergangenen Jahren deutlich erweitert worden, teils bis 24 Uhr.

Handlungsbedarf sieht er bei den Beständen: „Der Erwerbungsetat ist insbesondere für die Naturwissenschaften viel zu gering“, sagt Ball. Um diese „Mangelversorgung“ mit wissenschaftlicher Literatur und Fachzeitschriften zu beheben, müsste das Dreifache des aktuellen Etats ausgegeben werden, rechnet er vor. An der ETH Zürich als Technischer Hochschule liegt der Schwerpunkt auf Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik. „Das Fächerspektrum ist enger als in Regensburg, muss aber tiefer versorgt werden.“

Vor Balls Wechsel steht noch ein Jubiläum an: Im Dezember wird die Gründung der Universitätsbibliothek Regensburg vor 50 Jahren gefeiert. „Die UB ist eine Erfolgsgeschichte“, betont Ball. Hier seien von Anfang an moderne Ideen umgesetzt worden – etwa mit der sogenannten Regensburger Verbundklassifikation. „Diese Aufstellungssystematik ist seither maßgeblich für wissenschaftliche Bibliotheken in Bayern und darüber hinaus.“ Auch die Gründung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) unter seinem Vorgänger Friedrich Geißelmann sei ein Meilenstein gewesen. Wer sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird, weiß Ball noch nicht. „Er oder sie wird die Bibliothek aber sicherlich genauso erfolgreich leiten.“

Werdegang

  • Studium

    Rafael Ball, Jahrgang 1964, studierte Biologie, Slawistik und Philosophie an den Universitäten Mainz, Warschau und Smolensk und wurde 1994 am Institut für Allgemeine Botanik der Universität Mainz promoviert.

  • Bibliothekar

    Von 1994 bis 1996 qualifizierte Ball sich an der Bibliotheksfachschule in Frankfurt am Main zum wissenschaftlichen Bibliothekar; sein Referendariat absolvierte er an der Universitätsbibliothek Freiburg.

  • Jülich

    Ab 1996 war Ball zunächst in der Benutzungsabteilung der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich tätig. Von 1998 bis 2008 leitete er dann die Zentralbibliothek.

  • Regensburg

    Seit Oktober 2008 ist Ball Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg und damit Nachfolger von Max Pauer (1964 bis 1989) und Friedrich Geißelmann (1990 bis 2008).

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