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Aktion

Nach vier Jahren der Retter in der Not

Christian Söllner ließ sich 2014 beim Leukämielauf typisieren. Groß war seine Überraschung, als er jetzt gebraucht wurde.
Von Lisa Pfeffer

Christian Söllner hofft, den Empfänger seiner Spende irgendwann kennen lernen zu können. Foto: altrofoto.de
Christian Söllner hofft, den Empfänger seiner Spende irgendwann kennen lernen zu können. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Kneifen war nie eine Option. Obwohl Christian Söllner bis zum letzten Moment „nein“ hätte sagen können. Obwohl für die Spende eine OP erforderlich war. Obwohl er eigentlich gar nicht mehr damit gerechnet hätte, als Spender gebraucht zu werden. Obwohl die Typisierung beim Leukämielauf 2014 „nur aus Gaudi“ war. Seit dem 13. September diesen Jahres stehen Stammzellen des 41-Jährigen einem krebskranken Patienten zur Verfügung. In welchem Land dieser lebt, ob männlich oder weiblich, wie alt er ist – das alles weiß Söllner nicht. Er weiß nur eins: Dieser Mensch hat Leukämie und braucht ihn, um weiter zu leben.

Söllner wohnt alleine in Beratzhausen und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr – er ist also geübter Lebensretter. Er selbst würde das jedoch nie so von sich sagen. Für ihn ist es selbstverständlich zu helfen. Auch Blutspender ist er schon seit mehreren Jahren. Wie das 2014 beim Leukämielauf alles war, kann er gar nicht mehr so genau sagen.

„Mir wurde ein bisschen Blut abgenommen und dann hab ich das Ganze eigentlich auch wieder vergessen“

Christian Söllner, Spender

Söllner ist kein leidenschaftlicher Läufer, er hat aus „Spaß an der Freude“ mitgemacht. Die Typisierung ging nur nebenbei über die Bühne. „Ich hab mir da keine Gedanken gemacht. Mir wurde ein bisschen Blut abgenommen und dann hab ich das Ganze eigentlich auch wieder vergessen“, sagt der 41-Jährige.

Plötzlich ging es ganz schnell

Beim Leukämielauf kann man sowohl fünf als auch zehn Kilometer laufen. Foto: Lex
Beim Leukämielauf kann man sowohl fünf als auch zehn Kilometer laufen. Foto: Lex

In dem Moment, als Christian Söllner schon wieder mit der Sache abgeschlossen hatte und seinen Fünf-Kilometer-Lauf absolvierte, wurde er als Spender in eine weltweite Datei aufgenommen. In die Datei, in der immer noch viel zu wenig Stammzellenspender sind. Jeder zehnte Krebspatient in Deutschland findet keinen passenden Spender. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Beim Leukämielauf ist die Typisierung bei der AKB (Aktion Knochenmarkspende Bayern) kostenlos. Auf anderem Wege – zum Beispiel über den Hausarzt – kostet sie circa 35 Euro. Manuela Ortmann von der AKB sieht darin einen Grund, warum es zu wenig Spender gibt. „Die Leute wollen eben nicht auch noch dafür zahlen, um jemandem zu helfen.“ Deshalb solle man die Chance beim Leukämielauf nutzen, um sich kostenlos typisieren zu lassen.

So läuft eine Typisierungsaktion ab

Das Beispiel von Söllner zeigt: Die Registrierung hat damals zwar nichts gekostet, war aber keinesfalls umsonst. Fast vier Jahre später, im Juni diesen Jahres, bekam er nämlich eine E-Mail von der AKB mit der Bitte, sich zu melden. Er komme als Spender in Betracht. Das war der Moment, in dem Söllner angefangen hat, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und dann ging alles ganz schnell: Der Hausarzt nahm ihm vier Röhrchen Blut ab, die wurden zur Untersuchung geschickt. Er war nun aus der allgemeinen Spendedatei draußen, nur noch für den einen Patienten reserviert. Trotzdem war die Chance nur bei 1:8, dass Söllners Blut wirklich passt. Er fing an mitzufiebern. „Das beschäftigt einen dann täglich“, sagt er. Im August schließlich der Anruf: Mit den Werten stimmt alles, er ist der passende Spender für „seinen“ Patienten.

Engagement

Run auf 20. Regensburger Leukämielauf

Die maximale Läuferzahl von 3500 wurde schon erreicht. Am 7. Oktober geht es los. Helfen kann man trotzdem noch.

Es folgten umfangreiche Voruntersuchungen. Der Empfänger brauchte Söllners Knochenmark. Das bedeutet: OP unter Vollnarkose. Der OP-Termin wurde gleich vereinbart. „Da dachte ich mir dann schon: ‚Oh je, jetzt geht‘s los.‘“ Doch Söllner wollte es so. Er war entschlossen, nicht lange zu überlegen. Und er betont: „Ich hätte auch noch einen Tag vor dem Eingriff einen Rückzug machen können.“ Seitens der Ärzte oder der AKB herrsche keinerlei Verpflichtung, bis zuletzt. Die einzige Konsequenz wäre das eigene Gewissen. Denn: Sobald Christian Söllner zustimmte, die OP durchzuführen, wurde beim Patienten das Immunsystem „herunter gefahren“. Er wird so vorbereitet, dass er keine Abwehrkräfte mehr hat, die das fremde, aber lebensrettende Knochenmark abstoßen könnten. Hätte Söllner kurz vor der OP einen Rückzug gemacht, wäre der Patient gestorben. In dieser Hinsicht gäbe es kein Zurück mehr.

Treffen erst nach zwei Jahren

Bei der Typisierung wird nur eine geringe Menge Blut abgenommen. Foto: epk
Bei der Typisierung wird nur eine geringe Menge Blut abgenommen. Foto: epk

„Dieses Gefühl von Verantwortung beschäftigt einen natürlich“, sagt der 41-Jährige. Dieser kranke Mensch sei auf einen angewiesen, obwohl man ihn überhaupt nicht kennt. Doch dieser Aspekt ist laut Manuela Ortmann von der AKB besonders wichtig. „Würde der Spender den Patienten kennen und die Krankheitsgeschichte mitbekommen, wäre die Spende jenseits von jeder Freiwilligkeit.“ Man versuche durch Anonymität so gut wie möglich, kein Gefühl der Verpflichtung hervorzurufen.

„Würde der Spender den Patienten kennen und die Krankheitsgeschichte mitbekommen, wäre die Spende jenseits von jeder Freiwilligkeit“

Manuela Ortmann, Aktion Knochenmarkspende Bayern

Am 13. September trat Christian Söllner schließlich die Reise nach Garching an. Eine Stunde unter Vollnarkose nahmen ihm die Ärzte die – hoffentlich –lebensrettende Substanz aus dem Beckenkamm. Als Söllner wieder aufwachte, erfüllte ihn vor allem eines: Stolz. Und Hoffnung. Denn noch kann er sich nicht sicher sein, ob er wirklich ein Leben gerettet hat. Er kann erst in einem halben Jahr erfahren, wie der gesundheitliche Zustand des Patienten ist. Außerdem gibt es in Deutschland Richtlinien, die besagen, dass sich Spender und Empfänger erst nach zwei Jahren persönlich kennen lernen dürfen. Und darauf freut sich Christian Söllner schon jetzt. „Ich habe schon vor, irgendwann mit ihm oder ihr in Kontakt zu treten. Man ist ja dann auch neugierig, wo dieser Mensch her kommt und wem man geholfen hat.“ Auch Manuela Ortmann von der AKB weiß: „Solche Treffen sind oft sehr emotional.“ Und: Egal, ob ein Treffen stattfindet oder nicht. Man werde nie vergessen, jemandem das Leben gerettet zu haben.

Der Leukämielauf

  • Kosten:

    Die Typisierung und Aufnahme in die Spenderdatei ist beim Leukämielauf umsonst.

  • Ablauf:

    Nach der Registrierung stehen die Gewebemerkmale für Patienten auf der ganzen Welt zur Verfügung. Es gibt eine periphere Stammzellenspende über eine Blutabnahme und eine Knochenmarkspende. Die ist jedoch nur in 20 Prozent der Fällen notwendig.

  • Ort:

    Der Leukämielauf findet auf der städtischen Sportanlage Oberer Wöhrd in Regensburg statt. Es wird empfohlen, am Dultplatz zu parken. Dort sind genug freie Parkplätze.

  • Anmeldung:

    Die Anmeldung ist bereits geschlossen, weil die maximale Anzahl von 3300 Läufern erreicht wurde. Aber auch für die, die nicht aktiv mitlaufen, wartet ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie.

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