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Geschichte

Nazi-Opfer als Pate: Schule sagt Nein

Die Pädagogen der Schule Prüfening sind für Pilzforscher Killermann und gegen den NS-Verfolgten Weber.
Von Claudia Böken, MZ

Regensburg. Ein Eklat zeichnet sich bei der Namensgebung der neuen Grundschule Prüfening ab. Die „Schulfamilie“, bestehend aus Elternbeirat und Lehrerkollegium, hat sich mehrheitlich gegen den von SPD und CSU vorgeschlagenen Namen Hans-Weber-Schule ausgesprochen. Sie will die Schule nach Sebastian Killermann benennen, dem auch die Straße, an der die Schule steht, ihren Namen verdankt. Hans Weber, ein Verfolgter des Nazi-Regimes, war von 1961 bis 1972 zweiter Bürgermeister in Regensburg. Der 2003 verstorbene Sozialdemokrat war und ist bis heute nicht nur bei seinen Genossen hoch angesehen.

SPD-Fraktion klärte auf

Anders an der Schule in Prüfening. Da kannte kaum jemand den bescheidenen Mann, dessen Name für Demokratie und Toleranz steht und nach dem ein Preis für Zivilcourage benannt ist, den der SPD-Unterbezirk alle zwei Jahre auslobt. Warum soll die Schule nach Bürgermeister Weber benannt werden? Das war eine der Fragen, mit denen sich Mitglieder der SPD-Fraktion konfrontiert sahen, die an der Schule für ihre Idee warben. „Weber“, das war für einige Eltern und Lehrer der Schule der heutige Schulbürgermeister Gerhard Weber. Von einem Hans Weber hatten manche noch nie gehört.

Die SPD ließ nicht so leicht locker. Fraktionsmitglieder diskutierten mit dem Elternbeirat und dem Lehrerkollegium und klärten auf: Hans Weber, geboren 1912, war bereits in frühester Jugend gegen den Nationalsozialismus aktiv. Er schmuggelte sozialdemokratisches Material, darunter die im Prager Exil gedruckten Parteizeitungen „Neuer Vorwärts“ und „Sozialistische Aktion“ unter größten Gefahren für Leib und Leben über die bayerisch-tschechische Grenze und verbreitete sie bis nach Nürnberg und München. Zu diesem Zweck war er mit dem Fahrrad oder Motorrad, aber auch zu Fuß in ganz Bayern unterwegs.

Als er 1934 von der Gestapo verhaftet wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Er wurde wegen Hochverrats zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt und später in die Strafdivision 999 nach Nordafrika geschickt. Dort geriet er in Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1947 nach Hause zurückkehrte. Kaum von den Strapazen genesen, engagierte er sich gemeinsam mit seiner Frau in Regensburg gleich wieder in der SPD und im Aufbau der noch jungen Demokratie. Jahre später versuchte er in zahlreichen Vorträgen an Schulen, junge Leute davon zu überzeugen, dass der Einsatz für Toleranz und Demokratie immer erforderlich ist.

Bezüge zur Schule Prüfening gibt es übrigens auch: Als sie eingeweiht wurde, war Hans Weber der zuständige Bürgermeister. Er hat in der Eichenstraße gewohnt. Und ein paar Meter weiter ist eine Straße nach Alfons Bayerer benannt: Er war der Schwiegervater Webers, der 1940 nach seiner Internierung im KZ Dachau an den Folgen der Misshandlungen gestorben war.

Killermann leichter erklärbar

Während Teile des Elternbeirats sich von den Ausführungen von SPD-Fraktionschef Norbert Hartl und verschiedener Stadträte immerhin nachdenklich stimmen ließen, blieb das Lehrerkollegium um Rektorin Ingeborg Zangl eisern: Es sei zu schwierig, Kindern zu erklären, was es mit Hans Weber auf sich habe. „Killermann zu erklären, ist einfacher, das bedeutet Kunst und Wissenschaft“, so ihr Argument. Von der MZ mit dieser Aussage konfrontiert, blieb Zangl dabei: Killermann sei Kindern leichter zu erklären und passe in den Lehrplan. Das sei die Meinung der Lehrkräfte, und auch der Elternbeirat sei für den Namen Killermann-Schule.

Der Leiter des Amts für Schulen, Gerhard Schnabl, könnte sich – ohne Killermann herabwürdigen zu wollen – Hans Weber gut als Namenspatron vorstellen. Er sei ein Vorbild auch für künftige Bürger. Er sehe kein Problem, die Thematik Kindern plausibel zu machen. „Man muss die Sache eben altersgemäß didaktisch reduziert darbringen.“

Weil ein Schulname im Einvernehmen zwischen Elternbeirat, Lehrerkollegium und Schulaufwandsträger gewählt werden soll, wird die Schule wohl künftig schlicht Grundschule Prüfening heißen. Allerdings geht zum Schuljahresende die Rektorin in den Ruhestand. Dann werden die Karten eventuell neu gemischt.

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